Mysteriöser Besuch bei San Suu Kyi: "Der Mann ist ein Idiot"
zuletzt aktualisiert: 15.05.2009 - 15:07Washington (RPO). Die Inhaftierung der birmanischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wird immer rätselhafter. Auslöser ihrer Verhaftung war offenbar der Besuch durch den US-Bürger John William Yettaw. Er durchschwamm heimlich einen See, um die Nobelpreisträgerin zu sehen. Jetzt sitzen beide im Gefängnis. Suu Kyis Anwalt macht den Amerikaner dafür verantwortlich. Er sei ein Idiot.
Der 53-jährige US-Bürger durchschwamm heimlich einen See zum abgesperrten Haus der Friedensnobelpreisträgerin in Birmas Hauptstadt Rangun und blieb offenbar gegen ihren Willen zwei Tage dort. Als er im Morgengrauen das Gelände ebenfalls schwimmend wieder verlassen wollte, wurde er festgenommen. Nun sitzen Yettaw und Suu Kyi im Gefängnis.
Die Militärjunta, die das südostasiatische Land seit 1962 regiert, will Yettaw wegen Verstößen gegen die birmanischen Einwanderungsbestimmungen und Sicherheitsgesetze den Prozess machen. Ihm drohen drei bis fünf Jahre Haft.
Vietnam-Veteran
Nach Berichten birmanischer Medien stammt Yettaw aus Detroit im Norden der USA. Er soll Psychologie studiert haben und in dem Dorf Falcon im Bundesstaat Missouri leben. Aus mehreren Ehen habe er insgesamt sieben Kinder. Laut US-Medien kämpfte der Mormone in den 70er Jahren als junger Soldat im Vietnamkrieg - beim Fall Saigons 1975 war er erst 19 Jahre alt.
Bevor er in Rangun in den See sprang, fotografierte Yettaw sich selbst. Die Bilder zeigen einen großen, leicht derangiert wirkenden Mann, der ein weißes Hemd und ein Paar Schwimmflossen trägt, die er offenbar selbst gebastelt hat. Vor seinem Abenteuer erzählte er birmanischen Oppositionellen im benachbarten Thailand, er wolle ein "religiöses Buch über Heldentum" schreiben.
Die Junta sagt "danke"
Ein Held ist Yettaw für Suu Kyis Unterstützer nicht. Der Hauptanwalt der Nobelpreisträgerin, Kyi Win, beschrieb den 53-Jährigen als "Abenteurer", gab ihm aber zugleich die Schuld für die jüngste Entwicklung. Er habe sich gegen Suu Kyis Willen in ihrem Haus aufgehalten. Der Mann sei ein "Idiot".
Mit seiner rätselhaften Aktion hat der Vietnamkriegs-Veteran der Junta einen Vorwand geliefert, um die Nobelpreisträgerin ins berüchtigte Insein-Gefängnis bei Rangun stecken zu können. Sie soll sich ab Montag wegen Missachtung ihrer Hausarrest-Auflagen vor Gericht verantworten. Der derzeitige Arrest der 63-Jährigen sollte eigentlich Ende Mai enden. Bislang hatten sich die birmanischen Behörden aber nicht dazu geäußert, ob sie die Sanktion gegen die Politikerin aufrechterhalten wollen.
Kritik auch von Organisationen
Auch die US-Organisation "Campaign for Burma" (Kampagne für Birma) kritisierte den ungebetenen Gast. Yettaw habe offenbar nicht wirklich über seine Aktion und die möglichen Konsequenzen nachgedacht, erklärte die Kampagnen-Vertreterin Jennifer Quigley. Die birmanische Oppositionszeitung "Irrawady" sieht in Yettaw einen "Herumtreiber", der der birmanischen Demokratiebewegung - wie andere westliche Sympathisanten zuvor - eher geschadet habe.
Das US-Außenamt teilte lediglich mit, dass am Donnerstag ein US-Diplomat an einer ersten Anhörung vor Gericht teilnehmen durfte. Während Washington die Festnahme Suu Kyis öffentlich kritisierte, gab es zu dem ungebetenen Besucher und seinen undurchsichtigen Motiven bislang keine offizielle Stellungnahme.
Scharfe Kritik aus aller Welt
Mit scharfer Kritik haben derweil Politiker und Menschenrechtsgruppen aus aller Welt auf die Anklage gegen Suu Kyi reagiert. Sie forderten die Militärjunta in Birma zur sofortigen Freilassung der 63-jährigen Friedensnobelpreisträgerin auf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Militärjunta auf, Suu Kyi sofort freizulassen. US-Außenministerin Hillary Clinton und der britische Premierminister Gordon Brown zeigten sich tief beunruhigt.
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