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Unruhen in Lhasa: China droht mit Gewalt in Tibet

zuletzt aktualisiert: 22.03.2008 - 09:28

Peking (RPO). Die Lage in Tibet spitzt sich zu. China hat am Samstag eine "entschlossene Niederschlagung" der tibetischen Protestbewegung angekündigt. Zudem spricht die chinesische Nachrichtenagentur bereits von 19 Toten bei den gewaltsamen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Bisher wurde die Zahl der Todesopfer mit 13 angegeben.

Die kommunistische Parteizeitung "Renmin Ribao" schrieb am Samstag in einem Leitartikel: "Wir müssen die üblen Absichten der sezessionistischen Kräfte durchschauen, das Banner der sozialen Stabilität hochhalten und die Verschwörung der 'tibetischen Unabhängigkeitskräfte' entschlossen niederschlagen."

Die chinesischen Behörden setzten am Samstag ein weiteres Mal ihre Angaben zu den Todesopfern der Unruhen vom 14. März in der tibetischen Hauptstadt Lhasa herauf. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, dass fünf weitere Bewohner und ein Polizist ihren Verletzungen erlegen seien. Dadurch sei die Zahl der Toten auf 22 gestiegen. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung kamen bei den Unruhen 99 Tibeter in Lhasa und 19 in der Provinz Gansu ums Leben.

Die chinesische Regierung hat auf die größte Herausforderung in Tibet seit dem Aufstand von 1959 mit einer massiven Truppenverstärkung reagiert. Die Behörden haben zudem eine Liste mit den Namen von 21 meistgesuchten Aktivisten der Protestbewegung veröffentlicht.

Boykott der Olympischen Spiele?

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, drohte China mit einem Boykott der Olympischen Spiele. Pötering betonte: "Peking muss sich entscheiden. Es sollte unverzüglich mit dem Dalai Lama verhandeln. Bleiben Signale der Verständigung aus, halte ich Boykottmaßnahmen für gerechtfertigt." Er fügte hinzu: "Wir sollten einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking nicht ausschließen. Wir wollen erfolgreiche Spiele - aber nicht zum Preis des kulturellen Völkermords an den Tibetern, von dem der Dalai Lama spricht."

Der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden rief Peking zu einem "intelligenten Dialog" mit dem Westen auf. Indes lehnen der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, Peter Danckert (SPD), und der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, Boykottmaßnahmen klar ab.

Bei den inzwischen 19 Todesopfern handele es sich um "18 unschuldige Zivilisten und einen Polizisten", verkündete am Samstagmorgen (Ortszeit) die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Sie berief sich auf Angaben des von Peking kontrollierten Regionalparlaments in Lhasa. Außerdem seien 241 Polizisten verletzt worden, davon 23 schwer, berichtete Xinhua. Bei den Zivilisten habe es 382 Verletzte gegeben, davon 58 Schwerverletzte. Zudem seien von den "Randalierern" mehrere Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser in Brand gesetzt worden.

Bisher hatte die chinesische Führung die Zahl der Todesopfer stets mit 13 angegeben. Die tibetische Exilregierung spricht dagegen von etwa hundert Todesopfern in der gesamten Himalaya-Region, die unter chinesischer Herrschaft steht.

Taiwans Verhältnis zu China

In Taiwan hat am Samstag die Wahl eines neuen Präsidenten begonnen. Im Blickpunkt der Wahl steht das künftige Verhältnis zu China. Um die Stimmen der 17 Millionen Wahlberechtigten bewarben sich Frank Hsieh von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) und Ma Ying Jeou von der Nationalen Volkspartei (Kuo-Min Tang). Beide befürworten eine Abkehr von der strikten Abgrenzungspolitik des DPP-Politikers Chen Shui Bian, der seit 2000 regierte und eine förmliche Unabhängigkeitserlärung angestrebt hat. Während Ma für einen Friedensvertrag mit Peking und Verhandlungen über einen gemeinsamen Markt anstrebt, tritt Hsieh für eine zurückhaltendere Annäherung ein.

Taiwan ist seit 1949 faktisch von China unabhängig, Peking betrachtet die Insel aber weiterhin als Teil seines Territoriums und hat für den Fall einer endgültigen Abtrennung wiederholt mit einem militärischen Eingreifen gedroht.

Quelle: afp

 
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