Nordafghanistan: Deutsche Reporter in ihrem Zelt erschossen
zuletzt aktualisiert: 08.10.2006 - 09:47Kabul (rpo). Erstmals seit der Befreiung Afghanistans von den Taliban vor fünf Jahren sind deutsche Journalisten in dem Land getötet worden. Die Mitarbeiter der Deutschen Welle wurden in der Nacht in ihrem Zelt erschossen. Der 38-jährige Mann und die 30-jährige Frau waren ohne afghanischen Begleiter gereist, galten aber als gute Kenner des Landes. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Doppelmord aufs Schärfste.
Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums erschossen Unbekannte in der Nacht zum Samstag in Zentralafghanistan die beiden Deutschen, die als freie Mitarbeiter für den Auslandssender Deutsche Welle arbeiteten. Es handelt sich um die Journalistin Karen Fischer (30) und den Techniker Christian Struwe (38). Beide seien durch mehrere längere Aufenthalte mit den Verhältnissen in Afghanistan gut vertraut gewesen und hätten sich auf einer privaten Reise durch das Land befunden.
Die Bundesregierung verurteilte den Doppelmord auf das Schärfste. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem "schrecklichen Verbrechen" und forderte, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Er fügte hinzu, der "grausame und sinnlose Tod unserer Landsleute bestärkt uns in unserer Verpflichtung, die afghanische Regierung in ihrem Einsatz für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan umso nachdrücklicher zu unterstützen".
DW-Intendant Erik Bettermann sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Es ist tragisch, dass Karen Fischer und Christian Struwe in dem Land sterben mussten, das sie in den vergangenen Jahren mit hohem persönlichen Einsatz unterstützt haben", betonte er.
Es ist das erste Mal seit Ende 2001, dass ausländische Journalisten in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen. Der Polizeichef der Provinz, Mohammad Asim Haschami, sagte, die beiden seien in einem Geländewagen unterwegs gewesen und hätten ihr Nachtlager außerhalb des Dorfs Abtotak im Bezirk Tala Wa Barfak aufgeschlagen. Sie seien am frühen Samstagmorgen von Schüssen aus einem Sturmgewehr AK-47 getötet worden, sagte er weiter. Die Schüsse seien von Dorfbewohnern gehört worden, die daraufhin zu der Stelle geeilt seien. "Sie fanden ein Zelt, und sie fanden die zwei Journalisten tot auf." Persönliche Dinge oder das Auto der beiden seien nicht gestohlen worden.
Wakil Asas sagte weiter, die Journalisten seien erst seit kurzer Zeit in Afghanistan gewesen. Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) sagte, die Journalisten seien alleine gereist und hätten keine militärischen Einheiten begleitet.
Karen Fischer hatte bei der Deutschen Welle volontiert und arbeitete zuletzt frei für das deutsche und englische Programm von DW-RADIO. Unter anderem hatte sie über die Wahlen in Afghanistan berichtet. Christian Struwe hatte als Techniker bei dem von der Deutschen Welle unterstützten Aufbau einer internationalen Nachrichtenredaktion beim staatlichen Sender Radio Television Afghanistan mitgewirkt.
Laut "Spiegel Online" hatten die beiden zuletzt an einer Dokumentation über Kulturgüter gearbeitet und waren von der Nordprovinz Baghlan in die Zentralprovinz Bamijan unterwegs, als sie in der Nacht zum Samstag 150 Kilometer nordwestlich von Kabul von Unbekannten in ihrem Zelt ermordet wurden. Laut Polizeiangaben waren sie ohne Fahrer und ohne einheimischen Führer unterwegs.
Bislang hat sich keine politische Gruppe zu dem Anschlag bekannt. Daher wird von der afghanischen Polizei ein krimineller Hintergrund nicht völlig ausgeschlossen. Allerdings deute nichts auf einen Raubmord hin, hieß es.
Nach Angaben des Sprechers der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe in Afghanistan (ISAF), Dominic White, hätten die beiden bis vergangenen Mittwoch "Arbeit im Zusammenhang mit der ISAF" geleistet und seien dann auf eigene Faust durchs Land gezogen. Vom Verteidigungsministerium in Berlin wurde mitgeteilt, dass es nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindung zum ISAF-Einsatz der Bundeswehr in Nordafghanistan gebe.
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