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Schäfer unter Verdacht: Colonia-Dignidad-Leiter des Kindesmissbrauchs beschuldigt

zuletzt aktualisiert: 15.03.2005 - 15:10

Santiago (rpo). Der ehemalige Leiter der sektenähnlichen Siedlung Colonia Dignidad in Chile, Paul Schäfer, kommt in Untersuchungshaft. Der Haft ging ein mehrstündiges Verhör durch den Richter Joaquin Billard voraus. Zu entscheiden hat die Justiz jetzt noch über die Anklage wegen 26-fachen Kindesmissbrauchs.     

Haftrichter Billard hat nun fünf Tage Zeit darüber zu entscheiden, ob der 83-Jährige angeklagt wird.

Billard hatte einen internationalen Haftbefehl wegen des Verschwindens eines Dissidenten während der Pinochet-Diktatur ausgestellt, der in der damals hermetisch abgeriegelten deutschen Siedlung zuletzt gesehen worden war.

Schäfer war am vergangenen Donnerstag nach fast zehn Jahren auf der Flucht in Argentinien verhaftet worden. Am Sonntag wurde er nach Chile abgeschoben. Der chilenische Präsident Ricardo Lagos dankte dem besuchenden argentinischen Staatschef Nestor Kirchner für die schnelle Auslieferung Schäfers. "Sie haben einen wichtigen Beitrag in unserem Kampf gegen die Straflosigkeit geleistet", sagte Lagos.

Mehrere ehemalige Bewohner der 1961 von deutschen Auswanderern gebildeten Siedlung Colonia Dignidad haben Schäfer beschuldigt, sie seien von ihm als Kinder sexuell missbraucht worden. Auf ihre Aussagen gehen 26 Punkte der Anklageschrift von Richter Hernan Gonzalez zurück. Mehr als 300 Deutsche und Chilenen sollen gegen ihren Willen in der Kolonie festgehalten worden sein. Außerdem wird Schäfer und weiteren Führern der Siedlung vorgeworfen, sie hätten das von Stacheldrahtzäunen gesicherte Anwesen im Süden des Landes dem Militärregime von Augusto Pinochet in der Zeit von 1973 bis 1990 als Lager für die Inhaftierung, Folterung und Hinrichtung von Dissidenten zur Verfügung gestellt. Die Beschuldigten haben dies zurückgewiesen.

Quelle: ap

 
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