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Kämpfe in Afghanistan
Deutsche Offensive gegen Taliban

Merkel ehrt Bundeswehrsoldaten mit Ehrenkreuz
Merkel ehrt Bundeswehrsoldaten mit Ehrenkreuz FOTO: AP
Berlin/Kunduz (RP). Die Bundeswehr und das afghanische Militär sucht im Norden des Landes die Entscheidungsschlacht mit den Taliban. Seit Sonntag läuft eine Offensive, die sich zum bislang größten Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch entwickelt hat. Von Gregor Mayntz

Tag und Nacht sind nach Informationen unserer Redaktion Hunderte von Bundeswehrsoldaten Seite an Seite mit über tausend afghanischen Soldaten und Polizisten damit beschäftigt, die Taliban noch vor den Präsidentschaftswahlen im August aus der nördlichen Region zu vertreiben.

Erstmals werden dabei auch die an den Hindukusch verlegten "Marder”-Kampfpanzer eingesetzt. Daneben wurde die Mörser-Artillerie, bislang unter Verschluss wegen der möglichen "Kollateralschaden” in der Zivilbevölkerung, ebenfalls in Stellung gebracht. Die rund 300 Soldaten aus der "Quick Reaction Force” (QRF - Schnelle Eingreiftruppe) gehen nach Angaben aus Afghanistan "mit dem vollen QRF-Spektrum” gegen die Taliban vor. Ein Bundeswehrsoldat: "Es wird alles eingesetzt, was da ist.”

Bereits am Sonntag war es im Rahmen der Gefechte zu einem tragischen Zwischenfall gekommen, als ein mit fünf Personen besetzter weißer Pickup auf eine Bundeswehr-Stellung zuraste und auch nach Warnschüssen nicht angehalten hatte. Die Bundeswehrsoldaten hatten dann gezielt auf den Motorblock des Fahrzeuges geschossen und dabei einen afghanischen Jugendlichen getötet.

Von afghanischer Seite wurde daraufhin gemutmaßt, dass die Taliban das Fahrzeug zuvor benutzt haben und die Zivilisten gezwungen haben könnten, auf den deutschen Posten loszufahren. Einer der Wagen-Insassen war geflüchtet, bevor sich die Bundeswehrsoldaten um den Toten und die Verletzten hatten kümmern können.

Die Angehörigen sollen nach Bundeswehr-Angaben bei der Übernahme der sterblichen Überreste des jungen Mannes die Schuld an dem Tod ebenfalls auf die Taliban geschoben haben. Vermutlich wird die Bundeswehr eine finanzielle Wiedergutmachung an die Familie des Opfers zahlen, so wie sie es bei einem ähnlichen Vorfall im vergangenen Jahr geleistet hatte. Die Großoffensive nahe Kundus wird nach Angaben aus Afghanistan vermutlich noch "einige Tage” fortgeführt werden. Die Taliban reagierten unter anderem mit Raketenbeschuss auf Stellungen in Kunduz.

Wiederholt forderten Deutschen und Afghanen Luftunterstützung unter anderem durch amerikanische A-10-Flugzeuge an. Auch im Südosten des Landes ist seit Anfang Juli ein amerikanisch-britisches Vorgehen in seit langem von Taliban beherrschten Tälern im Gange. Gleichzeitig waren auch gestern wieder Angriffe und Selbstmordanschläge gegen afghanische und alliierte Gebäude zu verzeichnen, denen mindestens neun Menschen zum Opfer fielen.

(csi)
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