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Streit um Umgang mit Folter: Demokrat lädt Bush zum Waterboarding ein

zuletzt aktualisiert: 22.05.2009 - 06:20

Westerly/USA (RPO). Ein US-Demokrat will den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush die eigenen Verhörmethoden am eigenen Leib spüren lassen: Er werde 100 Dollar für jede Sekunde spenden, die Bush dem Waterboarding standhalte, sagte der Abgeordnete einer Zeitung. Bushs Vize hatte die umstrittenen Verhörmethoden zuvor noch einmal ausdrücklich verteidigt.

Der US-Demokrat Rod Driver eröffnete daraufhin über die Zeitung "The Westerly Sun" vom Donnerstag sein Angebot an Bush. Bei der inzwischen untersagten Verhörpraxis des Waterboardings haben die Betroffenen das Gefühl, kurz vor dem Ertrinken zu stehen, was von Kritikern als Folter eingestuft wird.

Seinen Vorschlag unterbreitete Driver in Briefen an Bush, Exvizepräsident Dick Cheney und die frühere Außenministerin Condoleezza Rice. Die damalige Regierung hatte das Waterboarding für Verhöre von Terrorverdächtigen zugelassen. Driver erklärte, wenn Bush der Ansicht sei, dass es sich dabei nicht um Folter handele, könne er es selbst ausprobieren. Rice wies den Vorschlag bereits zurück.

Hat Dick Cheney einen Klimabericht geschönt? Foto: AP, AP

Cheney hatte erst am Donnerstag die von Bushs Nachfolger Barack Obama untersagten Verhörmethoden noch einmal nachdrücklich verteidigt und erklärt, sie hätten zu wichtigen Erkenntnissen geführt und "den gewaltsamen Tod Tausender, wenn nicht Hunderttausender unschuldiger Menschen verhindert".

Mit scharfen Angriffen gegen die Regierung seines Vorgängers setzte sich derweil US-Präsident Barack Obama gegen die wachsende Kritik an seiner Guantanamo-Politik zur Wehr. In einer Rede am Donnerstag in Washington bezeichnete Obama die Schließung des Lagers als alternativlos und warf seinen Kritikern vor, ein "Klima der Furcht" zu schaffen. Am Vortag hatte sein Guantanamo-Plan im US-Senat eine empfindliche Niederlage erlitten.

Breitseiten gegen Bush

Obama räumte "Schwierigkeiten" bei der Schließung von Guantanamo ein, hielt aber demonstrativ an seinem Plan fest, mutmaßliche Terroristen in Hochsicherheitsgefängnisse in den USA zu verlegen. Der Präsident versuchte Sorgen zu beschwichtigen, dass der geplante Transfer ein Sicherheitsrisiko darstelle. "Wir werden niemanden freilassen, der unsere nationale Sicherheit gefährden könnte", beteuerte er. In US-Gefängnissen säßen bereits hunderte weiterer verurteilter Terroristen sicher ein.

Ausdrücklich kritisierte Obama die Politik seines Vorgängers George W. Bush, dem er die Verantwortung für die Probleme zuwies: "Wir müssen nun etwas aufräumen, das schlichtweg ein Schlamassel ist, ein fehlgeleitetes Experiment, das uns eine Flut von Gerichtsverfahren eingebracht hat." Er warf der Bush-Regierung vor, "zu oft Entscheidungen auf der Basis von Furcht anstelle von Weitblick getroffen" zu haben. Diese Furcht werde nun wieder von seinen Gegnern geschürt, um die Pläne zur Schließung von Guantanamo zu untergraben.

Mit der kurzfristig anberaumten Rede versuchte Obama, nach Rückschlägen in der Guantanamo-Politik wieder in die Offensive zu kommen. Mit den Stimmen seiner Demokraten hatte der US-Senat die von Obama beantragte Freigabe von Finanzmitteln für die Guantanamo-Schließung vorläufig verweigert. Die Senatoren verlangten einen detaillierten Plan über den weiteren Verbleib der 240 restlichen Insassen. Die "New York Times" veröffentlichte zudem einen internen Bericht des Pentagon, demzufolge 74 der 534 bislang entlassenen Gefangenen nach ihrer Rückkehr ins Ausland wieder terroristisch aktiv sind.

Cheney schlägt zurück

In seiner einstündigen Rede betonte Obama, dass die Schließung von Guantanamo "keine Frage des Idealismus" sei, sondern den Sicherheitserfordernissen der USA Rechnung trage. Guantanamo verstoße gegen die rechtstaatlichen Prinzipien der USA, verschaffe terroristischen Gruppen weiteren Zulauf und habe sich mit lediglich drei Verurteilungen vor Militärgerichten binnen sieben Jahren als ineffektiv erwiesen. "Die Beibehaltung des Lagers würde uns letztlich teurer kommen als seine Schließung", sagte er. "Die Terroristen haben nur dann Erfolg, wenn sie ihre Reihen aufstocken und Amerika von seinen Verbündeten entfremden."

In einer direkten Erwiderung auf Obamas Rede wies der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney die Kritik in scharfer Form zurück. Für sein Land würde es "eine große Gefahr" darstellen, wenn "die schlimmsten Terroristen" aus Guantanamo in die USA transferiert würden, sagte Cheney, der sich immer mehr als einer der republikanischen Wortführer von Obamas Kritikern profiliert. Die von der Bush-Regierung verschärften Methoden beim Verhör von Terrorverdächtigen, die Obama als Folter bezeichnet und verboten hat, hätten die Leben vieler Bürger gerettet, sagte Cheney.

Quelle: AP

 
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