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Syrer aus Flüchtlingslagern
Großbritannien nimmt 20.000 Flüchtlinge auf

Rund 130 Flüchtlinge erreichen Düsseldorf mit Zügen
Rund 130 Flüchtlinge erreichen Düsseldorf mit Zügen FOTO: Kai Jürgens
Berlin/Budapest . Die EU-Staaten verfolgen in der Flüchtlingskrise unterschiedliche Strategien: Frankreich will Neuankömmlinge aufnehmen, Großbritannien will sie nur aus den Flüchtlingslagern im Nahen Osten abholen und Ungarn will sie am liebsten an der eigenen Grenze aufhalten.

Auch nach der Massenankunft von Flüchtlingen findet die EU keine gemeinsame Linie zur Verteilung der Ankömmlinge unter den Mitgliedsstaaten. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Montag eine gemeinsame "Kraftanstrengung", der ungarische Regierungschef Viktor Orban bezeichnete die geplante Quotenregelung hingegen als nicht realisierbar. Großbritannien will zwar deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als bisher, allerdings nur direkt aus den Flüchtlingslagern in Nahost.

Bis zu 20 000 Syrer sollten über die nächsten fünf Jahre von Camps in der Türkei, Jordanien und Syrien nach Großbritannien umgesiedelt werden, sagte Premierminister David Cameron am Montag im britischen Parlament. Sie sollen bei ihrer Ankunft in dem Land "humanitäre Schutz"-Visa für fünf Jahre bekommen. Bevorzugt werden sollen dabei Kinder und Waisen.

Auch der französische Präsident François Hollande kündigte die Aufnahme von 24 000 weiteren Flüchtlingen an. Er und Merkel hätten sich auf einen Mechanismus zur fairen Verteilung der Migranten in Europa geeinigt, sagte er.

Die meisten von ihnen waren in den vergangenen Tagen nach Deutschland geströmt. Die Bundesregierung rechnet mit bis zu 800 000 Neuankömmlingen in diesem Jahr. Die Spitzen der Koalition beschlossen angesichts der hohen Zahlen sechs Milliarden Euro zusätzliche Hilfe für Flüchtlinge, die unter anderem für die Unterbringung in winterfesten Quartieren genutzt werden sollen.

Auf Dauer könne Deutschland die Last aber nicht alleine tragen, mahnte Merkel am Montag. "Die Zeit drängt für eine gemeinsame Lösung." Die Kanzlerin und der französische Präsident wollen eine Verteilung auf alle 28 EU-Staaten über klare und verbindliche Quoten.

Der wegen der chaotischen Zustände in Ungarn in den vergangenen Tagen vielfach kritisierte Regierungschef Orban erklärte hingegen, eine solche Quotenregelung mache im Schengenraum, in dem Reisefreiheit herrsche, gar keinen Sinn, weil sie nicht durchgesetzt werden könne.

"Wie soll das funktionieren? Hat das irgendjemand durchgedacht?", sagte Orban vor ungarischen Diplomaten. Gleichzeitig erklärte er, die Bürgerkriegsflüchtlinge seien bereits in Mazedonien oder der Türkei - also vor den Toren der EU - sicher. "Sie wollen ein deutsches Leben leben. Das hat nichts mit Sicherheit zu tun."

Auch am Montag waren wieder Tausende Flüchtlinge auf dem Weg in die EU. In Nordgriechenland versuchten in den frühen Morgenstunden rund 2000 Migranten, die Grenze nach Mazedonien zu überqueren. Weil die mazedonischen Behörden aber nur jede halbe Stunde kleine Gruppen durchließen, kam es zu Handgemengen. Bis Mittag hatten schließlich bereits rund 1000 die Grenze überquert. In den 24 Stunden davor waren es nach Angaben der Polizei 5000.

Weitere wurden in den kommenden Tagen erwartet. Der griechische Einwanderungsminister Giannis Mouzalas sagte dem Sender ERT1, dass mindestens zwei Drittel der bis zu 18.000 Menschen, die auf der Insel Lesbos gestrandet waren, in den kommenden Tagen mit Fähren aufs Festland transportiert werden sollten.

Von der nahe gelegenen türkischen Küste kommen täglich mehr als tausend Menschen nach Lesbos und die anderen ostägäischen Inseln, die von dem Ansturm überfordert sind. Die Flüchtlinge lebten dort unter "fürchterlichen" Umständen, sagte Mouzalas.

(ap)
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