| 16.46 Uhr

Journalist mit Doppelpass
Erstmals deutscher Korrespondent in Türkei festgenommen

Deniz Yücel: Erstmals deutscher Korrespondent in Türkei verhaftet
Deniz Yücel ist Türkei-Korrespondent der "Welt" (Archivbild). FOTO: dpa, jai
Istanbul. Zum ersten Mal während des Ausnahmezustandes in der Türkei ist auch ein deutscher Journalist in Polizeigewahrsam genommen worden. Medienberichten zufolge wird wegen gehackter E-Mails gegen Deniz Yücel ermittelt.

Der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, hatte sich der Polizei in Istanbul bereits am vergangenen Dienstag gestellt, wie seine Redaktion am Freitag bestätigte. Den Anwälten des 43-Jährigen sei gesagt worden, dass gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, wegen Terrorpropaganda und wegen Datenmissbrauchs ermittelt werde.

Dabei scheint es um gehackte E-Mails zu gehen, die vom Mailkonto von Energieminister Berat Albayrak stammen sollen, dem Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Yücel hatte über die von einer Gruppe namens Redhack verbreiteten Mails zwei Artikel verfasst. Redhack gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Doppelpass lässt Yücel als türkischen Journalisten gelten

Yücel besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Aus Sicht der türkischen Behörden ist er damit ein einheimischer und kein ausländischer Journalist. Nach Angaben der "Welt" wurde Yücels Istanbuler Wohnung durchsucht, nachdem der Korrespondent sich der Polizei gestellt hatte.

In der Türkei sitzen zahlreiche regierungskritische Journalisten unter Terrorvorwürfen in Haft. Menschenrechtsorganisationen halten die Anschuldigungen häufig für konstruiert und für politisch motiviert. Die Regierung weist solche Kritik zurück.

(isw/dpa)
 
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