Konflikt zwischen Indien und Pakistan: Die letzte Mission der Condoleezza Rice
zuletzt aktualisiert: 03.12.2008 - 11:08Delhi (RP/RPO). Eigentlich bereitete sich US-Außenministerin Condoleezza Rice bereits auf einen ruhigen Abschied aus dem Amt vor. In Hillary Clinton ist ihre Nachfolgerin bereits bestellt. Kürzlich besuchte Rice die Queen zum Plaudern bei Tee und Keksen. Nach dem Terror-Angriff in Bombay ist diese Beschaulichkeit vorbei. Rice muss zwischen den Atom-Mächten Indien und Pakistan vermitteln, um eine Eskalation zu verhindern.
Nach den Anschlägen in der vergangenen Woche, bei denen neuen Angaben zufolge 171 Menschen getötet wurden, verschlechterten sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern dramatisch. Die Regierung in Delhi vermutet die Drahtzieher der Anschläge in Pakistan. Dabei stützt sich Indien auf die Aussage des einzigen Attentäters, der lebend verhaftet wurde.
Dieser hatte indischen Zeitungen zufolge ausgesagt, bei allen Attentätern handelte es sich im pakistanische Staatsbürger. Zudem seien sie von der Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba trainiert worden. Dieser Gruppe werden Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst nachgesagt. Zudem ist sie seit Jahren im umstrittenen Grenzgebiet Kaschmir aktiv.
Pakistan bemüht sich indes vorsichtig um eine Annäherung. "Wir müssen zusammenstehen, um diese Bedrohung gemeinsam zu bekämpfen“, sagte Präsident Asif Ali Zardari. Pakistans Regierung bestreitet nicht, dass pakistanische Terrorgruppen wie die Let die Attacke in Bombay ausgeführt haben könnten. Sie verneint aber, dass „staatliche Akteure“ – Regierung oder Militär – ihre Hände im Spiel gehabt haben. In Delhi fürchtet man jedoch, dass Teile von Pakistans Militär und Geheimdienst außer Kontrolle sind.
Indien verschärfte am Dienstag den Ton im Konflikt. "Jedes Land hat das Recht, sich zu verteidigen", sagte Außenminister Pranab Mukherjee im Fernsehsender NDVT zu möglichen Militäraktionen. Ein Vertreter des indischen Außenministeriums hatte am Montag festgestellt, es habe einen "enormen Rückschlag" im Vertrauensverhältnis mit Pakistan gegeben.
Im Gespräch ist, dass Indien gezielte Militärschläge auf Terror-Camps in Pakistan ausführt – ähnlich wie die US-Truppen von Afghanistan aus angebliche Terrornester in Pakistans Nordwesten bombardieren. Militäraktionen des alten Erzfeindes Indien auf Pakistans Boden könnten jedoch eine Kriegssituation provozieren. Beide Mächte verfügen über atomare Waffen.
Eine schwierige Mission für die US-Außenministerin Rice. Für heute ist ein Treffen mit Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh geplant. Rice will beiden Seiten eine amerika-geführte Vermittlung im Konflikt anbieten. Jeder ihrer Schritte ist eng mit dem designierten US-Präsidenten Barack Obama abgesprochen.
Die Beziehung zwischen Indien und Pakistan ist seit Jahrzehnten vergiftet. Der Kaschmir-Konflikt entwickelte sich bereits dreimal zu einem Krieg (in den Jahren 1948, 1965, 1971). Seit 1999 liefern sich beide Seiten immer wieder kleinere Scharmützel an der Grenze. Condoleezza Rice dürfte sich ihre verbleibenden Wochen im Amt angenehmer vorgestellt haben.
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