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Donald Trumps Pressesprecher tritt zurück
Die denkwürdigsten Momente mit Sean Spicer

Das waren die denkwürdigsten Momente mit Sean Spicer
Sean Spicer im Presseraum des Weißen Hauses (Archivfoto). FOTO: afp
Washington. Nach nur rund einem halben Jahr im Amt verlässt Sean Spicer das Weiße Haus. In dieser kurzen Zeit hat der Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump eine Fülle von bizarren Auftritten hingelegt. Ein Rückblick.

Nach der Ernennung von Anthony Scaramucci zum künftigem Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses hatte Spicer seinen Abzug bekannt gemacht. Donald Trump sagte ihm eine "glänzende" Zukunft voraus. Sean Spicer sei ein wundervoller Mensch, der gewaltige Ungerechtigkeiten durch die "Fake News"-Medien erlebt habe, twitterte Trump am Freitag (Ortszeit). 

 In Pressebriefings mit Medienvertretern war er oft kämpferisch aufgetreten und verbal mit Reportern aneinandergeraten. Ein Überblick.

  • 21. Januar: Zuschauermengen und Anzuggrößen

Schon Spicers Start ins Amt ist fulminant. Am Tag nach Trumps Vereidigung unterrichtet er die Journalisten im Weißen Haus in barschem Ton: "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals eine Amtseinführung miterlebt hat. Punkt. Vor Ort und rund um den Globus."

Die Empörung ist groß: Denn Luftaufnahmen belegen eindeutig, dass weitaus weniger Menschen in Washington zusammengeströmt sind als bei Trumps Vorgänger Barack Obama. Doch mit der Präsentation von "alternativen Fakten" – das Unwort wird kurz danach von der Präsidentenberaterin Kellyanne Conway geprägt – hat Spicer den Auftrag seines Chefs getreulich erfüllt.

Spott zieht der Sprecher zudem wegen seines schlechtsitzenden, übergroßen Anzugs auf sich. Auch dem Präsidenten scheint sein Look nicht zu gefallen, so berichten es US-Medien. Spicer wechselt danach zu etwas enger sitzenden Modellen.

  • 28. März: Salatsauce und Kopfschütteln

Die Affäre um fragwürdige Russland-Kontakte des Trump-Teams geht Spicer an die Nerven. Er reagiert sarkastisch: "Wenn der Präsident heute Abend russische Salatsauce auf seinen Salat tut, dann ist das irgendwie eine russische Connection." Russische Salatsauce besteht aus Mayonnaise, Ketchup, Meerrettich und Paprika. Sie wurde aber nicht in Russland, sondern in den USA erfunden.

Einige Journalisten lassen sich denn auch nicht so einfach abspeisen. Besonders genervt ist Spicer von der Körpersprache einer Radioreporterin: "Es tut mir leid, bitte hören Sie auf, mit dem Kopf zu schütteln", fährt er sie grob an.

  • 11. April: Hitler-Assad und "Holocaust-Zentren"

Spicer rechtfertigt den US-Raketenangriff in Syrien mit einem missglückten historischen Vergleich – zwischen dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad und Adolf Hitler. Selbst eine solche "abscheuliche" Figur wie Hitler sei "nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden".

Spicer setzt sich damit über die sechs Millionen Juden hinweg, die in den Gaskammern der Nazis ermordet wurden. Schon im Verlaufe des Briefings erkennt er zwar, dass er gepatzt hat. Doch verheddert sich Spicer noch weiter in seinem historischen Exkurs, indem er von "Holocaust-Zentren" statt Vernichtungslagern spricht.

  • 9. Mai: In den Büschen oder zwischen den Büschen

Über den Rauswurf von FBI-Chef James Comey durch den Präsidenten will Spicer offenbar am liebsten erstmal gar nichts sagen. Laut "Washington Post" versteckt sich der Sprecher in den Büschen vor dem Weißen Haus und kommt erst nach einigen Minuten zu den Reportern. Die Zeitung korrigiert später ihre Berichterstattung in einer Nuance: Spicer habe sich nicht "in den Büschen", sondern "zwischen den Büschen" aufgehalten.

  • 20. Juni: "Diese spezifische Sache"

Immer wieder zieht Spicer über einen Großteil der Medien wegen angeblicher Falschnachrichten her. Er selber aber bleibt konkrete Antworten oft schuldig – selbst bei essenziellsten Angelegenheiten. Auf die Frage, ob Trump inzwischen davon ausgehe, dass Russland hinter den Hackerangriffen im US-Wahlkampf steckt, antwortet der Sprecher: "Ich habe mich noch nicht mit ihm zusammengesetzt und über dieses spezifische Sache geredet."

Die US-Geheimdienste sind bereits seit vergangenem Herbst davon überzeugt, dass Russland für die Cyberangriffe verantwortlich ist. Doch die Antwort, er habe mit dem Präsidenten noch nicht über dieses oder jenes Thema gesprochen, bekommen die Journalisten im Verlaufe der sechs Monate von Spicer immer wieder zu hören.

(das/AFP/AP)
 
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