Volksaufstand vor 50 Jahren: China zwingt Tibet zu Freudenfeiern
VON JOHNNY ERLING - zuletzt aktualisiert: 29.03.2009 - 11:49Lhasa (RP). Tibet muss sich "Freudenfeiern" hingeben und einen neuen Feiertag begehen. Die chinesische Führung lässt den 50. Jahrestag der vollständigen Machtübernahme in Tibet und der Vertreibung des Dalai Lama feiern.
Mit großen folkloristischen Aufführungen, Ausstellungen und verfälschten Geschichtsdarstellungen geht China zu diesem so genannten "Tag der Befreiung von der Leibeigenschaft" in die Propaganda-Offensive. Tibeter und Tibet-Unterstützer weltweit sind empört und betonen die jahrzehntelange Unterdrückung Tibets.
Der neue Gedenktag reißt bei Tibetern eine alte, nie verheilte Wunde auf. Er erinnert sie an ihren von Chinas Armee 1959 zusammengeschossenen Volksaufstand und an die Flucht des Dalai Lama ins indische Exil. Peking stellt das anders dar. Die Tibeter würden voller Freude feiern, dass China sie aus ihrer "Versklavung unter dem Dalai Lama befreit hat".
Für Ausländer ist die Region während der Feierlichkeiten gesperrt. Tibets Fernsehsender stellte jetzt die offiziellen Embleme des Feiertages vor. Eines zeigt das Datum 28. März und Chinas Nationalfahne, die über den Schneebergen aufgeht, mit der Inschrift: "Tag der Befreiung für Millionen tibetischer Sklaven". Auf dem zweiten Logo umhüllt ein Hada-Seidenschal Chinas fünf Sterne über einer Schnee-Lotusblume. Danach wiederholte Tibets Sender wieder einmal seine zehnteilige Dokumentarreihe zum "Neuen Tibet".
Die 50-Minuten-Folgen sind mit viel Aufwand gebastelte Machwerke aus Manipulationen und Weglassungen. Historisches Material wird zusammengeschnitten, bis die Aussage stimmt; von Interviews mit ausländischen Tibet-Wissenschaftlern bleiben nur Sätze wie "Natürlich war das alte Tibet kein Paradies" übrig.
Das wird dann als Eingeständnis des Auslands verkauft, dass Chinas Behauptung von der bis 1959 herrschenden, "grausamsten Sklavenhaltergesellschaft" aller Zeiten richtig ist. In Chinas Darstellung wird erst nach 1959 alles gut: Selbst unter Maos Kulturrevolution 1966 bis 1976 gab es nur "wenige Störungen".
Die chinesische Herrschaft hat den Tibetern durchaus wirtschaftlichen Fortschritt und höheren Lebensstandard gebracht. Ihre Kultur, Sprache und die buddhistische Religion werden jedoch unterdrückt. Eine massive Ansiedlungspolitik ethnischer Han-Chinesen hat die Tibeter zu einer Minderheit in ihrer Heimat gemacht.
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