Libyens Ex-Diktator Gaddafi ist tot: "Dann hat ihn einer mit der Pistole erschossen"
zuletzt aktualisiert: 20.10.2011 - 21:55Tripolis (RPO). Zwei Monate nach seiner Absetzung hat das Kapitel Gaddafi in Libyen nach 40 Jahren ein Ende gefunden. Wie die neue libysche Führung bestätigt, wurde der Despot nach einer Schießerei in seiner Heimatstadt Sirte gefasst und getötet. Einer Darstellung zufolge versteckte er sich zuletzt in einem Betonkanal. Die Libyer reagierten mit spontanen Feiern auf die Nachricht.
"Wir haben lange auf diesen Moment gewartet", erklärte der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, am Donnerstag in Tripolis vor Journalisten. "Muammar al Gaddafi wurde getötet." Aufgespürt wurde Gaddafi nach Angaben von Kämpfern der Revolutionsstreitkräfte in seiner Heimatstadt Sirte. Einheiten der Übergangsregierung hatten zuvor die letzten Schlupfwinkel der Gaddafi-Anhänger erobert und die Einnahme der Stadt gemeldet.
Auch Informationsminister Mahmud Schamman bestätigte den Tod Gaddafis. "Unsere Kämpfer in Sirte haben seinen Leichnam gesehen", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Demnach attackierten sie einen Konvoi, in dem Gaddafi unterwegs war. Einer der Kämpfer, Adel Busamir, erklärte, der Schauplatz des letzten Kampfs sei ein großes Anwesen gewesen, in dem das Gaddafi-Regime Würdenträger empfangen habe.
Der Gaddafi Clan
Nach der Tötung des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi ist am Donnerstagabend in Libyen auch der Tod von dessen Söhnen Saif al-Islam und Mutassim bestätigt worden. Die Leichname der beiden Männer seien in das Krankenhaus von Misrata gebracht worden, berichtete das offizielle libysche Fernsehen.
Der Konvoi habe zunächst versucht, zu fliehen, sei aber nach einer Attacke wieder in das Gebäude zurückgekehrt. "Dort haben wir ihn gefunden", erklärte Busamir. "Wir sahen, wie sie ihn (Gaddafi) schlugen. Dann hat ihn einer mit einer Pistole erschossen. Und dann brachten sie ihn weg." Kämpfer zeigten Journalisten anschließend eine Beton-Röhre, in der Gaddafi sich versteckt habe.
Nato-Luftangriff auf Gaddafi-Konvoi
Die Nato bestätigte einen Luftangriff der Allianz auf zwei Fahrzeuge eines Konvois von Gaddafi-Kämpfern in Sirte und Umgebung. Ob sich allerdings Gaddafi selbst in einem der Fahrzeuge befunden hatte, war unklar.
Entgegen der Darstellung der Kämpfer in Sirte erklärte ein Militärsprecher in Tripolis allerdings, Gaddafi sei nicht bei einem Angriff auf den Konvoi getötet worden. Ein verletzter Gaddafi habe vielmehr "versucht, den Revolutionsstreitkräften Widerstand zu leisten und sei dann von ihnen ausgeschaltet worden", erklärte Ahmed Bani.
Der arabische TV-Sender Al-Dschasira strahlte unterdessen ein Video aus, auf dem ein toter oder schwer verletzter Mann mit einer Kopfwunde zu sehen war, der Gaddafi ähnlich sah. Laut Augenzeugenberichten wurde sein Leichnam in der nahegelegenen Stadt Misrata zur Schau gestellt wurde.
Jubel in Tripolis
Die Nachricht vom Tod des langjährigen Machthabers löste in Tripolis Jubel aus. Vielerorts waren Freudenfeuer zu hören, "Allah ist groß"-Rufe und Hupkonzerte erschallten in der Hauptstadt.
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief nach dem Tod Gaddafis die Libyer zur Einheit auf. Kämpfer auf beiden Seiten müssten ihre Waffen niederlegen. Außenminister Guido Westerwelle äußerte in einer ersten Reaktion die Hoffnung auf einen Neuanfang in Libyen.
"Gaddafi war ein Diktator, der die Menschenrechte missachtet und Krieg gegen sein eigenes Volk geführt hat", sagte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. Jetzt gebe es die Chance, ein neues demokratisches Kapitel aufzuschlagen. "Wir hoffen, dass für Libyen jetzt ein neues Zeitalter beginnt", betonte der FDP-Politiker. Er versicherte, dass Deutschland bei der Linderung des Leides und beim Wiederaufbau des Landes helfen werde.
Nato bereitet Ende des Einsatzes vor
Nach dem Tod Gaddafis bereitet die Nato das Ende ihres Militäreinsatzes vor. Am Freitag kommt der Nato-Rat in Brüssel zusammen. Der Beschluss zur Einstellung der Operation sei dann möglich, verlautete am Donnerstag aus Diplomatenkreisen.
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte mehrfach betont, das Bündnis stoppe die Luftangriffe auf die letzten Anhänger Gaddafis, sobald von ihnen keine Bedrohung mehr für die Zivilbevölkerung ausgehe. Mit weit mehr als Tausend Angriffen auf Stellungen und Waffenlager von Gaddafis Streitkräften hatte die Militärallianz den Sieg der Rebellen gegen das Regime ermöglicht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum