Schauspieler distanzieren sich von Mohammed-Film: Das Machwerk, das Millionen Muslime provoziert
zuletzt aktualisiert: 13.09.2012 - 14:39Düsseldorf (RPO). Dilettantisch aufgeklebte Bärte, lächerlich wirkende Statisten und eine amateurhafte Vertonung – kaum vorstellbar, dass der Film "Innocence of Muslims" fünf Millionen Dollar gekostet haben soll. Die weltweiten Reaktionen auf den Youtube-Trailer sind blutige Realität. Die Schauspieler fühlen sich betrogen.
In dem Film-Ausschnitt, der auf Youtube hochgeladen wurde, wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt sowie als "Bastard" verunglimpft. Produziert hat den Streifen ein US-Bürger mit israelischen Wurzeln. Sam Bacile, ein Entwickler von Immobilienprojekten aus Kalifornien, bezeichnete den Islam in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" als "Krebs".
Unterdessen wurde bekannt, dass sich eine Reihe von Schauspielern, die in dem Streifen mitwirkten sowie Mitglieder der Film-Crew öffentlich gegen den Produzenten zur Wehr gesetzt haben. Wie der US-Sender CNN berichtete, hätten 80 Personen eine Erklärung abgegeben, sie seien "getäuscht worden" und stünden zu "100 Prozent nicht hinter dem fertigen Film".
Lügengeschichten
Zutiefst schockiert zeigte sich die Schauspieler-Gruppe über die "drastische Neufassung und die Lügengeschichten, die allen Involvierten erzählt wurden." Laut CNN erklärte eine Schauspielerin, dass eine Figur Mohammed in der ihr und allen anderen angekündigten Version des Films nicht vorgesehen sei. Ihre Textpassagen seien nachträglich geändert worden.
Ein Mitglied der Filmproduktion stützt CNN zufolge diesen Vorwurf, da er ein Manuskript der Originalfassung vorliegen habe. In diesem sei weder die Rolle Mohammeds noch des Islams vorgesehen.
Bereits Anfang Juli wurde der Trailer bei Youtube online gestellt. Der "New York Times" zufolge erhielt der Trailer wenig Aufmerksamkeit, bis in der vergangenen Woche eine auf Arabisch übersetzte Version auftauchte.
Koptischer Christ soll Übersetzung geliefert haben
Ein koptischer Christ aus Ägypten, der in den USA lebt und im Internet mit verbalen Angiffen gegen Muslime aufgefallen sei, habe das Video auf seinem Blog veröffentlicht. Schließlich griffen Zeitungen und das Fernsehen in Ägypten das Thema auf. Zunächst hieß es dabei fälschlicherweise, der Film sei von Kopten aus den USA produziert worden.
Bacile sagte dem "Wall Street Journal" am Dienstagabend, er habe den zweistündigen Film im vergangenen Jahr in Kalifornien gedreht. Rund 60 Schauspieler und eine 45-köpfige Crew seien an dem dreimonatigen Projekt beteiligt gewesen. "Der Film ist ein politischer Film. Es ist kein religiöser Film", sagte er einer Zeitung. Der Mittfünfziger ist nach US-Medienberichten inzwischen untergetaucht.
Youtube will Zugang erschweren
Youtube kündigte derweil an, den Zugriff auf das Video aus Libyen und Ägypten zu erschweren. Zwar verstoße der Inhalt des Films nicht gegen die Youtube-Richtlinien, angesichts der "schwierigen Lage in Libyen und Ägypten" sei der Zugang in beiden arabischen Ländern jedoch "vorübergehend eingeschränkt" worden, erklärte ein Sprecher des Google-Dienstes am Donnerstag.
Im Zusammenhang mit dem Video taucht ein weiterer Name auf, der mit islamfeindlichen Tendenzen in den USA in Verbindung gebracht wird: Pastor Terry Jones aus Florida. Jones hatte im Frühjahr 2011 mit der Verbrennung des Korans blutige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst.
Pastor Terry Jones meldet sich zurück
Der evangelikale Pastor kündigte laut US-Medien an, Ausschnitte des Films in seiner Kirche zeigen zu wollen. Der Film zeige "in satirischer Weise" das Leben Mohammeds und verdeutliche die "destruktive Ideologie des Islam".
Das US-Konsulat in Libyen war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben.
Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Auch in Kairo stürmten militante Islamisten die US-Botschaft.
