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Über 300.000 Opfer: Darfur - der vergessene Krieg

VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 03.03.2006 - 10:10

Düsseldorf/Khartum (RP). Seit drei Jahren machen im Westsudan arabische Reitermilizen Jagd auf die Zivilbevölkerung. Ebenso lange blieb die Weltgemeinschaft passiv. Mehr als 300.000 Menschen kamen durch den ungelösten Konflikt bereits ums Leben - und es werden täglich mehr. Denn die Uno rechnet nicht vor 2007 mit dem Einsatz einer Friedenstruppe.

Mit einer einzigen Bemerkung fegt Omar al Bashir den Gedanken an Hunderttausende Tote und Vertriebene vom Tisch. „Der so genannte Darfur-Konflikt ist eine Erfindung von Ausländern“, sagt der sudanesische Präsident. „Es gibt weder einen Völkermord noch ethnische Säuberungen.“ Für ihn ist die Sache klar: Wo kein Genozid ist, wird auch keine Friedensmission benötigt.

Genau darüber aber wird derzeit wieder diskutiert: Erst kürzlich hatten sich Vertreter von Bundesregierung und EU sowie die USA dafür ausgesprochen, die derzeit 7000 Mann starke Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in der westsudanesischen Provinz Darfur finanziell und eventuell auch logistisch zu unterstützen. So lange, bis die Uno sich endlich entschließt, Blauhelmsoldaten nach Darfur zu schicken.

Denn die Version von Hilfsorganisationen und Vereinten Nationen über den Konflikt in Darfur klingt anders als die Bashirs: Seit Februar 2003 lehnen sich in der Provinz im Westsudan Rebellen gegen die Regierung in Khartum und mit ihr verbündete arabisch-stämmige Reitermilizen auf. Die so genannten Dschandschaweed machen Jagd auf die Zivilbevölkerung in Darfur. Sie brennen Siedlungen nieder, vergewaltigen, ermorden Männer, Frauen und Kinder. Die Regierung soll sogar Angriffe durch Kampfhubschrauber unterstützt haben.

Details über eine Unterstützung der Uno-Truppen sollen auf einer internationalen Geberkonferenz Anfang März in Brüssel geklärt werden. Darüber hinaus berät der UN-Sicherheitsrat darüber, ob wegen des Konfliktes Sanktionen gegen den Sudan verhängt werden sollen. Vor allem Russland, China und Katar sind dagegen.

Die Welt schaut weg

Etwa 300.000 Menschen kamen bereits in dem Konflikt um, zwei Millionen flohen vor den Kämpfen. Insgesamt drei Millionen Menschen in der Region hängen von internationaler Nahrungsmittelhilfe ab.

Doch seit drei Jahren schaut die Welt weg. Drei Jahre lang wurde viel geredet und kaum etwas getan. Die 7000 Mann starke AU-Friedenstruppe ist mit ihrer Aufgabe überfordert, die Bevölkerung in Darfur zu schützen - einem Gebiet, das etwa so groß ist wie Frankreich.

Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge hängt sie für Treibstoff-Nachschub vom Wohlwollen der Regierung in Khartum ab und besitzt keine eigenen Kampfhubschrauber. Darüber hinaus reicht das Geld auch nur noch für einen Einsatz bis zum 31.März.

Selbst Uno-Generalsekretär Kofi Annan, der sich bisher in dem Streit sehr zurückhielt, machte inzwischen deutlich, dass eine UN-Mission „unvermeidlich“ sei. Er forderte, die Blauhelme müssten ein „starkes und eindeutiges Mandat“ bekommen, das gestattet, „diejenigen, die bedroht werden, notfalls mit Gewalt zu schützen“.

UN-Truppen erst Anfang 2007

Mit einer solchen Mission ist nach Auskunft des UN-Sonderbeauftragten für den Sudan, Jan Pronk, jedoch erst Anfang 2007 zu rechnen. Für den früheren Innenminister und ehemaligen UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Sudan, Gerhart Baum, klingt das „wie ein Hohn“. „Das Elend wird fortdauern, wenn nicht endlich eine überzeugende Kraftanstrengung der Völkergemeinschaft erfolgt“, warnte er unlängst.

Die Darfuris benötigen weniger schöne Worte, dafür aber mehr Taten. Denn während die Weltgemeinschaft zögert, sterben in Darfur täglich Menschen an der Gewalt und ihren Folgen. Auch wenn Sudans Staatschef Omar al Bashir den Völkermord leugnet.


 
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