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Afghanistan: Deutscher Journalist von Taliban entführt

zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 13:13

Berlin (RPO). In Afghanistan ist erneut ein Deutscher entführt worden. Das hat der Gouverneur der afghanischen Provinz Kunar am Mittwoch bestätigt. Ein afghanischer Regierungsvertreter sagte, der Deutsche sei zusammen mit zwei afghanischen Kollegen von Taliban-Kämpfern verschleppt worden.

Die Männer hätten einen "schweren Fehler" begangen, als sie sich in den entlegenen Provinzbezirk Watapur begaben, ohne die afghanischen Behörden zu informieren, sagte Gouverneur Schalisai Didar der Nachrichtenagentur AFP. Der Journalist habe zu einem Luftangriff der NATO-geführten Afghanistan-Truppe (ISAF) recherchieren wollen, bei dem Anfang Juli mehrere afghanische Zivilisten getötet worden seien.

Die Entführung ereignete sich nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp 200 Kilometer östlich von Kabul, rund 15 Kilometer von der pakistanischen Grenze. Die Bergregion Kunar gilt als Hochburg der radikal-islamischen Taliban, zumal das pakistanische Grenzgebiet nicht von der pakistanischen Armee beherrscht wird. Die Amerikaner liefern sich dort immer wieder heftige Gefechte mit den Aufständischen.

Unterdessen bekannte sich ein Mann, der sich als Taliban-Kommandeur Kari Ischak ausgab, in einem Telefonat mit AFP im Namen der islamistischen Rebellen zu der Geiselnahme. "Wir haben sie entführt, und unsere Führer werden über ihr Schicksal entscheiden", sagte er.

Auch der afghanische Geheimdienst NDS bestätigte nach ARD-Informationen den Entführungsfall. Die deutsche Botschaft in Kabul gehe den Meldungen nach, sagte Außenamtssprecher Martin Jäger am Mittwoch in Berlin.

Journalist möglicherweise Reporter des "Stern"

Gouverneur Schalisai Didar sagte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, nach den ihm vorliegenden Berichten würden der deutsche Journalist und sein Übersetzer im entlegenen Gebiet Sangar im Bezirk Watapur vermisst. Ob es sich bei dem Journalisten um Christoph Reuter vom "Stern" handelt, stand zunächst nicht fest.

Der Chefredakteur des Magazins, Thomas Osterkorn, sagte am Morgen: "Er hat von Hamburg aus einen lange geplanten Urlaub angetreten. Nach unseren Informationen flog er nach Afghanistan. Er kennt das Land sehr gut, weil er in den vergangenen Jahren immer wieder für den 'Stern' dort gewesen ist und viele Reportagen gemacht hat. Wir machen uns jetzt große Sorgen um Christoph Reuter und versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen."

Der "Stern" erklärte, Reuter habe zuletzt für den "Stern" von Hamburg aus mit Journalisten vor Ort eine Umfrage unter Afghanen organisiert, ob die deutsche Bundeswehr im Lande bleiben solle oder nicht. Die Geschichte erscheine diese Woche in der aktuellen Ausgabe. Danach habe er den Urlaub angetreten. Reuter, der als Islamexperte gilt, war auch mehrfach im Irak.

Schalisai erklärte, die bergige und unsichere Region Sangar liege vier Stunden Fußmarsch entfernt: "Es war dumm von dem Deutschen, dorthin zu gehen." Er fügte hinzu: "Es war ein großer Fehler, der mir jetzt große Kopferschmerzen bereitet." Nach seinen Angaben versuchten der Deutsche und sein Begleiter, eine Region zu erreichen, in der es Anfang des Monats zu heftigen Kämpfen gekommen sei. Dabei seien Dutzende von Zivilisten getötet worden. Die Reisenden hätten sich bei örtlichen Behörden nicht gemeldet oder Rat eingeholt. Der Sprecher des Gouverneurs, Ajmal Khan, teilte mit, eine Delegation sei in den Bezirk Watapur entsandt worden, um die Berichte zu überprüfen.

Taliban drohen mit Ermordung südkoreanischer Geiseln

Unterdessen haben die radikalislamische Taliban die 23 in Afghanistan ebenfalls entführten Südkoreaner erneut mit dem Tod bedroht. "Wir haben eine Liste mit acht Häftlingen zu einem Austausch übergeben, aber die Regierung in Kabul behandelt die Angelegenheit mit Gleichgültigkeit", sagte Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi am Mittwoch in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. Ein Ultimatum der Taliban lief am Mittag ab.

Sorge um deutsche Geisel

Auch der Nervenkrieg um den seit einer Woche im Süden des Landes entführten deutschen Ingenieur geht weiter. Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi sagte Nachrichtenagentur AFP, der entführte Deutsche sei "sehr krank" und verliere immer wieder das Bewusstsein. Nach Informationen des ARD-Hörfunk-Studios in Kabul ging es dem Entführten hingegen "den Umständen entsprechend gut".

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios gab es am Sonntag einen telefonischen Kontakt zu der entführten deutschen Geisel. Die deutsche Botschaft habe versucht, dem Herzkranken die erbetenen Medikamente zukommen zu lassen. Es sei aber nicht bekannt, ob sie angekommen seien. Taliban-Sprecher Ahmadi sagte, der Mann leide an Diabetes. Er müsse meistens auf einer Trage von einem Ort zum anderen gebracht werden.

Die Leiche des in afghanischer Geiselhaft gestorbenen Bauingenieurs Rüdiger D. wird am Mittwoch in Deutschland erwartet. Ein Obduktionstermin in Köln zur Feststellung der genauen Todesursache ist nach Angaben des Auswärtigen Amts für Donnerstag angesetzt. Die Leiche weist eine Schusswunde auf. Die Bundesregierung unternimmt nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel alles Verantwortbare, um die noch gefangen gehaltene zweite Geisel zu retten.


 
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