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Politiker kritisiert Vergabe der Spiele an Peking: China empört über Nazi-Vergleich

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 26.03.2008 - 11:34

Osnabrück (RPO). Die chinesische Regierung ist empört. Anlass ist ein provokanter Vergleich der Olympischen Spiele in Peking mit denen von 1936 in Nazi-Deutschland. Der Vorwurf stammt von Michael Portillo, einem britischen Konservativen und ehemaligen Minister in London.

In einer Kolumne in der "Sunday Times" zieht er Parallelen. Man solle Olympia als Waffe gegen das Regime in Peking nutzen. Genauso sei es damals auch Adolf Hitler und seiner Rassenideologie ergangen, als der schwarze Sportler Jesse Owens mit vier Goldmedaillen zum großen Star der Spiele wurde.

Portillos Hauptkritik richtet sich aber gegen die westlichen Regierungen: Für die Vergabe der Spiele nach Peking gebe es keine Entschuldigung. In Berlin sei das noch anders gewesen. Hitler sei erst nach der Entscheidung des Olympischen Komitees an die Macht gekommen.

China habe dadurch einen großen Propaganda-Triumph feiern können. Angesichts der Entscheidung des IOC könnten sich die Verantwortlichen ziemlich sicher sein, dass auch bei einer anhaltenden Verletzung der Menschenrechte kein weiteres Ungemach drohe. Kaum eine andere Regierung werde so tapfer sein, die Spiele zu boykottieren.

Als Beleg führt er wieder die Spiele von 1936 an, wo selbst die Einführung der Nürnberger Rassengesetze keine Sanktionen zur Folge hatten. Nur wenn China in ein anderes Land einmarschiere, habe es wohl - analog zu den Boykotten der Spiele 1980 in Moskau - Schlimmeres zu befürchten.

"Beleidigung"

Nach Ansicht des chinesischen Außenministeriums kommt die Zeitungskolumne Portillos einer "Beleidigung des chinesischen Volkes" gleich. "Es ist eine Beleidigung des chinesischen Volkes und eine Beleidigung für jede Nation der Welt", erklärte Außenamtssprecher Qin Gang. "Die Olympische Fackel leuchtet auf die dunkle und verachtenswerte Psychologie einiger Leute", sagte Qin.

Unterdessen hielt der Druck auf Peking weiter an. Während die deutschen Sportler am Montag ein Freiticket für die Teilnahme an den Spielen erhielten, spielen andere Länder zunehmend mit dem Gedanken an einen möglichen Boykott. Jüngstes Beispiel: Belgien. Die Regierung in Brüssel schließt einen solchen Schritt nicht aus, falls sich die Lage in Tibet weiter verschlechtern sollte.

Ein Boykott sei derzeit zwar keine Option, "aber wir können das Schlimmste nicht ausschließen", erklärte der stellvertretende belgische Ministerpräsident Didier Reynders in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Zeitung "Le Soir".

Erst am Dienstag hatte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärt, er halte sich die Option eines Boykotts offen. Bei einem Protestmarsch tibetischer Mönche war es am Dienstag erneut zu blutigen Zusammenstößen mit der chinesischen Polizei gekommen, bei denen mindestens zwei Menschen getötet wurden.

Alternativen zu einem Boykott

In Deutschland drehen sich die Überlegungen um Alternativen. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, verteidigt die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die Athleten nach China reisen zu lassen. Er halte nichts von einem Olympia-Boykott, sagte Nooke der "Berliner Zeitung". "Der DOSB hat zunächst einmal Verantwortung für die Sportler. Denen kann man nicht sagen: Trainiert mal schön, und wir entscheiden eine Woche vor Beginn der Spiele, ob wir teilnehmen", sagte der CDU-Politiker.

"Wir können unsere Meinung über das Vorgehen der chinesischen Führung auch auf andere Weise als mit einem Olympia-Boykott zum Ausdruck bringen", fügte er hinzu. Es sei gut, dass etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch nicht zugesagt habe, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. Bundespräsident Horst Köhler habe erklärt, er werde nur zu den Paralympics fahren.

Nooke forderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, Protestaktionen der Sportler während der Spiele zu erlauben. "Wenn das IOC die Spiele weiter an Länder wie China oder Russland vergeben will, dann muss es den Sportlern auch erlauben, sich politisch zu äußern, und ihnen nicht mehr mit Konsequenzen drohen", sagte Nooke. Öffentliche Protest-T-Shirts bei der Eröffnungsfeier - in Peking würde eine solche Vorstellung sicherlich Besorgnis auslösen. 


 
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