Nach Treffen mit Dalai Lama: China empört über Frankreichs Präsident Sarkozy
zuletzt aktualisiert: 07.12.2008 - 15:00Danzig/Peking (RPO). Der französische Präsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende hat sich durch ein Treffen mit dem Dalai Lama den Ärger Chinas zugezogen. Sarkozy bezeichnete die etwa halbstündige Begegnung mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter am Samstag in Danzig als seine "Pflicht" als EU-Ratspräsident. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua sprach am Sonntag von einem "unüberlegten" Schritt.
Sarkozy sagte vor Journalisten in Danzig, die Begegnung mit dem Dalai Lama am Rande der Feiern zum 25. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Gründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, sei "sehr gut verlaufen". Der Dalai Lama habe ihm gegenüber bekräftigt, dass er nicht Tibets Unabhängigkeit von China verlange, und sich für eine Fortsetzung des Dialogs mit der chinesischen Regierung ausgesprochen. China sei wichtig bei der "Lösung der großen Probleme in der Welt", fügte Sarkozy hinzu. Zugleich teile Europa die Sorge des Dalai Lama über die Lage in Tibet.
Vor dem Gespräch hatte der Dalai Lama als Willkommensgeste nach tibetischer Tradition Sarkozy einen weißen Schal um die Schultern gelegt. Der französische Staatschef sagte vorab, das Treffen solle "nicht dramatisiert" werden. "Als Präsident der französischen Republik bin ich frei in meiner Terminplanung", führte er aus. Als derzeitiger EU-Ratspräsident vertrete er Werte und Überzeugungen. "Es war meine Pflicht, dies zu tun, ich tue es sehr gern", fügte der Präsident hinzu.
Xinhua kommentierte Sarkozys Begegnung mit dem Dalai Lama als "eine opportunistische, unüberlegte und kurzsichtige Initiative". Das "wenig vernünftige" Treffen habe die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt und werde die Beziehungen zwischen Peking und Paris belasten.
Sarkozy als "Idiot der Geschichte" beschimpft
Der chinesische Außenminister Yang Jiechi äußerte sich zunächst nicht zu dem Treffen. Er hatte Sarkozy zuvor wiederholt gewarnt, ein Gespräch mit dem Dalai Lama könne insbesondere die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Frankreich beeinträchtigen. Die chinesische Regierung hatte aus Protest gegen die Begegnung bereits einen für vergangenen Montag in Lyon geplanten EU-China-Gipfel abgesagt. Peking wirft dem Dalai Lama vor, die Loslösung Tibets von China zu betreiben.
Die chinesischen Behörden, die das Internet im Land streng kontrollieren, gingen nicht gegen heftige Kritik an Frankreich vor. So bezeichnete ein Nutzer Sarkozy auf der viel genutzten Website Tianya als "Frankreichs Kriminellen und Idiot der Geschichte" und rief zum Boykott französischer Waren auf. In Peking kursierten Gerüchte über geplante anti-französische Demonstrationen. Im April hatten pro-tibetische Aktionen beim olympischen Fackellauf durch Paris wochenlange anti-französische Proteste in China ausgelöst.
Im Sommer lehnte es Sarkozy nach Drohungen Chinas ab, den Dalai Lama zu treffen, als sich der Friedensnobelpreisträger während der Olympischen Spiele in Frankreich aufhielt. Dies stieß bei Menschenrechtsorganisationen und bei der französischen Opposition ebenso auf Kritik wie Sarkozys Teilnahme an der Olympia-Eröffnungsfeier am 8. August in Peking.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach einem Treffen mit dem Dalai Lama im September 2007 Chinas Verärgerung zu spüren bekommen. Peking sagte damals mehrere Treffen mit deutscher Beteiligung ab.
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