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RHEINISCHE POST:"Ein Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten im Irak setzt eine machtpolitische Kettenreaktion in Gang, die in einem Desaster enden kann. Diese drohende Gefahr treibt Politiker wie US-Präsident Bush oder den geistigen Führer der Schiiten, Ajatollah al-Sistani an, nach dem Anschlag auf die schiitische Goldene Moschee in Samarra zur Mäßigung zu rufen. Doch genau das Gegenteil tritt ein. Es brennen sunnitische Moscheen, und unschuldige Menschen werden reihenweise aus Rache getötet. Ein Bürgerkrieg wird den Irak zerreißen. Die Kurden im erdölreichen Norden werden sich lossagen und die Schiiten sich möglicherweise Richtung Iran wenden."
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WESTDEUTSCHE ZEITUNG:"Die durch Wahlen, Regierungsbildung und eine neue Verfassung angestrebte staatliche Einheit Iraks war schon bisher kaum mehr als eine Fiktion. Ein Bürgerkrieg könnte dieser Fiktion den endgültigen Garaus machen. Dass selbst die Mahnungen des angesehenen Schiitenführers Al-Sistani, Ruhe zu bewahren, ungehört verhallen, macht jedoch wenig Hoffnung auf ein Ende der Gewalt. Während der Irak im Würgegriff terroristischer Fanatiker zappelt, können sich nur die Mullahs im Iran zufrieden zurücklehnen. Ihnen kommt die Entwicklung durchaus gelegen."
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FINANCIAL TIMES (Deutschland):"Schon die bisherige Gewalt im Irak ist gelegentlich als Bürgerkrieg auf kleiner Flamme bezeichnet worden. Allerdings gab es bislang stets auch einen Prozess, in dem sich eine neue Ordnung politisch und militärisch konstituierte. Die akute Gefahr ist jetzt, dass dieser Prozess zusammenbricht. (...) De facto hat die Zentrale in Bagdad aber bis heute kaum starke loyale Truppen. Lokale und ethnische Milizen bestimmen von Kurdistan bis Basra das Geschehen oder bilden das Rückgrat der neu aufgestellten offiziellen Kräfte. (...) Allen politischen Führern muss klar sein, dass der Absturz in Anarchie nur Verlierer hervorbringen wird. Die Frage ist trotzdem, ob sie ihn in der aufgewühlten Lage noch verhindern können."
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STUTTGARTER ZEITUNG"Da man nun einmal das Land besetzt hat, müsste Amerika eigentlich mehr Truppen bereitstellen, um den Irakern einen halbwegs geordneten Alltag zu sichern und das Land vor einem Bürgerkrieg zu bewahren. Aber dazu hat George W. Bush nicht mehr die Kraft. Amerika hat durch den Krieg nicht nur seine moralische Glaubwürdigkeit verloren, sondern auch weit gehend seine Handlungsfähigkeit. Dass dem Mann im Weißen Haus die Hände gebunden sind, hat verheerende Folgen für den Nahen und Mittleren Osten. Denn nun schürzt sich dort auf unheilvolle Weise ein Knoten, den nur eine führungsstarke Supermacht hätte auflösen können."
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DIE WELT:"Nicht-Schiiten können kaum ermessen, welchen Stellenwert die Gläubigen der Goldenen Moschee von Samarra beimessen. Der Anschlag offenbar sunnitischer Terroristen auf das Heiligtum ist allenfalls mit einer möglichen Sprengung der Jerusalemer Grabeskirche vergleichbar. Doch die Tat entspringt nicht religiösem Wahn, sondern perfidem Kalkül. Denn was alle noch so grausamen Morde von Sunniten an Schiiten und vice versa bisher nicht vermochten - dieser Anschlag hat das Potenzial, einen Bürgerkrieg im Irak zu entfesseln. (...) Al-Qaida und gleichgesinnte Gruppen sind zum Äußersten bereit, um die Staatwerdung des Irak zu verhindern. Sie setzen darauf, dass ihr terroristischer Nihilismus diejenigen schockiert und schwächt, die für eine friedliche Zukunft des Landes arbeiten. (...) Die Iraker haben Saddam Hussein überwunden, sie dürfen sich nun nicht den Boykotteuren ihrer Zukunft ergeben."
