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Nach Tod von Friedensnobelpreisträger
China unterbindet Trauer um Liu Xiaobo im Internet

China unterbindet Trauer um Liu Xiaobo im Internet
Menschen gedenken in Hongkong des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers. FOTO: dpa, wie
Peking. Nach dem Tod des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat China gegen die Kritik der Bundesregierung protestiert. Der Tod Lius wird von den chinesischen Staatsmedien ignoriert. Auch in den sozialen Netzwerken Chinas sollen Todesnachricht und Trauer keine Spuren hinterlassen.

Der Protest richte sich gegen Deutschland, Frankreich und die Vereinten Nationen, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, am Freitag in Peking. Zuvor hatte der Außenamtssprecher Kritik an dem Umgang mit Liu als Einmischung in die "inneren Angelegenheiten" Chinas zurückgewiesen. Das Ausland sei "nicht in der Position, unangemessene Bemerkungen zu machen". Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu 2010 kritisierte Geng ebenfalls scharf. Dies sei "eine Verhöhnung des Friedenspreises" gewesen.

Liu war am Donnerstag im Alter von 61 Jahren an den Folgen einer Leberkrebserkrankung gestorben. Gut einen Monat zuvor war er nach mehr als acht Jahren in Haft aus dem Gefängnis in ein Krankenhaus in Shenyang verlegt worden.

Die Bundesregierung hatte seine Behandlung in Deutschland angeboten, auch die USA boten ihre Hilfe an. Die chinesischen Behörden hatten aber bis zuletzt die Behandlung des als Staatsfeind eingestuften Dissidenten im Ausland verweigert.

Forderungen nach Ausreise von Luis Witwe

Lius Tod löste international Bestürzung, aber auch Kritik an Peking aus. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warf die Frage auf, "ob die schwere Krebserkrankung nicht viel früher hätte entdeckt werden können und müssen". China stehe nun in der Pflicht, dieser Frage "auf eine glaubhafte und transparente Weise rasch nachzugehen". Ebenso wie die Regierungen in den USA und Frankreich verlangte er, Lius unter Hausarrest stehende Witwe Liu Xia ausreisen zu lassen, wenn sie dies wünsche.

UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein hatte Liu am Donnerstag als "die wahre Verkörperung" demokratischer Ideale gewürdigt. Die Menschenrechtsbewegung in China und der Welt habe einen Vorkämpfer verloren, der sein Leben für die Verteidigung von Menschenrechten aufgeopfert habe und dafür ins Gefängnis gekommen sei.

Keine Trauer in chinesischen Online-Netzwerken

Von den chinesischen Staatsmedien wird der Tod des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo indes weitgehend ignoriert. Und auch in den sozialen Netzwerken soll die Todesnachricht und vor allem die Trauer von Lius Landsleuten keine Spuren hinterlassen. Nicht nur Würdigungen des am Donnerstag verstorbenen Dissidenten in sozialen Online-Netzwerken wurden gelöscht: Soar einfache Bildsymbole wie eine Kerze wurden zensiert.

Die chinesische Suchmaschine Baidu zeigte am Freitag keine Suchergebnisse zu Lius Tod an, der Kurzmitteillungsdienst Weibo blockierte die Verwendung von Lius Namen und sogar die seiner Initialen LXB. Auch Andeutungen auf Lius Tod wie die Abkürzung "RIP" für "Ruhe in Frieden" wurden in chinesischen Online-Netzwerken blockiert.

Trauernde Nutzer verfielen daher darauf, ein Kerzen-Symbol zu posten. Dieses wurden bei Weibo aber ebenfalls gelöscht. Später wurde das Kerzen-Symbol bei der Verwendung von Computern gar nicht mehr als Emoticon angeboten. In der Smartphone-App von Weibo gab es das Kerzenbild noch, Versuche, es zu veröffentlichen, zogen aber die Warnung "Inhalt ist illegal" nach sich. Auch das chinesische Wort für Kerze wurde blockiert.

(oko/AFP)
 
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