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Lage in Tibet verschärft sich: China verweigert Ausländern die Einreise

zuletzt aktualisiert: 16.03.2008 - 21:40

Dharamshala/Peking (RPO). Die Lage in Tibet spitzt sich immer weiter zu. China weist Hilfsorganisationen aus dem Krisengeibet aus, Ausländer dürfen nicht mehr einwandern. Dadurch will die Regkerung in Peking die Proteste offenbar ohne Zeugen in den Griff bekommen. Unterdessen spricht der Dalai Lama von einem "kulturellen Völkermord".

Nach Angaben staatlicher Medien am Sonntagabend verweigert China Ausländern die Einreise nach Tibet. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, habe die Regionalregierung die Bearbeitung der Einreiseanträge ausgesetzt. Zudem sollen ausländische Touristen das Land in den kommenden Tagen verlassen.

Angesichts der blutigen Unruhen in Tibet warf der Dalai Lama der chinesischen Regierung derweil "kulturellen Völkermord" vor. Peking übe eine "Herrschaft des Terrors" in der Himalaya-Region aus, sagte er am Sonntag im indischen Dharamshala.

In China erschoss die Polizei bei Protesten laut Augenzeugenberichten mindestens sieben Tibeter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich gegen einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele in China aus. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) unterstrich gegenüber seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi die "große Sorge" der Bundesregierung über die gewaltsamen Auseinandersetzungen.

"Bürger zweiter Klasse"

Die Tibeter würden als "Bürger zweiter Klasse" behandelt, sagte der Dalai Lama am Sitz der tibetischen Exilregierung in Dharamshala. Zugleich bekräftigte der Friedensnobelpreisträger seine Haltung des absoluten Gewaltverzichts: "Gewalt ist schierer Selbstmord." Auch einen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking lehnte das geistliche Oberhaupt der Tibeter ab, forderte aber eine internationale Untersuchung der jüngsten Vorfälle.

In der Stadt Ngawa in der an Tibet grenzenden Provinz Sichuan wurden mindestens sieben Tibeter erschossen, wie die Menschenrechtsgruppe Free Tibet Campaign unter Berufung auf Augenzeugen berichtete. Das in Indien ansässige Tibet Zentrum für Menschenrechte meldete 13 Tote. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa war die Lage äußerst angespannt.

Er habe Gewehrschüsse gehört, sagte ein Mitarbeiter der regierungsunabhängigen Hilfsorganisation Volunteer Medics Worldwide in Tibet. Chinesische Behörden sprachen von zehn Todesopfern.

In Washington, Berlin, Den Haag und anderen Städten demonstrierten Exil-Tibeter am Wochenende gegen die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Lhasa. In Den Haag versuchten am Sonntag mindestens 300 Demonstranten, in die chinesische Botschaft einzudringen.

Die Polizei verhinderte dies jedoch. Die Exil-Tibeter in Deutschland forderten, die "ganze Welt" müsse jetzt eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking überdenken. Ihr Vorsitzender Lhanzom Evelding sagte der "Bild am Sonntag": "Das beste wäre, die Spiele in ein Land zu verlegen, in dem die Menschenrechte geachtet werden."

Merkel gegen Olympia-Boykott

"Ich halte nichts von einem Olympia-Boykott", sagte Merkel der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). Ein Boykott würde die Situation in China nur verschärfen und damit das Gegenteil des Erwünschten erreichen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bezeichnete einen Boykott als "letztes Mittel".

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Friedensbotschaft" der Olympischen Spiele werde "konterkariert, wenn die Menschenrechte in dem Land, in dem die Spiele stattfinden, unterdrückt werden". Der Grünen-Politiker Winfried Hermann appellierte im "Tagesspiegel" vom Montag an das Internationale Olympische Komitee (IOC), sich "ernsthaft" zu fragen, ob Olympia stattfinden könne, falls sich die Unruhen ausweiteten.

Steinmeier forderte in einem Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen laut einer in Berlin veröffentlichten Erklärung, "größtmögliche Transparenz" über die Ereignisse in Tibet herzustellen. Es müsse alles unternommen werden, um eine weitere Eskalation der Lage zu vermeiden. US-Außenministerin Condoleezza Rice rief China zu Zurückhaltung auf. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine unabhängige Untersuchung.

Quelle: afp

 
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