Obduktionsbericht liegt vor: Deutsche Geisel Rüdiger D. in Afghanistan hingerichtet
zuletzt aktualisiert: 02.08.2007 - 19:52Berlin (RPO). Die Kidnapper des in Afghanistan entführten Ingenieurs Rüdiger D. haben den von Gewaltmärschen geschwächten Deutschen mit zwei Schüssen hingerichtet. Das ergab der jetzt vorliegende Obduktionsbericht des Instituts für Rechtsmedizin in Köln. Bewegung soll in die Verhandlungen um den noch festgehaltenen Kollegen Rudolf B. gekommen sein, berichtet das ZDF.
Dessen lange erwartetes Ergebnis hat das Auswärtige Amt am Donnerstag in Berlin bekannt gegeben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierte zutiefst erschüttert und forderte Sühne für das Verbrechen.
Der Minister erklärte am Rande eines Afrikabesuchs in Accra (Ghana): "Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium. Seine Entführer haben ihn grausam in den Tod getrieben, seinem Leben schließlich in verbrecherischer Weise ein Ende bereitet." Dieses Verbrechen dürfe nicht ungesühnt bleiben, sagte der SPD-Politiker.
Im Einzelnen hieß es in dem Bericht, dass der 43-Jährige "auf Grund der extrem belastenden Situation während der Entführung" zunächst einen Kreislaufzusammenbruch erlitt. Offenbar um ein Hindernis auf der Flucht durch das Gebirge zu beseitigen, machten die Geiselnehmer dann kurzen Prozess: "Auf das noch lebende Opfer wurde nach dessen Zusammenbruch zwei Mal geschossen. Erst nach dem darauf erfolgten Todeseintritt wurden noch vier weitere Schüsse auf den Körper des Opfers abgegeben," hieß es in der Erklärung Jägers.
Die Leiche der Geisel wurde am 25. Juli ausgeflogen und dem Kölner Institut zur Feststellung der Todesursache übergeben. Zunächst war angenommen worden, dass D. den Strapazen der Gewaltmärsche über das Gebirge erlegen sei.
Der Kollege des Getöteten, der 62-jährige Rudolf B. aus Ottobrunn bei München, befindet sich weiter in der Hand der Entführer. Steinmeier sagte, nach dem Feststehen der Todesursache von Rüdiger D. würden alle Anstrengungen unternommen, die überlebende Geisel zu befreien. Die Verhandlungen machten "große Fortschritte", berichtete das ZDF am Donnerstagabend in der Nachrichtensendung "heute" unter Berufung auf afghanische Quellen.
Das Auswärtige Amt in Berlin wollte zu dem ZDF-Bericht keine Stellung nehmen. Eine Sprecherin sagte am Abend in Berlin auf ddp-Anfrage: "Wir kommentieren das nicht."
Sicherheitsexperten der Bundesregierung waren weiterhin mit der Analyse eines Videos befasst, das den entführten Bauingenieur in einer Bergregion zeigt, umgeben von mehreren maskierten Taliban-Kämpfern. Es war am Dienstag vom arabischen Sender Al Dschasira ausgestrahlt worden. Die Geiselnahme hatte sich zwei Wochen vorher am 18. Juli zugetragen.
Maizière warnt vor Überreaktionen
Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) und der Staatsminister in Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), bekräftigten, dass die Bundesregierung nicht erpressbar sei. De Maizière rief in der "Passauer Neuen Presse" dazu auf, bei den Bemühungen um eine Lösung des Geiseldramas Ruhe zu bewahren. Erler hob im Sender N24 hervor, Geiselnahme als Mittel der Geldbeschaffung sei zwecklos. Dies sei die wichtigste Botschaft an die Geiselnehmer. Das Wichtigste für die Bundesregierung sei die Befreiung der Geisel.
Im Drama um die 21 südkoreanischen Geiseln in Afghanistan schlossen Südkorea und die USA eine gewaltsame Befreiungsaktion aus. Die Regierungen beider Länder äußerten sich übereinstimmend, dass die Sicherheit der Verschleppten an erster Stelle stehe.
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