Deutsche gegen Olympia-Boykott: China erklärt Unruhen für eingedämmt
zuletzt aktualisiert: 23.03.2008 - 08:33Chengdu/China (RPO). Die chinesische Regierung hat am Sonntag die Unruhen in Tibet und angrenzenden Regionen für eingedämmt erklärt. Gleichzeitig wurden die Drohungen gegenüber dem Dalai Lama erneuert. Die Deutschen sprachen sich unterdessen in einer Umfrage mehrheitlich gegen einen Olympia-Boykott aus.
Die staatliche Nachrichtenagentur meldete am Sonntag, in den betroffenen Gebieten kehre wieder Normalität ein. Im Bezirk Aba in der Provinz Sichuan hätten mehr als die Hälfte der Geschäfte wieder geöffnet. Der Chef der Kommunistischen Partei in dem Bezirk, Kang Qingwei, wurde mit den Worten zitiert, alle Regierungseinrichtungen und wichtigen Unternehmen arbeiteten normal, die Schulen würden am Montag wieder öffnen.
Xinhua hatte aus Aba berichtet, dass Polizisten in Notwehr vier Gewalttäter erschossen hätten. Es war das einzige Mal, dass die chinesischen Behörden überhaupt Schüsse auf Demonstranten einräumten. Die meisten dieser Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, ein massives Militäraufgebot war im Einsatz. Eine unabhängige Bestätigung der Berichte war nicht möglich.
Auch in Xiahe in der Provinz Gansu kehre nach Unruhen in der vergangenen Woche wieder Ruhe ein, meldete Xinhua. "Der Albtraum ist vorbei. Alles scheint Vergangenheit zu sein", wurde ein örtlicher Händler zitiert, Jiang Fuxing. Auch in Maqu in Gansu habe die Regierung wieder die Kontrolle wiederübernonmmen. 70 Prozent der Läden in der Stadt seien von Gewalttätern zerstört worden, hieß es.
99 Tote bei Unruhen
China hat zudem seine Drohungen gegen den Dalai Lama am Sonntag erneuert. Die "Clique des Dalai Lama" werde unweigerlich besiegt werden, schrieb die staatliche "Volkszeitung". "Es spielt keine Rolle, ob der Dalai Lama und seine Anhänger sich mit dem Deckmantel von 'Frieden' und 'Gewaltlosigkeit' verkleiden, ihre spalterischen Sabotage-Aktivitäten sind zum Scheitern verurteilt", hieß es in dem Kommentar, der auch von anderen staatlichen Zeitungen gedruckt wurde. Der Artikel listete gewalttätige Zwischenfälle der vergangenen 50 Jahre auf und nannte den Anspruch der Gewaltfreiheit des geistlichen Oberhaupts der Tibeter "nichts als Lüge".
Andere staatliche Medien kritisierten die westliche Berichterstattung über die Unruhen in Lhasa und anderen chinesischen Provinzen. Zehntausende chinesische Internetnutzer hätten sich über die ungerechte Berichterstattung beschwert, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Bei den Protesten in Lhasa in der vergangenen Woche waren Peking zufolge 19 Menschen getötet worden, davon 18 Zivilisten und ein Polizist. Die tibetische Exilregierung in der indischen Stadt Dharamsala spricht von fast hundert Toten.
Mehrheit gegen Olympia-Boykott
Die Mehrheit der Deutschen sprach sich derweil in einer Umfrage der "Welt am Sonntag" gegen einen Olympia-Boykott als Reaktion auf die Ereignisse in Tibet aus. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Blattes sind nur 36 Prozent der Deutschen für einen solchen Schritt. 58 Prozent sagten, Deutschland solle trotz der Ereignisse in Tibet an den Spielen teilnehmen.
Der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion Eckart von Klaeden (CDU) warnte vor Drohungen mit einem Boykott der Olympischen Spiele in Peking. "Ich halte nichts davon, jetzt über einen Boykott zu spekulieren", sagte Klaeden dem Blatt. "Dass der Boykott der Spiele eine Ultima Ratio ist, wissen die Chinesen auch ohne Drohgebärden unsererseits", fügte er hinzu. Vielmehr solle man Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao beim Wort nehmen, der zuletzt angekündigt habe, internationale Beobachter nach Tibet einreisen zu lassen.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sagte, es gebe bessere Druckmittel gegenüber China als einen Olympia-Boykott. "Wenn es um unsere wirtschaftlichen Interessen geht, sind wir doch sehr schnell bereit, für das mächtige China bei Menschenrechtsfragen ein Auge zuzudrücken. Ein beherzteres Auftreten seitens der Bundesregierung kann ich da nur begrüßen", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht.
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