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Unruhen in Tibet: China bekräftigt Ultimatum - Proteste auch in München

zuletzt aktualisiert: 17.03.2008 - 12:48

Peking (RPO). Die chinesische Regierung hat ihr Ultimatum an die Demonstranten in Tibet erneuert. Wer sich bis Mitternacht den Behörden stelle, könne mit milder Behandlung rechnen, sagte der tibetische Gouverneur Champa Phuntsok vor Journalisten. Auch in Deutschland wird jetzt protestiert: Tibeter haben am chinesischen Konsulat in München eine Fahne der Volksrepublik verbrannt.

Die amtliche Zahl der Toten bei dem antichinesischen Aufstand seit Freitag wurde derweil auf 16 erhöht. Bisher hatte die chinesische Regierung von zehn Toten gesprochen. Nach Angaben von Exil-Tibetern kamen indes bis zu 80 Menschen ums Leben.

Wer sich freiwillig ergebe, werde im Rahmen des Gesetzes mit Milde behandelt, sagte Champa Phuntsok, ein Tibeter, der von Peking als Gouverneur eingesetzt wurde. Wer zudem Informationen über Rädelsführer und andere Beteiligte an dem Aufstand preisgebe, könne mit noch mehr Milde rechnen. Allen anderen wurden schwere Strafen angedroht. Exil-Tibeter äußerten die Befürchtung, dass es nach Ablauf des Ultimatums zu einer Militäroffensive kommen werde.

Die Protestbewegung blieb nicht nur auf die tibetische Hauptstadt Lhasa beschränkt. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. Dort war es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen nach unbestätigten Berichten bis zu sieben Menschen getötet wurden. In Maqu in der Provinz Gansu kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen tausenden Demonstranten und der Polizei. Nach Behördenangaben wurden mindestens zehn Polizisten verletzt.

In Tongren in der Provinz Qinghai bezogen Bereitschaftspolizisten Stellung vor einem Kloster. Trotz eines Versammlungsverbots zogen Dutzende Mönche auf einen Hügel, wo sie Räucherwerk anzündeten. Dies sei Ausdruck des gewaltfreien Protests, sagte ein Teilnehmer.

Mehrere ausländische Journalisten wurden aus den tibetischen Teilen der Provinzen Gansu und Qinghai ausgewiesen, unter ihnen auch Reporter der Nachrichtenagentur AP. Die Polizei begründete die Entscheidung mit der Sicherheit der Journalisten.

Auch in Nepal gab es am Montag eine Demonstration gegen die Fremdbestimmung von Tibet. Dabei kam es ebenfalls zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Polizei ging mit Bambusstöcken gegen die etwa 100 Demonstranten vor, unter ihnen auch buddhistische Mönche. Etwa 30 Personen wurden verletzt.

Unterdessen ging die Diskussion über einen möglichen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking als Konsequenz aus den blutigen Vorfällen weiter. Die Sportminister der Europäischen Union sprachen sich bei einem Treffen im slowenischen Brdo gegen eine solche Entscheidung aus. Sport und Politik sollten getrennt bleiben, erklärte der slowenische Ressortchef Milan Zver. Frühere Boykotts von Olympischen Spielen hätten gezeigt, dass solche Maßnahmen weitgehend wirkungslos blieben.

Deutsche in Tibet?

Von den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Tibet sind nach Angaben des Außenministeriums nur wenige Deutsche direkt betroffen. Die Anzahl der Bundesbürger, die sich derzeit in Tibet aufhalten, sei "sehr überschaubar", sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Nur "wenige deutsche Touristen" befänden sich derzeit in "Lhasa in den Hotels". Die deutsche Botschaft in Peking habe dennoch einen Krisenstab gebildet. Das Auswärtige Amt rate zudem weiter von Reisen in die Krisenregion ab.

Zu Forderungen, die Teilnahme an der Olympiade in China abzusagen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg: "Die Bundesregierung hält nichts davon, die Olympischen Spiele zu boykottieren". Betroffen von so einer Maßnahme wären allein die Sportler, für die Menschen in Tibet würde dadurch nichts erreicht.

Berlin sei über die Entwicklung in Tibet und den angrenzenden chinesischen Provinzen besorgt. Gewalt, "egal von welcher Seite ausgeübt", könne "nichts zur Lösung der Konflikte" beitragen. Die Bundesregierung rufe alle Beteiligten zur Mäßigung und Friedfertigkeit auf und unterstütze sowohl den Anspruch der Tibeter auf religiöse und kulturelle Autonomie als auch die territoriale Integrität Chinas.

Protestierende Tibeter haben am chinesischen Generalkonsulat in München eine Fahne der Volksrepublik verbrannt. Versuche, gewaltsam in das Gebäude vorzudringen, scheiterten, wie die Polizei mitteilte. Es kam aber zu einem Handgemenge. 25 Männer und Frauen wurden vorläufig festgenommen. Im Umfeld des Konsulats brachten die Demonstranten mit Farbe Schriftzüge wie "Save Tibet" - "Rettet Tibet" - an.

Quelle: ap

 
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