Nach Festnahme von mutmaßlichem Kriegsverbrecher: Deutscher Richter soll über Mladic urteilen
zuletzt aktualisiert: 28.05.2011 - 13:51Den Haag/Belgrad (RPO). Der frühere Berliner Justizsstaatssekretär und deutsche Richter beim UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, Christoph Flügge, soll das Verfahren gegen den verhafteten bosnisch-serbischen Ex-General Ratko Mladic leiten.
Wie das Tribunal auf seiner Internetseite mitteilte, sitzt Flügge dem dreiköpfigen Richtergremium der Ersten Strafkammer des Tribunals vor, die den Fall verhandeln soll. Neben Flügge wurden der Niederländer Alphons Orie und der Südafrikaner Bakone Moloto für das Verfahren benannt.
Der 64-jährige Flügge hatte Ende 2008 seine Arbeit in Den Haag aufgenommen. Seine berufliche Karriere hatte er im Jahr 1977 als Staatsanwalt in Berlin begonnen. Er arbeitete in der Hauptstadt später als Strafrichter, Abteilungsleiter für den Bereich Strafvollzug bei der Justizverwaltung und schließlich als Staatssekretär beim Justizsenator. In Den Haag hatte er im vorgerichtlichen Verfahren gegen Radovan Karadzic bereits mehrfach mit einem der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher des bosnischen Bürgerkriegs zu tun.
Mladic war am Donnerstag in einem Dorf nördlich der serbischen Hauptstadt Belgrad festgenommen worden. Der frühere Kommandeur der bosnischen Serben ist vor dem UN-Tribunal wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs angeklagt. Er wird insbesondere für das Massaker an tausenden muslimischen Männern und Jungen in der Enklave von Srebrenica verantwortlich gemacht. Die serbische Justiz genehmigte am Freitag Mladics Überstellung an das Haager Gericht.
Fluchthelfern droht nun Strafe
Nach der Verhaftung des bosnisch-serbischen Ex-Generals Ratko Mladic hat der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, angekündigt, seine Fluchthelfer zur Verantwortung zu ziehen. "Wir werden alle verfolgen, die Mladic und anderen Flüchtigen geholfen haben, der Justiz zu entkommen", sagte Vukcevic am Samstag.
Die Unterstützer Mladics bei seiner fast 16 Jahre währenden Flucht hätten Serbien "schweren Schaden" zugefügt. Vom UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien gesuchte Flüchtige zu verstecken sei ein "schwerwiegendes Verbrechen", fügte Vukcevic hinzu. Im Dezember hatte ein Gericht in Belgrad zehn mutmaßliche Helfer Mladics freigesprochen. Die Fälle sollten nun wieder aufgerollt werden, sagte Vukcevic.
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