Konflikt in Tibet: China: Dalai Lama nimmt Olympia als Geisel
zuletzt aktualisiert: 23.03.2008 - 14:05Chengdu/China (RPO). Der Konflikt in Tibet schwelt weiterhin. China verstärkt die Angriffe auf den Dalai Lama und wirft ihm vor, die jüngsten Unruhen angezettelt zu haben. Dabei sollten die Olympischen Spiele angeblich gezielt geschädigt werden.
Ziel der "Dalai-Clique" sei es, dem Ansehen Chinas vor Beginn der Olympischen Spiele zu schaden, schrieb die Zeitung "Tibet Daily" am Sonntag. Es handele sich um einen Kampf auf Leben und Tod "zwischen uns und dem Feind". Der Dalai Lama wies die Vorwürfe erneut zurück und verwies darauf, dass er die Olympischen Spiele immer unterstützt habe.
"Das böse Motiv der Dalai-Clique ist es, in einer sensiblen Zeit Ärger hervorzurufen und sogar Blutvergießen zu verursachen, um Olympia in Peking zu beschädigen", schrieb die Zeitung weiter. Die der kommunistischen Partei nahestehende Zeitung "Renmin Ribao" berichtete, die Gruppe um den Dalai Lama nehme die Olympischen Spiele als Geisel, um Zugeständnisse in der Frage der Unabhängigkeit Tibets zu erpressen.
Der Dalai Lama nannte die chinesischen Vorwürfe haltlos. Er sei immer dafür gewesen, dass die Olympischen Spiele in Peking stattfinden sollten. "Eine Milliarde Menschen, also Chinesen", könnten stolz darauf sein, erklärte er in Neu-Delhi.
Mit Sorge blicken die Verantwortlichen offenbar schon auf den Beginn der olympischen Zeremonie, auf das Entzünden der Fackel im antiken Olympia in Griechenland. Rund 1.000 Polizisten sind aufgeboten, um protibetische Proteste von der Feier fernzuhalten, zu der auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, erwartet wurde.
Thailändische Fackelläuferin erklärt Rücktritt
Befürchtungen Chinas, dass der olympische Fackellauf politisiert werden, scheinen sich unterdessen mit dem Rücktritt einer thailändischen Läuferin schon zu bestätigen. Narisa Chakrabongse erklärte, auf diese Weise wolle sie die Botschaft an die chinesische Regierung senden, dass die Welt ihre Handlungen nicht akzeptiere.
Die chinesische Regierung erklärte die Unruhen in Tibet und angrenzenden Regionen unterdessen für eingedämmt. Die meisten dieser Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, ein massives Militäraufgebot war im Einsatz. Eine unabhängige Bestätigung der Bericht war nicht möglich.
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, in den betroffenen Gebieten kehre wieder Normalität ein. Im Bezirk Aba in der Provinz Sichuan hätten mehr als die Hälfte der Geschäfte wieder geöffnet. Der Chef der Kommunistischen Partei in dem Bezirk, Kang Qingwei, wurde mit den Worten zitiert, alle Regierungseinrichtungen und wichtigen Unternehmen arbeiteten normal, die Schulen würden am Montag wieder öffnen. Xinhua hatte aus Aba berichtet, dass Polizisten in Notwehr vier Gewalttäter erschossen hätten. Es war das einzige Mal, dass die chinesischen Behörden Schüsse auf Demonstranten einräumten.
"Der Alptraum ist vorbei"
Auch in Xiahe in der Provinz Gansu kehre nach Unruhen in der vergangenen Woche wieder Ruhe ein, berichtete Xinhua. "Der Alptraum ist vorbei. Alles scheint Vergangenheit zu sein", wurde ein örtlicher Händler zitiert, Jiang Fuxing. Auch in Maqu in Gansu habe die Regierung wieder die Kontrolle übernommen. 70 Prozent der Läden in der Stadt seien von Gewalttätern zerstört worden, hieß es.
Die Proteste begannen am 10. März in Tibet. China gibt die Zahl der Toten bei den Unruhen offiziell mit 22 an. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung in Indien wurden 99 Menschen getötet, 80 in Lhasa und 19 in Gansu.
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