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GI's wurden als Befreier begrüßt: Der gute Krieg

VON THOMAS SPANG - zuletzt aktualisiert: 01.06.2004 - 18:51

Washington (RP). Den von Bush gezogenen Vergleich zwischen der Normandie-Invasion und dem Irak-Krieg weisen amerikanische Historiker zurück. Am D-Day wurden die GI's in Europa als Befreier begrüßt und eine Allianz geschmiedet.

Der für den Nahen Osten zuständige Chef des "Central Commands" John Abizaid hielt für die US-Senatoren zur Situation in Irak kürzlich eine unverhohlen deutliche Botschaft bereit. "Auch wenn wir militärisch nicht geschlagen werden können, werden wir dieses Ding militärisch allein nicht gewinnen", sagte der General im Kongress und erklärte warum. "Wir müssen alles zusammenbekommen: die Wirtschaft, die Politik, Geheimdienste, usw." Mit dieser Einschätzung liefert Abizaid gleichzeitig eine prägnante Beschreibung der Unterschiede zwischen dem Eintritt der USA in den Krieg gegen Deutschland und dem Krieg der Wahl gegen Saddam Hussein.

Denn anders als gegen die gut ausgekundschaftete und technologisch weit unterlegene Armee des Wüsten-Diktators stand der Sieg gegen Nazi-Deutschland keineswegs fest. Im Gegenteil. Als sich die ersten amerikanischen Truppen am "D-Day" (6. Juni) in Bewegung setzten, schrieb der kommandierende General Dwight D. Eisenhauer vorsorglich ein Statement auf einen Zettel, in dem er die Verantwortung für das mögliche Scheitern der Invasion übernahm. "Die Truppen, die Luftwaffe und die Navy, haben alles getan, was mit Mut und Pflichterfüllung erreicht werden kann", formulierte "Ike". "Falls es für diesen Versuch Schuld zu verteilen gibt, dann ist diese allein bei mir zu suchen."

Eisenhauer brauchte das öffentliche "mea culpa" nicht zu verlesen. Mit rund 3000 eigenen Verlusten verlief die Invasion der Allliierten an den Stränden der Normandie am D-Day besser als die Planer des militärischen Kraftaktes jemals zu hoffen wagten. 11 Monate später war Hitler erledigt, Europa vom Joch des Nationalsozialismus befreit. Die Historikerin Ellen Goodman erinnert in einem Beitrag für die Washington Post an einen Krieg, nach dem "GI" s wirklich mit Süßigkeiten und Blumen begrüßt wurden", die amerikanischen Soldaten als "wahrhafte Befreier der Konzentrationslager" galten und "Hitler nicht nur ein Name war, den wir allzu leicht gebrauchen, um unsere Feinde zu etikettieren".

US-Präsident George W. Bush zieht seit einiger Zeit Parallelen zwischen dem Kampf der "Greatest Generation" ("Großartigen Generation") gegen Hitler und der jetzigen Generation in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus. Amerikanische Soldaten hätten damals entschlossen Europa befreit. "Es ist derselbe Geist, der sie nach Irak gebracht hat, um eine Nation zu befreien." Historikerin Goodman sieht darin den unzulässigen Versuch, Geschichte für gegenwärtige Belange umzudeuten. "Freundlichkeit entwickelte sich zu unserer moralischen Ausrede für eine Mission, die zunächst mit Massenvernichtungswaffen begründet und dann als Befreiung gerechtfertigt wurde. Für Süßigkeiten und Blumen." Nach den Fotos aus Abu Ghraib lasse sich selbst diese Position kaum mehr halten.

Auch der Direktor des Remarque Institutes in New York, Tony Judd hält die Analogie für unzulässig und weist auf einen weiteren entscheidenden Unterschied hin. Während der D-Day das atlantische Bündnis begründete, droht Irak die Partner auseinander zu bringen. "Vor dem 2. Weltkrieg waren Amerika und Europa keine natürlichen Verbündeten." Heute teilten die politischen Führer weder die gleichen kulturellen Vorstellungen noch kämen sie zur gleichen Bewertung der Gefahren. Der Politologe stellt das mit dem Ausdruck des Bedauerns fest. "Wir, die wir nach dem 2. Weltkrieg groß geworden sind, sahen in diesem Band zwischen Amerika und Europa die beste Hoffnung für eine bessere Welt."

Wenn US-Präsident George W. Bush am 6. Juni gemeinsam mit Jacques Chirac, Tony Blair, Gerhard Schröder und anderen europäischen Führern den 60. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie begeht, gibt es aus Sicht vieler amerikanischer Kommentatoren reichlich Anlass darüber nachzudenken, wie das atlantische Erbe der "Greatest Generation" bewahrt werden kann.


 
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