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Flüchtlingskrise
Cameron: Großbritannien nimmt mehr Flüchtlinge auf

David Cameron: Großbritannien nimmt mehr Flüchtlinge auf
Premier David Cameron. FOTO: ap
London/Budapest. Wegen der Flüchtlingskrise liegen die Nerven blank - nicht nur bei den verzweifelten Ankömmlingen. Außenminister Steinmeier mahnt Europa, sich nicht entzweien zu lassen.

Angesichts der verzweifelten Lage vieler Flüchtlinge will Großbritannien nun doch Tausende weitere Syrer aufnehmen. Dies kündigte Premierminister David Cameron am Freitag an. Die Vereinten Nationen sprachen von 4000 zusätzlichen Plätzen. Vielerorts in Europa bleibt die Lage aber kritisch, vor allem in Ungarn. Dort machten sich Hunderte zu Fuß auf den Weg Richtung Österreich und Deutschland.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte die EU, in der Krise an einem Strang zu ziehen. Man werde das Problem nicht lösen, wenn man mit dem Finger auf einander zeige. Europa dürfe sich nicht spalten lassen, sagte der SPD-Politiker. EU-Kommissar Frans Timmermans sprach von einer "Stunde der Wahrheit" in der europäischen Geschichte.

Fotos: Flüchtlinge fliehen aus Lagern in Röszke und Bicske FOTO: ap

Am Donnerstag hatte das Bild eines ertrunkenen dreijährigen Jungen aus Syrien die Welt noch einmal aufgerüttelt. Der kleine Aylan wurde am Freitag gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Mutter in seiner Heimatstadt Kobane beerdigt. Alle drei waren auf der Fahrt mit einem Schlauchboot von der Türkei auf die griechische Insel Kos umgekommen.

Vor allem in Großbritannien brach danach eine Debatte los, ob eine Politik der Abschottung richtig sei. Premier Cameron sagte dann am Freitag Europa Hilfe bei der Bewältigung der Krise zu. Man werde neben den bereits akzeptierten 5000 Syrern mehrere Tausend weitere aufnehmen - allerdings nicht von anderen europäischen Ländern, sondern direkt aus Flüchtlingscamps im Nahen Osten. Irland sagte zu, in den kommenden beiden Jahren statt 600 nun 1800 Flüchtlingen Zuflucht gewähren.

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase

Im Vergleich zu den vielen Ankömmlingen sind diese Zahlen relativ klein. Allein in Ungarn hatten in den vergangenen Tagen Tausende auf die Weiterfahrt nach Deutschland und andere nördliche Länder gewartet. Viele von ihnen scheinen inzwischen völlig entnervt.

So weigerten sich rund 500 Flüchtlinge zunächst, einen gestoppten Zug nahe der ungarischen Stadt Bicske zu verlassen und sich in einem Flüchtlingszentrum registrieren zu lassen. Plötzlich stürmten dann Hunderte aus dem Zug, durchbrachen einen Polizeikordon und rannten entlang der Bahnlinie Richtung Westen. Die österreichische Grenze ist rund 135 Kilometer entfernt. Auch in der Hauptstadt Budapest machten sich Hunderte zu Fuß auf nach Österreich.

Fotos: Flüchtlinge stranden am Bahnhof in Bicske FOTO: dpa, ase sh

Der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, António Guterres, rief die Europäische Union auf, rasch mutige Maßnahmen gegen die Krise zu treffen. EU-Kommissar Timmermans sagte auf der griechischen Insel Kos, Europa könne nicht jeden aufnehmen. Doch könne es auch nicht überleben, wenn es seine Werte und rechtlichen Pflichten vernachlässige. Für die Menschen aus Syrien sei während des vierjährigen Bürgerkriegs zu wenig getan worden.

(dpa, AFP)
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