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Jahrestag der Unruhen in Tibet
Dalai Lama: China will den Buddhismus vernichten

Der Tibetaufstand von 1959
Der Tibetaufstand von 1959 FOTO: AFP
Dharmsala/Indien (RPO). Deutliche Worte des geistlichen Führers: Der Dalai Lama hat China vorgeworfen, den Buddhismus in Tibet komplett auslöschen zu wollen. Die Behörden betrieben eine Kampagne der "patriotischen Umerziehung", und Mönche und Nonnen müssten unter gefängnisähnlichen Bedingungen leben, erklärte er am Mittwoch zum 51. Jahrestag des gescheiterten Aufstands gegen China.

Alle seine Bemühungen um eine Kompromisslösung in dem Himalaja-Gebiet habe Peking zurückgewiesen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua beschuldigte den Dalai Lama der Lüge.

Er sehe wenig Hoffnung auf eine baldige Lösung des Konflikts, erklärte der Dalai Lama vor Tausenden Tibetern im nordindischen Dharamsala weiter. Zu einem Dialog mit Peking sei er aber weiterhin bereit. Am 10. März jährte sich der Aufstand von 1959, damals musste der Dalai Lama über den Himalaya nach Indien fliehen. Vor zwei Jahren kam es in der tibetischen Hauptstadt Lhasa zudem zu den größten Protesten der vergangenen 50 Jahre. Nach tagelangen Demonstrationen mündete der Unmut der Tibeter am 14. März in Unruhen, der Gewaltausbruch kostete offiziell 22 Menschen das Leben.

Mönche und Nonnen könnten nicht in Frieden studieren und ihren Glauben leben, beklagte der Dalai Lama weiter. Damit hätten die Klöster oft nur noch die Funktion eines Museums, und der Buddhismus in Tibet solle so absichtlich zerstört werden. Es gebe "ein ernsthaftes Problem in Tibet", ob der chinesischen Regierung das bewusst sei oder nicht. Alle Bemühungen, mit ihr über eine begrenzte Autonomie für die Region zu sprechen, hätten allerdings nicht gefruchtet.

Xinhua zeiht Dalai Lama der Lüge

Die chinesische Regierung äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Xinhua sprach in einem Kommentar allerdings von "verdrehten Fakten" und "dickköpfigen Lügen". Der Dalai Lama solle sich besser informieren, bevor er Kritik äußere, hieß es bei der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur.

Peking wirft dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter vor, nach der Unabhängigkeit Tibets zu streben. Der Dalai Lama setzt sich nach eigenen Angaben lediglich für eine Autonomie ein, in der die tibetische Kultur, Sprache und Religion aufblühen können.

Vor dem Jahrestag wurde die Polizeipräsenz in Lhasa verstärkt. In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu demonstrierten am Mittwoch rund 1000 Exiltibeter, sieben Menschen wurden in der Nähe eines Tempels festgenommen. In der chinesischen Botschaft wurden 15 Demonstranten festgesetzt, die dort in ein Büro stürmen wollten.

(apd/felt)
 
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