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Pierre Gemayel: Christlicher Minister im Libanon ermordet

zuletzt aktualisiert: 21.11.2006 - 16:31

Beirut (RPO). Der christliche libanesische Industrieminister Pierre Gemayel ist laut Berichten christlicher Rundfunksender am Dienstag einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Ein oder mehrere Täter schossen in einer Vorstadt von Beirut auf den führenden Politiker der Phalange-Partei. Er war der Sohn des ehemaligen Präsidenten Amin Gemayel.

16 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs wächst mit diesem Anschlag die Sorge vor einer Eskalation der politischen Spannungen im Libanon. Gemayel ist der fünfte Politiker oder Intellektuelle aus dem antisyrischen Lager, der in den vergangenen zwei Jahren ermordet wurde. Das US-Außenministerium verurteilte das Attentat als Terroranschlag mit dem Ziel, die Regierungskoalition ins Wanken zu bringen.

Gemayel war Augenzeugen zufolge mit seinem Auto in der Beiruter Vorstadt Dschdeideh unterwegs - in diesem christlichen Wohngebiet am Nordrand der libanesischen Hauptstadt lag auch der Wahlkreis des Politikers. Sein Auto wurde von einem anderen Fahrzeug gerammt. Der Täter stieg aus und erschoss den Politiker aus kurzer Distanz. Gemayel wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo nur noch sein Tod festgestellt werden konnte, wie die christliche Phalange-Partei mitteilte.

Das Attentatsopfer war der Sohn des ehemaligen Präsidenten Amin Gemayel, der von 1982 bis 1988 amtierte. Sein Großvater Pierre Gemayel führte die Phalange im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990.

Politische Beobachter erwarten, dass das Attentat die politischen Spannungen im Libanon weiter verschärfen wird. Die Phalange-Partei gehört der antisyrischen Parlamentsmehrheit an, die in den vergangenen Tagen einen erbitterten Machtkampf mit der prosyrischen Hisbollah führte. Diese hat mit dem Sturz der Regierung gedroht, falls sie kein größeres Mitspracherecht im Kabinett erhält.

Der politische Führer der antisyrischen Mehrheit, Saad Hariri, brach nach der Nachricht vom Attentat eine Pressekonferenz ab. Er würdigte Gemayel als guten Freund und sagte den Tränen nahe, es werde alles getan, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Indirekt machte er Syrien für den Anschlag verantwortlich. Ohne den Nachbarstaat direkt zu benennen, sagte er: "Sie tun das, was sie geschworen haben zu tun, sie wollen alle freien Menschen im Libanon töten." Hariris Vater, der einstige Regierungschef Rafik Hariri war im Februar 2005 bei einem Bombenattentat ermordet worden.

Quelle: ap

 
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