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Situation in syrischen Flüchtlingslagern
Entwicklungsminister warnt vor Cholera

Cholera: Minister Müller befürchtet Ausbruch in syrischen Flüchtlingslagern
CSU-Minister Gerd Müller warnt vor einer humanitären Katastrophe. FOTO: dpa
Augsburg. Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) kritisiert die Situation in den Flüchtlingslagern rund um Syrien und befürchtet dort den Ausbruch der Cholera. Daher fordert er die EU auf, die Lage vor Ort zu stabilisieren und zu verbessern.

Als "beschämend und unmenschlich" hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die Situation in den Flüchtlingslagern rund um Syrien bezeichnet und dringende internationale Hilfe angemahnt. "Es gibt keine Winterzelte, stattdessen leben die Menschen in Nässe und Dreck", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" am Donnerstag. Es drohe der Ausbruch der Cholera. Müller warnte angesichts des herannahenden Winters vor einer neuen Flüchtlingswelle in Richtung Europa.

Der Großteil der Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sei, stamme nicht unmittelbar aus dem Kriegsgebiet, fügte der Minister hinzu. In Lagern in Jordanien, dem Libanon, dem Irak und der Türkei säßen gegenwärtig noch Millionen Menschen fest. "Zwei, drei oder vier Jahre haben sie dort jetzt gelebt, ohne Wasser, ohne Toilette", sagte Müller. Es sei verständlich, dass sie diese Hoffnungslosigkeit verlassen wollten. "Es ist aber unverständlich, dass wir nicht bereit sind, ausreichend darauf zu reagieren."

Die UN-Helfer könnten inzwischen Hunderttausende Menschen überhaupt nicht mehr mit Nahrungsmitteln versorgen, schilderte der CSU-Politiker. "Anderen werden die Rationen gekürzt. Das ist beschämend und unmenschlich." Die Weltgemeinschaft müsse Möglichkeiten schaffen, "dass die Menschen vor Ort anständig überleben können". Doch dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fehlten drei Milliarden Euro, die in diesem Jahr von internationalen Geldgebern fest zugesagt, aber nicht zur Verfügung gestellt worden seien.

Müller sagte, allein in Deutschland würden die ankommenden Asylsuchenden jährlich 15 Milliarden Euro kosten. "Vor Ort aber können wir mit zehn Milliarden Euro die ganze Lage stabilisieren." Das Geld solle in die Nachbarländer Syriens fließen. Dies wäre eine "Investition in die Zukunft". Damit ließe sich verhindern, "dass sich die Flüchtlinge auf den Weg zu uns machen". Dies müsse jedoch schnell gehen, "sonst laufen alle davon in Richtung Europa. Oder es verlieren viele tausende Menschen ihr Leben".

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(p-m/KNA)
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