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Kampf gegen den Terror
Der IS lässt sich besiegen, aber nur mithilfe von Bodentruppen

Kampf gegen den Terror: Der IS lässt sich besiegen, aber nur mithilfe von Bodentruppen
Der Westen und Russland schmieden eine Allianz gegen den islamischen Staat. FOTO: AP
Meinung Die Terrormiliz Islamischer Staat ist eine Armee, die man nicht durch Luftangriffe allein schlagen kann. Man muss sie unmittelbar vor Ort bekämpfen. Von Philipp Jacobs

François Hollande will ein Bündnis schmieden. Ein Bündnis gegen den Terror, der vor zwei Wochen in der Stadt der Liebe 130 Menschenleben auslöschte. Der französische Präsident redet von Krieg und versucht, mächtige Verbündete für seinen bevorstehenden Kampf zu gewinnen: Deutschland, Russland, die USA, die Türkei. Am Freitagmorgen teilte der französische Außenminister Laurent Fabius sogar mit, man könne sich eine Kooperation mit Assads Schergen vorstellen.

Eine solche Allianz mit all diesen Parteien könnte den Islamischen Staat zerquetschen, aber nicht, wenn die Beteiligten lediglich auf Angriffe aus der Luft setzen. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte bereits kurz nach den Anschlägen von Paris, der Kampf gegen den IS könne nur mithilfe von Bodentruppen gelöst werden. Putin hat recht. 

Der IS ist keine Geisterarmee. Es ist grausam einzugestehen, aber der Islamische Staat ist mittlerweile wirklich eine Art Staat. Er agiert längst nicht mehr im Verborgenen. Er hat einen funktionierenden Führungsapparat. Von seinen "Hauptstädten" Rakka und Mossul aus koordiniert er seine Angriffe. Dort und in vielen anderen Teilen Syriens erhebt er sogar Steuern.  

Es genügt nicht, das Böse mit kleinen Nadelstichen zu übersähen und darauf zu warten, dass es ausblutet. Es muss direkt vor Ort bekämpft werden. Ohne Heimat, ohne eine Basis, kann auch der IS nicht bestehen. 30.000 Soldaten sollen den Dschihadisten angehören. Sie leben verschanzt in den Hochburgen der Miliz unter Millionen Zivilisten wie Wölfe unter Schafen. Doch ein Häuserkampf mit westlichen Soldaten würde im Fiasko enden. Siehe Irak und Afghanistan. 

Der Westen muss die syrischen Rebellen für sich gewinnen. Er muss sie unterstützen. In Teilen geschieht das schon. Deutschland etwa hat bisher 4700 kurdische Peschmerga-Kämpfer ausgebildet. Das Mandat endet im Januar. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte jüngst, sie wolle es "verstetigen". 150 statt 100 deutsche Soldaten sollten die Kurden ausbilden. Doch das reicht nicht. Deutschland muss sein Engagement im Nahen Osten drastisch erhöhen. Es braucht mehr Munition, Nachschub, ja sogar Panzer. Denn letztere besitzt der IS ebenfalls. 

So lange die Bundesrepublik und der Rest von Hollandes gewünschter Allianz zögern und nur mit Luftschlägen in Syrien den IS wie einen Ameisenhaufen umgruppieren, kann die Terrorgruppe nicht besiegt werden. Schlimmer noch: Sie kann weiter morden. 

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