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Anschlag in Tennessee
Todesschütze von Chattanooga: "Er war freundlich, lustig, nett"

FBI ermittelt nach Todesschüssen in Chattanooga
FBI ermittelt nach Todesschüssen in Chattanooga FOTO: dpa, esl ks
Chattanooga . Bei einem Angriff auf Militärangehörige im US-Bundesstaat Tennessee sind am Donnerstag vier Marineinfanteristen und der mutmaßliche Schütze getötet worden. Staatsanwalt Bill Killian sagte bei einer Pressekonferenz, dass die Ermittler den Vorfall als möglichen "Akt von inländischem Terrorismus" untersuchen würden. Ein Mann hatte vor einem Rekrutierungsbüro und vor einem Reservistenzentrum in der Stadt Chattanooga um sich geschossen.

Die Tat sei "herzzerreißend", sagte US-Präsident Barack Obama vor Journalisten. Der Angriff sei allem Anschein nach von einem Einzeltäter verübt worden. Die Bundespolizei FBI identifizierte den Schützen als den 24-jährigen Mohammod Youssuf A. Der Mann sei von einem Polizisten erschossen worden, hieß es aus Militärkreisen.

Der leitende FBI-Ermittler Ed Reinhold erklärte, dass eine Verbindung zu internationalen Terroristen ebenso wie "ein einfacher krimineller Akt" nicht ausgeschlossen seien. "Wir verfolgen jede mögliche Spur", sagte Reinhold. Aus Militärkreisen in Washington hieß es, derzeit gebe es keine Hinweise auf eine Verbindung des Schützen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und anderen Extremistengruppen.

Vier Opfer sind Marineinfanteristen

Nach Angaben der US-Armee handelt es sich bei den vier Opfern um Marineinfanteristen. Alle vier seien vor dem Reservistenzentrum getötet worden. Bei den Schüssen auf das Rekrutierungsbüro sei zudem ein Anwerber der Marineinfanteristen am Bein verwundet worden.

Der Bürgermeister von Chattanooga, Andy Berke, sagte, dass auch ein Polizist verletzt worden sei. Es sei "unbegreiflich", was passiert sei und wie die, die "stolz unserem Land dienen, behandelt wurden". "Das ist heute ein Albtraum für Chattanooga."

Der FBI-Agent Reinhold sagte, der Schütze habe zunächst vor dem Rekrutierungsbüro das Feuer eröffnet. Anschließend habe er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert und sei zum Reservistenzentrum gefahren. Laut Reinhold führte der Schütze "zahlreiche Waffen" mit sich.

Der Mann habe "20, 30 Sekunden" lang geschossen

Eine Augenzeugin sagte dem Nachrichtensender CNN, dass ein Mann vor dem Rekrutierungsbüro aus seinem offenen Cabrio heraus wild um sich geschossen habe. Der Mann habe "20, 30 Sekunden" lang geschossen und mehrfach nachgeladen, sagte die Frau.

Mohammod Youssuf A. lebte in einem grünen Vorort von Chattanooga. US-Medienberichten zufolge stammte er aus gebürtig Kuwait, war aber eingebürgert. An Universität von Tennessee in Chattanooga (UTC) erlangte er ein Ingenieursdiplom. Die Hochschule äußerte sich in einer Erklärung beim Kurznachrichtendienst Twitter bestürzt über den Vorfall.

"Er war freundlich, lustig, nett"

Eine frühere Mitschülerin des mutmaßlichen Täters, Kagan Wagner, sagte, dass der Schütze früher ein "ruhiges" und "beliebtes" Kind gewesen sei. "Er war freundlich, lustig, nett", sagte Wagner der "Chattanooga Times".

Im September 2013 hatte ein Marine-Reservist auf der Militärbasis Navy Yard in Washington zwölf Menschen erschossen. Der Mann wurde anschließend bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Im November 2009 hatte ein Militärpsychiater auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas das Feuer eröffnet und 13 Menschen getötet. Der Schütze wurde vor zwei Jahren zum Tode verurteilt.

(AFP)
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