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Angriff auf US-Marines
Chattanooga-Attentäter war anscheinend depressiv

FBI ermittelt nach Todesschüssen in Chattanooga
FBI ermittelt nach Todesschüssen in Chattanooga FOTO: dpa, esl ks
Chattanooga. Das FBI geht im Zusammenhang mit der Ermordung der vier US-Marines durch Mohammod A. nicht von einem Terroranschlag aus. Vielmehr verdichten sich die Hinweise auf einen gestörten Geisteszustand des Schützen.

Depressiv, drogenabhängig - über den mutmaßlichen Todesschützen von Chattanooga im US-Staat Tennessee werden immer mehr Details bekannt. Ein Motiv, weshalb der 24-Jährige am Donnerstag vier Marineinfanteristen erschossen und einen Matrosen tödlich verletzt haben soll, schälte sich aber nicht heraus. Das FBI prüft einen terroristischen Hintergrund. Gouverneure etlicher US-Staaten ordneten an, ihre Nationalgarden zu bewaffnen.

Die Angehörigen von Mohammod A. erklärten über einen Anwalt, der mutmaßliche Täter habe jahrelang an Depressionen gelitten. "Die Person, die dieses schreckliche Verbrechen begangen hat, war nicht der Sohn, den wir kannten und liebten" hieß es in der am Samstagabend (Ortszeit) an die Nachrichtenagentur AP übermittelten Erklärung. Es sei äußerst betrüblich, dass diese Krankheit zu einem derart abscheulichen Gewaltverbrechen geführt habe. "Es gibt keine Worte, unsere Erschütterung, unser Entsetzen und unsere Trauer zu beschreiben", erklärten die Angehörigen. Sie trauere sehr um seine Opfer.

A. soll zunächst ein Rekrutierungsbüro beschossen haben, wobei er allerdings nur Sachschaden anrichtete. Dann soll er zu einem Militärübungszentrum gefahren sein, vier Marines getötet und drei weitere Personen verletzt haben. Eine von ihnen starb am Samstag. A.wurde von der Polizei erschossen.

USA trauern um Opfer des Anschlags von Chattanooga FOTO: dpa, esl ks

Drei Monate zuvor hatten ihn Polizisten angehalten, die sich über seine unstete Fahrweise wunderten. Er fuhr laut mittlerweile veröffentlichten Haftakten extrem langsam, hielt die Spur nicht und stoppte bei Grün an einer Ampel. A. habe sich "sehr lethargisch benommen", unverständlich gesprochen, blutunterlaufene Augen gehabt und nach Alkohol und Marihuana gerochen, schrieb der Beamte später. In seinen Nasenlöchern sei eine "weiße pudrige Substanz" gewesen.

A. erklärte damals, er habe zerkleinerte Koffeinpillen geschnupft, Alkohol getrunken und mit Freunden Marihuana geraucht. Daraufhin wurde er festgenommen und in eine Haftanstalt im Bezirk Hamilton County in Tennessee gebracht.

Mehrere Gouverneure verschärften am Wochenende die Sicherheitsvorkehrungen für die Nationalgarde. In Texas, Louisiana, Arkansas, Oklahoma, Florida und Indiana wurde die Bewaffnung angeordnet. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, ging noch einen Schritt weiter und veranlasste am Samstag per Verfügung die Verlegung von Rekrutierern der Nationalgarde in Waffenkammern. Zuvor waren sie in sechs Büros mit Fensterfassaden untergebracht.

Einige Experten halten US-Rekrutierungs- und Reservistenzentren für besonders anfällig für Attacken. US-Militärvertreter haben nun eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Doch der Generalstabschef des Heeres, Ray Odierno, sagte, dass man noch nicht sagen könne, ob die Einrichtungen Wachmänner oder erhöhten Schutz bräuchten.

(ap)
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