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Frauen attackieren Denis Baupin
Dieses Bild löste Frankreichs neuen Sex-Skandal aus

Fotos: Sex-Skandal: Denis Baupin und Frauen
Fotos: Sex-Skandal: Denis Baupin und Frauen FOTO: afp
Paris. Ein Foto gab für Sandrine Rousseau den Ausschlag auszupacken. Zu sehen war darauf Grünen-Politiker Denis Baupin, der zum Weltfrauentag die Lippen knallrot geschminkt hatte.

"Lippenstift gegen die Gewalt, die Frauen angetan wird", lautete sein Twitter-Kommentar am 8. März dazu. Zusammen mit sieben weiteren Politikern posierte Baupin im Namen der Frauenrechte, alle mit roten Lippen. Das sollte ein Zeichen für sexuelle Selbstbestimmung sein.

Mehrere Frauen traf das ins Mark. Für sie war das der Gipfel der Heuchelei. "Was für eine beschämende Verarschung", kommentierte die Politikerin Elen Debost noch am gleichen Tag und postete das Bild auf ihrer Facebookseite. "Denis Baupin mit Lippenstift und das mit dem Modus "Ich unterstütze die Frauen" - ich könnte schreien und kotzen", fluchte sie.

Auch Sandrine Rousseau, Sprecherin der französischen Grünen, trafen diese Worte wie ein Schlag, sah sie sich doch 2011 von ihm sexuell belästigt. "Er drückte mich gegen die Wand, indem er meine Brüste hielt und mich zu küssen versuchte", sagte sie dem Radiosender France Inter und dem Portal Mediapart, die mittlerweile acht Fälle von Belästigung durch Baupin enthüllt haben. Als sie einen Parteifreund darüber informiert habe, habe der geantwortet: "Ah, hat er wieder damit angefangen?" 

Mehrere Grünen-Politikerinnen werfen dem Abgeordneten und Ehemann von Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse nun offen vor, sie sexuell angegriffen oder mit anzüglichen SMS bombardiert zu haben. Die Abgeordnete Isabelle Attard berichtete von "einer fast täglichen Belästigung mit provokanten, anzüglichen SMS". 

Der 54-Jährige weist alle Vorwürfe zurück. Als Vize-Vorsitzender der Nationalversammlung trat er dennoch zurück. Begründung: So könne er sich besser verteidigen. Er werde womöglich Anzeige wegen übler Nachrede erstatten.

Prominente Beispiele: Sex-Affären in der Politik FOTO: AP

Die Opfer schwiegen jahrelang, um die Partei nicht in Verruf zu bringen. Bei den Grünen sorgten die Vorwürfe aber für wenig Erstaunen. "Es war in der Partei sehr, sehr bekannt", sagte ein Fraktionsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP. Der Grünen-Politiker Yves Contassot sagte dem Sender RMC, er habe gewusst, dass Baupin im Umgang mit Frauen ein "sagen wir einmal etwas tölpelhaftes Verhalten" gehabt habe. "Ich wusste nicht, dass er so weit geht."

Ähnlich war es im Fall des Chefs des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn: Belästigungen waren bekannt, doch die französische Öffentlichkeit interessierte sich erst, als ein New Yorker Zimmermädchen 2011 "DSK" versuchte Vergewaltigung vorwarf. Ein Kartell des Schweigens vertuschte die Taten.

"Doch die Mentalitäten ändern sich", sagt die Soziologin Catherine Achin. Es gebe erstmals eine Gruppe von Frauen, die Baupins Verhalten anprangere. Sie schildern ähnliche Vorfälle wie Rousseau.

Die Pariser Nationalversammlung ist als Macho-Milieu verschrien. So wurde dort Grünen-Chefin Cécile Duflot johlend empfangen, als sie in einem Sommerkleid ans Mikrofon trat. Und die konservative Ex-Ministerin Chantal Jouanno gestand, wegen Pöbeleien nicht mehr im Rock vor den Abgeordneten zu sprechen.

Baupin ist freilich nicht der erste Politiker, dem ein Skandal aus Sex und Macht zu schaffen macht. Sodomie, rote Lippen und Sex-Partys - einige prominente Beispiele zeigt unsere Chronik. 

(pst/AFP/lon)
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