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Belege vorgelegt
Russland wirft syrischen Rebellen Einsatz von Chemiewaffen vor

Moskau. Immer wieder sind Gerüchte über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien aufgekommen – die Vereinten Nationen legten einen Bericht vor, der dem Assad-Regime den Einsatz von Chlorgas nachwies. Jetzt beschuldigt Russland die politische Opposition in Aleppo mit Belegen.

Experten des Verteidigungsministeriums in Moskau hätten in einem bis vor kurzem von Aufständischen kontrollierten Stadtteil Geschosse und Munition entdeckt, die vermutlich Chlor und weißen Phosphor enthielten, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Freitag. Der Fund belege, dass die Rebellen Chemiewaffen gegen Zivilisten und Syriens Armee eingesetzt hätten.

Konaschenkow kündigte eine Untersuchung der Substanzen gemeinsam mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) an. Russland ist enger militärischer Partner des syrischen Regimes. Das Oppositionsbündnis Syrische Nationale Koalition wies die Anschuldigungen zurück. In einer Erklärung behauptete sie, solche Munition werde "ausschließlich" von syrischen Regierungstruppen und deren iranischen Verbündeten verwendet.

Vereinte Nationen wiesen zweifach Einsatz von Chlorgas nach

Die Vereinten Nationen hatten zuletzt mehrere mutmaßliche Giftgaseinsätze der vergangenen Jahre in Syrien zusammen mit der OPCW untersucht. In einem Bericht vom August kamen sie zu dem Schluss, dass die syrische Regierung unter Machthaber Baschar al-Assad in zwei Fällen Chlorgas eingesetzt habe. In einem Fall habe die Terrormiliz Islamischer Staat Senfgas nahe Aleppo eingesetzt. Sechs weitere Fälle konnten unter anderem wegen schwieriger Untersuchungsbedingungen nicht mit Sicherheit einer der Konfliktparteien zugeordnet werden.

"Wer immer diese menschenverachtenden Waffen einsetzt, begibt sich damit nicht nur außerhalb der Wertevorstellungen der Völkerfamilie, sondern muss zur Verantwortung gezogen werden", forderte das Auswärtige Amt in Berlin in einer Mitteilung am Freitag. Dazu sei entschlossenes und vereintes Handeln des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen notwendig. Als eine der fünf Vetomächte in dem UN-Gremium hat Russland in der Vergangenheit immer wieder Resolutionen zum Syrien-Konflikt blockiert.

(isw/dpa)
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