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Nahost-Konflikt: Der Krieg erreicht das Internet

VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 02.01.2009 - 14:20

Düsseldorf (RPO). Im Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas bilden sich neue Medien als wichtige Kriegszone heraus. Das israelische Militär veröffentlicht Videos von Luftangriffen bei "Youtube", die Hamas droht Israelis per SMS mit Vergeltungsschlägen und Blogger weltweit stellen die menschlichen Opfer in den Mittelpunkt.

Das israelische Militär hat sich am 29. Dezember auf dem Internetportal "Youtube" einen eigenen Bereich eingerichtet. Mit den inzwischen 21 Videos will die Armee ihre Angriffe auf den Gaza-Streifen rechtfertigen. Die zumeist schwarz-weißen Luftaufnahmen zeigen Szenen, in denen laut dem Militärbüro Extremisten Raketen verladen und dabei bombardiert werden. In einem anderen Video ist die Zerstörung eines Schmugglertunnels zu sehen, durch die die Hamas Waffen eingeschleust haben soll. Israel will allerdings auch beweisen, dass es an die Zivilisten denkt, und filmt, wie Hilfslieferungen in das Krisengebiet transportiert werden.

Die israelische Militärsprecherin Avital Leibovich sagte, der "Youtube"-Kanal sei Teil der israelischen Bemühungen, die eigenen Aktionen für das Ausland zu erklären. Mit Blick auf die Resonanz von "Youtube"-Filmen im Internet erklärte sie: "Die Blogosphäre und die neuen Medien sind grundsätzlich eine Kriegszone" im Kampf um die internationale öffentliche Meinung.

Die Resonanz auf die Videos ist groß. Bislang haben knapp 9000 Menschen den Internet-Kanal der Armee abonniert. Einige der Videos wurden bereits etwa 200.000 Mal angesehen.

Drohungen per SMS

Auch die Hamas hat die neuen Medien für sich entdeckt. Sie setzt allerdings nicht auf das Internet, sondern auf SMS. Zahlreiche Israelis hätten am Donnerstagmorgen auf ihren Handys Textbotschaften der Hamas gefunden, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die islamistische Organisation habe gedroht, "Raketen auf alle Städte" zu werfen, wenn Israel die Militäraktion in Gaza weiter eskalieren lasse. Man hätte noch mehr solcher Überraschungen auf Lager, habe ein Hamas-Sprecher in Gaza mitgeteilt.

Menschlichkeit in Blogs im Mittelpunkt

Der Krieg findet im Internet nicht nur von offizieller Seite statt. Menschen aus Israel, dem Gaza-Streifen und von der ganzen Welt kommentieren den Konflikt und geben den Opfern Namen und Gesichter.

Die kanadische Menschenrechtsaktivistin Eva Bartlett gibt ihre Eindrücke aus Gaza wieder. Mindestens ein Mal am Tag beschreibt sie, wie sie die Angriffe erlebt. Wenn sie aus dem Fenster sieht, kann sie Rauchschwaden aufsteigen sehen. Sie fotografiert die eingestürzten Häuser. Und Bartlett lässt Opfer zu Wort kommen, die detailliert erzählen, wie Kinder nach einem Bombeneinschlag schrien und wie der Tod riecht.

Auch ein palästinensischer Blogger auf "Mideast Youth" macht sich Gedanken über die Zivilisten. "Jeder redet über Gaza, den Krieg, Hamas und Israel, wie viele Menschen getötet wurden, wie viele Raketen abgeschossen wurden und was wir nun tun und lassen sollten. Aber was ist mit den armen Menschen? Was essen sie? Haben sie einen Platz zum Schlafen, nachdem sie ihre Häuser verloren haben?", fragt er sich.

Philip Rizk verzweifelt in seinem Blog "Tabulagaza". "Die Medien können nur zehn oder 15 Orte zeigen, aber es ist überall", schreibt er. "Überall um uns herum ist Tod." So etwas habe er sich niemals in seinem Leben vorstellen können.


 
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