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NEUE RUHR / NEUE RHEIN ZEITUNG:"Noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Doch die irakische Regierung vermutet die Terroristen im Kreis der extremistischen Sunniten um den Jordanier Sarkawi, der den irakischen Ableger von El Kaida anführt. Er will den Bürgerkrieg, er will den Irak unregierbar machen. Muslime töten Muslime? Leuten wie den Machthabern im schiitischen Nachbarland Iran, Präsident Ahmadinedschad und Ajatollah Chamenei, passt dieser innerislamische Konflikt gar nicht ins Konzept. Und nichts liegt näher, als Israel und die USA zu bezichtigen, Drahtzieher des Anschlags auf den Schrein in Samarra zu sein. Es passt zu den gefährlichen Verschwörungstheorien, denen nicht wenige Menschen in der Region anhängen. Doch außer ein paar machtverwöhnten Extremisten hat im Irak niemand Interesse an einem Bürgerkrieg."
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LÜBECKER NACHRICHTEN:"Dass die Amerikaner so dumm wären, ein schiitisches Heiligtum zu sprengen, um ihren demokratischen Leuchtturm Irak zu zerlegen, wie es Irans Präsident Ahmadinedschad hinaustrompetet, mag man denn nun doch nicht glauben. Wahrscheinlicher klingt, dass es doch Sarkawi-Terroristen waren, die am Erfolg des US-Feldzugs für Demokratie ebensowenig interessiert sind wie an einer Machtausdehung Teherans. Während das aber nur Spekulation bleibt, ist ziemlich eindeutig, dass die Besetzung des Irak in blutigem Chaos zu enden droht. Dass man in Pentagon und Weißem Haus vorher nichts vom verworrenen Clan- und Stammesgeflecht im und ums Zweistromland wissen wollte, rächt sich nun bitter. Den Preis zahlen vor allem die Iraker: Saddams Despotenregime mögen sie los sein - besser geworden ist es für sie nicht. Und wird es so bald wohl auch nicht werden."
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MÄRKISCHE ALLGEMEINE:"Jenen, die nicht selten als 'Aufständische' bezeichnet werden, geht es nicht allein um Widerstand gegen die amerikanische Besatzung. Es geht ihnen um das gezielte Herbeiführen von Chaos und Bürgerkrieg, um Destabilisierung und das Aufeinanderhetzen der Religionsgruppen. Wer vor dem Umbringen eigener Landsleute und dem Zerstören religiöser Heiligtümer nicht zurückschreckt, ist kein Freiheitskämpfer, sondern ein Fanatiker und Terrorist. Es ist allerdings schon erstaunlich, dass einige Karikaturen in Dänemark zu einem Flächenbrand des Protestes im Nahen Osten führen, während das kaltblütige Zerstören einer historisch unwiederbringlichen Moschee höchstens kritische Kommentare in der arabischen Welt auslöst. Der Westen, von Bush bis UN und Kirchen, hat hier kraftvoller Stellung bezogen."
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FRANKFURTER ALLGEMEINE:"Die neuerliche Eskalation siganalisiert für den Irak nun eine Krisis im Wortsinn: Die Lage könnte ins Chaotische, in einen offenen Bürgerkrieg umkippen; es bleibt die Hoffnung, daß die Gemäßigten nun den Ernst der Lage begreifen. Daß die Sunniten die Gespräche zur Regierungsbildung vorerst abgebrochen haben, ist allerdings kein gutes Zeichen. Was den Anschlag von Samarra angeht, richtet sich der Verdacht gegen die irakische Al Qaida unter Führung des Terroristen Al Zarqawi. Er hat die Schiiten zu Feinden erklärt, weil sie mit den Amerikanern und Briten kooperieren; zu seiner Strategie gehört es, einen religiösen Bürgerkrieg anzufachen, um Kämpfer für den weltumspannenden Dschihad zu rekrutieren. Wen wundert es, daß in einer perversen Interessengemeinschaft auch der iranische Präsident Ahmadineschad Öl in das irakische Feuer gießt?"
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NORDKURIER:"Der Irak steht praktisch vor einem Bürgerkrieg. Nimmt man allein die Anzahl der Todesopfer nach den Anschlägen der vergangenen Tage zum Maßstab, dann befindet sich das Land sogar bereits mit mehr als nur einem Bein im Bürgerkrieg. Keine schöne Aussichten für die US-Truppen im Irak und für die Verbliebenen innerhalb der 'Koalition der Willigen'. Wie die von George W. Bush angestrebte Demokratisierung des Landes angesichts so einer Lage ablaufen soll, bleibt wohl das Geheimnis des US-Präsidenten. Eigentlich müsste dazu zunächst erst einmal ein Vertrauensverhältnis zumindest auf einer Art 'Geschäftsbasis für das tägliche Leben' zwischen den rivalisierenden Glaubensrichtungen untereinander hergestellt werden. Außerdem könnte eine Zeitplan für den sukzessiven ausländischen Truppenabzug weiterhelfen. Politisch umsetzbar ist derzeit indes keines von beiden."