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Geheimpapiere veröffentlicht
Der Drohnenkrieg der USA: "Finden, fixieren, eliminieren"

Der Drohnenkrieg der USA: Whistleblower veröffentlicht Geheimpapiere
Die USA stehen wegen ihres Drohnenkrieges gegen Terroristen in der Kritik. Nun hat ein Whistleblower geheime Papiere veröffentlicht, die das System hinter den Drohnen-Angriffen offen legen. FOTO: afp, tg/ljm
Washington. Der Tod kommt per Knopfdruck. Weil sie mit ferngesteuerten Drohnen Terroristen jagen, stehen die USA international am Pranger, immer wieder sterben Zivilisten. Nun hat ein Whistleblower geheime Dokumente der US-Regierung veröffentlicht. Sie legen das tödliche System des Drohnenkrieges offen.

Nach den Worten von Barack Obama sind es manchmal einfach "tödliche Fehler". Im April traf es in Pakistan den Amerikaner Warren Weinstein und den Italiener Giovanni Lo Porto - zwei westliche Geiseln des Terrornetzes Al-Kaida. Sie starben durch einen bewaffneten Drohnenangriff der USA. Die Wortwahl des US-Präsidenten legte offen, wie schnell Zivilisten ins Visier der stark umstrittenen Attacken geraten können. Nun deckt ein anonymer Whistleblower mit Geheimdokumenten auf, wie fragwürdig das Vorgehen der USA im Drohnenkrieg ist. Fünf Erkenntnisse der im Internetportal "The Intercept" veröffentlichten Enthüllungen:

Die Sprache der Kriegsführung

Bei der Planung und Durchführung von Drohneneinsätzen werden oftmals Codewörter oder Abkürzungen verwendet. Drohnen werden als "Vögel" betitelt, Menschen als "Ziele". Bei erfolgreichen Missionen spricht man von einem "Jackpot", Opfer eines Angriffs werden als "im Einsatz getötete Feinde" (EKIA - Enemy Killed In Action) bezeichnet. Informationen über die Ziele werden auf "Baseball Karten" dargestellt. Ähnlich wie bei den Sportsammelkarten werden dabei persönliche Informationen zu den "Zielen" zusammengetragen -Verhaltensmuster, Geheimdienstwert, geografische Daten.

Die Drohnen der Militärs FOTO: dpa, Maurizio Gambarini

Neben dem Geheimdienst CIA führt auch die militärische Kommandoeinrichtung JSOC (Joint Special Operations Command) Drohnenangriffe aus. Insgesamt folgen die Geheimdienste der Devise "find, fix, finish" (FFF oder F3) - das Ziel finden, fixieren und eliminieren. Der Entscheidungsprozess durchläuft eine sogenannte "Kill Chain", eine Kette von Befehls- und Entscheidungsträgern, die vom Einsatzleiter vor Ort bis zum Präsidenten reicht.

Die Befehlskette

Unter den veröffentlichen Dokumenten befindet sich eine Seite, die beschreibt, wie die Befehlskette bei Drohnenangriffen im Jemen und Somalia aufgebaut ist. Im Fall eines konkreten Beispiels im Jemen Anfang 2012 begann der Prozess mit der Zielauswahl durch das JSOC-Kommando. Über verschiedene Generäle und den damaligen Verteidigungsminister Leon Panetta kam der Vorschlag zu einem beratenden Ausschuss - damit auch zur damaligen Außenministerin Hillary Clinton. Die letzte Entscheidung lag bei Präsident Obama. Für einen Entschluss benötigte er den Enthüllungen zufolge im Schnitt 58 Tage. Bei seiner Zustimmung hatte JSOC dann 60 Tage Zeit, um die Operation durchzuführen.

Die Todeslisten

Die genauen Kriterien, nach denen jemand auf die Liste möglicher Drohnenziele kommt, sind bis heute nicht öffentlich definiert. Für die Obama-Regierung musste anfangs ein Ziel neben der Zugehörigkeit zu Al-Kaida oder ähnlichen Terrorgruppen auch eine signifikante Bedrohung für die USA darstellen. Später konkretisierte Obama die Auswahl dann auf Personen, die eine "anhaltende, zeitnahe Bedrohung für das amerikanische Volk" bedeuten und die nicht gefangen werden könnten. Ein Anschlag würde nur ausgeführt, wenn mit "Beinahe-Sicherheit" keine Zivilisten verletzt oder getötet werden.

Die blinden Attacken

Die oft als effizient gelobten ferngesteuerten Angriffe erweisen sich nicht selten als fehlerhaft, weshalb neben mutmaßlichen Terroristen immer wieder Zivilisten sterben. Wegen der schwachen US-Präsenz im Jemen und in Somalia verlässt sich das Militär dort auf Signale von Handys und Computern, doch selbst eine Vollzeit-Überwachung aus der Luft ist wegen der großen Strecke zum US-Stützpunkt in Dschibuti unmöglich. Daher verlässt sich das Militär häufig auf Angaben anderer Länder - ein riskantes Unterfangen. Mangels Personal am Boden kann der Besitz von Getöteten - etwa Handy, Computer oder Dokumente - nach einem Angriff nicht ausgewertet werden, um weitere Ziele auszumachen. In einer Studie ist von "entscheidenden Defiziten" die Rede.

Die Opfer

Opfer der Drohnenangriffe werden immer wieder nicht nur zuvor definierte "Ziele", sondern auch Zivilisten. Auch das legen die von "The Intercept" veröffentlichen Geheimpapiere offen. Demnach werden bei den Angriffen wesentlich mehr unschuldige Zivilisten getötet als von den US-Behörden angegeben. Im Zuge der "Operation Haymaker" im Nordosten Afghanistans zwischen Januar 2012 und Februar 2013 bespielsweise wurden bei Angriffen mit Kampfdrohnen mehr als 200 Menschen getötet. Davon handelte es sich nur in 35 Fällen um gezielte Tötungen von Terrorverdächtigen. Über einen Zeitraum von fünf Monaten während des Haymaker-Einsatzes waren demnach 90 Prozent der Getöteten keine vorher "benannten Ziele".

Der interne Machtkampf

Wegen der parallelen Attacken von CIA und Militär tobt zwischen dem Geheimdienst und dem Pentagon ein Revierkampf hinter den Kulissen. Weil die CIA mit Angriffen in Afghanistan und Pakistan beauftragt wurde, drängte das Pentagon nach Informationen von "The Intercept" aggressiv darauf, im Jemen und in Somalia die führende Rolle zu spielen, unter anderem mit einer Sondereinheit namens TF 48-4. Daraufhin begann die CIA, den Jemen von einem neu geschaffenen Drohnen-Stützpunkt in Saudi-Arabien ins Visier zu nehmen. Das führte zu parallelen, konkurrierenden Ziel-Listen und Schuldzuweisungen von Vertretern beider Lager im Kongress. In einer Studie klagt das Pentagon gar über zu knappe Mittel, um seinen Einfluss auszubauen.

(dpa/AFP)
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