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Camila Vallejo kämpft für bessere Bildung: Das schöne Gesicht der chilenischen Proteste

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 05.10.2011 - 17:21

Santiago de Chile (RPO). Sie küssen sich, sie gehen auf die Straße und errichten auch brennende Barrikaden - die Studenten von Chile. Seit Monaten demonstrieren sie für ein besseres Bildungssystem. Und immer wieder erhebt sich aus der Masse eine Stimme: die von Camila Vallejo. Sie ist inzwischen zu einer Symbolfigur der Proteste geworden.

Braune lange Haare, große blaue Augen und ein lieb wirkendes Gesicht, dazu ein Nasenpiercing - das ist Camila Vallejo. Geht es um Chiles Bildung, dann ist sie ganz vorn mit dabei und angesichts ihrer Attraktivität auch ein gern genommener Interview-Partner der einheimischen Medien. Doch geht es um Inhalte, nämlich ein gerechteres Bildungssystem, dann kämpft die junge Frau mit harten Bandagen.

"Es ist immer die Jugend, die den ersten Schritt macht", zitiert sie der britische "Guardian". "Wir haben den ersten Schritt getan, die älteren Generationen schließen sich nun diesem Kampf an." Es ist ein Kampf, der ein Bildungssystem angreift, das noch aus den Zeiten der Diktatur unter General Pinochet stammt. Doch geändert hat sich daran nichts. Das System, so zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Vallejo, benachteilige Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten und treibe Familien, die sich für ihre Sprösslinge verschuldeten, in den Ruin.

Präsidentin des Studentenverbandes

Genau dagegen will die 23-jährige Geografiestudentin kämpfen, auch gern gegen Präsident Sebastian Pinera. "Die Führerin, die die Linke erhofft und die Rechte fürchtet", titelt denn eine chilenische Internetseite, auf der die Präsidentin des chilenischen Studentenverbandes porträtiert wird. Anhänger hat sie unzählige, hunderttausende Studenten und Schüler haben sich inzwischen den Protesten angeschlossen. Dabei wurden auch außergewöhnliche Aktionen gestartet - wie das öffentliche Küssen für die Bildung.

Das Wort bei solchen Veranstaltungen ergreift Vallejo, die auch Mitglied der kommunistischen Partei ist, gern. Wie die spanische Zeitung "El Mundo" schreibt, sind auch ihre Eltern Mitglieder der kommunistischen Partei. Und die Zustimmung für die junge Frau in der chilenischen Bevölkerung liegt demnach inzwischen bei 68 Prozent, für den Präsidenten liege sie nur bei 40 Prozent.

Nach Informationen von "El Mundo" hatte Vallejos Vater selbst noch kostenlos studieren können, bevor die Universitäten privatisiert worden waren. Er selbst sei sehr stolz auf seine junge Tochter. Kein Wunder, ist die 23-Jährige doch laut "Guardian" erst die zweite weibliche Führerin des Studentenverbandes. Und sogar die Vize-Präsidentin sagte einmal nach Angaben der Zeitung "Wir sind alle in sie verliebt."

Ihr Aussehen als Vorteil

Vallejo hat auch keine Scheu, ihre Stimme gegen den Präsidenten zu erheben. Etwa, als die Polizei hart gegen die protestierenden Studenten vorging. Wie die "Zeit" schreibt, sagte sie damals: "Das Szenario erinnert sehr an sden Ausnahmezustand der Diktatur."

Und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" beschreibt sie als eine Frau, die sich mit ihrer kühlen und überlegten Argumentation aus der Bewegung hervortat. Beinhart, aber nie aggressiv schmettere sie die Vorbehalte der Regierung ab, wonach ein Umbau das Bildungssystem kollabieren lassen könnte.

Dass auch ihr Aussehen dazu geführt hat, dass sie zu einer Symbolfigur der Bewegung geworden ist, scheint Vallejo dabei kaum zu stören. Der "Guardian" zitiert sie dazu mit den Worten: "Man muss erkennen, dass Schönheit ein Aufhänger sein kann. Es kann ein Kompliment sein. Sie kommen, um mich zu hören, wegen meines Aussehens. Aber dann kann ich meine Ideen erklären."

Ob sie damit Erfolg haben wird, ist bislang allerdings noch nicht abzusehen. Zumindest hatten sich Regierung und Protestierende aber schon mal gemeinsam an einen Tisch gesetzt, um über Lösungen zu reden.


 
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