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Schah-Sohn hofft auf Umsturz: Der Kronprinz träumt vom Pfauenthron

VON AFP-KORRESPONDENT PETER WÜTHERICH - zuletzt aktualisiert: 23.06.2009 - 12:51

Washington/Teheran (RPO). Das Teheraner Mullah-Regime befindet sich in der schwersten Krise seit der Revolution. Die Proteste gegen das Wahlergebnis erschüttern die Grundfesten des Gottesstaates. Einer wittert angesichts der Ereignisse Morgenluft: Schah-Sohn Reza Pahlavi fordert in seinem US-Exil einen demokratischen Neuanfang - sein autoritär regierender Vater wurde vor 30 Jahren aus dem Land gejagt.  

Der Pfauenthron ist der Inbegriff kaiserlicher Prachtentfaltung, über Jahrhunderte symbolisierte das mit Gold und Edelsteinen reich verzierte Sitzmöbel den Herrschaftsanspruch der iranischen Schahs. Der Pfauenthron steht heute in einem Museum in Teheran, und der Mann, der sich als sein rechtmäßiger Erbe versteht, muss mit schlichteren Sitzgelegenheiten Vorlieb nehmen. Reza Pahlavi, Sohn den letzten Schahs und früherer Kronprinz, lebt im US-Exil. In den Protesten im Iran sieht er seine Chance gekommen, er träumt von einer Rolle bei einem demokratischen Neubeginn.

Der allerdings scheint derzeit wenig wahrscheinlich. Im Konflikt um die umstrittene Präsidentenwahl hat die Regierung einen Kompromiss mit der Opposition am Dienstag ausgeschlossen. Der iranische Wächterrat lehnte eine Annullierung der Wahl ab und bestätigte damit den Sieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad. Unterstützung erhielt dieser auch aus Russland, das Streitigkeiten zur "rein inneriranischen Sache" erklärte. Im Westen hielt die Kritik aber an, die EU kritisierte die "brutale Gewalt" gegen Demonstranten.

Pahlavi zeigte sich am Montag von den Ereignissen in seiner Heimat sehr bewegt. Der Kaisersohn, der seinen Anspruch auf den Thron nie aufgegeben hat, führt einen sehr persönlichen, emotionalen Kampf gegen Irans Herrscher: Als er bei einer Pressekonferenz in Washington von den getöteten Demonstranten spricht, schießen ihm Tränen in die Augen, er schluchzt. Es sei ein "Schrei nach Freiheit und Demokratie", was derzeit auf Teherans Straßen ertöne.

In dem Volkszorn sehen Pahlavi und eine kleine Gruppe monarchistischer Mitstreiter Parallelen zu jenen Massenkundgebungen, die 1979 zum Sturz seines eigenen Vaters führten. "Die fanatischen Tyrannen wissen, dass die Zukunft gegen sie gerichtet ist", sagt Pahlavi. Seine Mission sieht er darin, die Herrschaft der Mullahs durch eine parlamentarische Demokratie abzulösen.

Vater starb auf der Flucht

Wäre sein Vater nicht in der Islamischen Revolution vom Pfauenthron vertrieben worden, dann wäre der heute 48 Jahre alte Pahlavi wohl der unumschränkte Herrscher eines zweitausendjährigen Reiches. Doch die Monarchie im Iran ist gestürzt, der gelernte Kampfpilot lebt als Kaiser ohne Land in einem Vorort von Washington. Sein Vater starb 1980 auf der Flucht, seine Mutter Farah Diba lebt in Paris, seine Schwester Leila kam 2001 durch eine Überdosis Drogen ums Leben.

Sie war die glamouröse Gattin des Schah, im Volk noch beliebt, als ihr Mann den meisten Iranern schon zutiefst verhasst war. 1979, bei Ausbruch der islamischen Revolution, flüchtete Farah Diba Pahlevi mit dem Schah ins Exil. Jetzt hat sich die Ex-Kaiserin aus Paris zu Wort gemeldet.

Bereits am Wochenende hatte sich Farah Diba zu Wort gemeldet. Sie hege die Hoffnung auf einen politischen Wandel im Iran. "Ich bin glücklich, dass die Stimmen der Menschen, die auf die Straße gehen, nun in der ganzen Welt gehört werden", sagte sie. Die Demonstranten merkten, "dass sie von den demokratischen Ländern unterstützt werden. Das macht ihnen Mut". Die Ereignisse seien "hoffentlich der Beginn einer demokratischen Regierung im Iran".

Schmerzhaftes Vermächtnis

Pahlavis Mission ist heikel. Er weiß um das schmerzhafte Vermächtnis seines Vaters. Der letzte Schah war ein von den USA alimentierter Gewaltherrscher, seine Flucht wurde im Iran weithin als Tyrannensturz gefeiert. Mit der klaren Forderung nach einer Rückkehr zur Monarchie würde der Schah-Sohn die Erinnerung an den unpopulären Vater aufleben lassen, also verlangt er lediglich, dass das Volk über eine neue Regierungsform abstimmen müsse. Sollte das Volk ihn rufen, daran lässt er keinen Zweifel, stünde er bereit.

Obwohl er sich nach dem Tod seines Vaters 1980 selbst zum Schahinschah, zum "König der Könige", ausriefen ließ, führt Pahlavi seinen Kampf weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Die Unruhen im Iran verschaffen ihm endlich die gewünschte Aufmerksamkeit. Vor der Hauptstadt-Journalisten in Washington wetterte Pahlavi am Montag gegen die "Tyrannen und ihre Schergen" auf den Straßen von Teheran, er warnte vor einem "nuklearen Holocaust", sollten sich die konservativen Kleriker durchsetzen.

Pahlavi glaubt, dass die Tage der Islamischen Republik im Iran gezählt sind und viele Iraner seine Ideen für die Zukunft teilen. Wie groß seine Gefolgschaft tatsächlich ist, lässt sich kaum ermitteln. Monarchistische Parteien sind im Iran streng verboten, der Ruf nach einer Rückkehr der Pahlavi-Dynastie ist bei den Protesten der vergangenen Tage im Iran jedenfalls nicht vernehmbar laut geworden. Viel deutet darauf hin, dass der Pfauenthron weiter im Museum bleiben wird.

Quelle: AFP

 
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