Unruhen in Tibet: Dalai Lama: In der Welt beliebt, beim eigenen Volk umstritten
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 18.03.2008 - 14:42Dharamshala (RPO). Der Dalai Lama gehört zu den beliebtesten Persönlichkeiten weltweit. Doch bei seinem eigenen Volk ist das geistige Oberhaupt der Tibeter nicht uneingeschränkt beliebt. Viele nehmen dem 72-Jährigen seinen Kurs der Gewaltlosigkeit übel.
Menschen überall auf der Welt sind von den Worten des Dalai Lama begeistert. Doch bei seinem eigenen Volk findet seine Botschaft von Frieden und Toleranz nur teilweise Anklang. Vielen Tibetern ist der Kurs ihres geistigen Oberhaupts nicht radikal genug. Seit die gewalttätigen Proteste in Tibet entflammt sind, werden wieder vermehrt kritische Stimmen laut.
Der Anführer des Tibetischen Jugendkongresses, Tsewang Rigzin, griff den Dalai Lama am Montag mit scharfen Worten an. Dass er am Prinzip der absoluten Gewaltfreiheit festhalte, zeige, wie weit er sich von seinem Volk entfernt habe, so Rigzin. Unter den Tibetern wachse die Frustration über den wenig erfolgreichen Kompromisskurs ihres geistigen Oberhaupts. Der tibetische Jugendkongress fordert eine vollständige Unabhängigkeit Tibets. Der Dalai Lama setzt sich dagegen nur für eine weitgehende Autonomie ein.
Viele Tibeter reagierten auch enttäuscht darauf, dass 72-Jährige sich nicht für einen Boykott der Olympischen Spiele in China aussprach. Der Dalai Lama hat lediglich erklärt, China solle daran erinnert werden, ein "guter Ausrichter" der Spiele zu sein. Einen Boykott lehnt er ausdrücklich ab.
Ein Grund für den wachsenden Unmut der Tibeter ist ihre schlechte wirtschaftliche Lage. Unter tibetischen Jugendlichen herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Immer mehr Nomaden kommen in die Städte, um sich dort einen Job zu suchen. Doch auch dort haben sie kaum eine Chance, viel zu verdienen: Zehntausende chinesische Wanderarbeiter machen ihnen Konkurrenz. Die neue Eisenbahnstrecke von Peking nach Lhasa bringt immer mehr chinesische Arbeiter ins Land.
Angesichts der wirtschaftlichen Probleme sehen viele Tibeter den friedlichen Kompromisskurs ihres geistigen Oberhaupts mit wachsender Ungeduld.
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