Arabische Welt: Die Protestwelle ist nicht zu stoppen
zuletzt aktualisiert: 20.02.2011 - 16:00Kairo (RPO). Nicht nur in Libyen - auch in Bahrain, Tunesien, Algerien, Dschibuti und im Jemen sowie weiteren Staaten der arabischen Welt gehen die Menschen auf der Straße. In einigen Ländern verlaufen die Proteste blutig.
Die Proteste gegen autoritäre arabische Regierungen ziehen immer weitere Kreise. In Bahrain, Tunesien, Algerien, Dschibuti und im Jemen sowie weiteren Staaten der arabischen Welt gingen am Wochenende erneut tausende Menschen auf die Straße. Allein in Libyen kamen bei den Demonstrationen seit Dienstag laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mindestens 104 Menschen ums Leben.
Dramtische Szenen in Beghasi
Dramatisch war die Lage vor allem in der nordostlibyschen Stadt Benghasi. Nach einem Bericht der Zeitung "Kurina" wurden am Samstag mindestens zwölf Menschen getötet als eine Menschenmenge auf dem Weg zur Beisetzung zweier getöteter Demonstranten eine Militärkaserne mit Molotowcocktails angriff und die Soldaten daraufhin das Feuer eröffneten. In der Stadt El Baida nahmen Islamisten mehrere Menschen in Geiselhaft und forderten "die Aufhebung der Belagerung durch die Sicherheitskräfte", wie ein Beamter sagte.
In Bahrain machte die Opposition den Perlenplatz in der Hauptstadt Manama nach dem Rückzug der Armee wieder zum Zentrum ihrer Proteste. Tausende Menschen versammelten sich am Sonntag auf dem Platz und forderten erneut den Rücktritt der Regierung. Dem Dialogangebot von Kronprinz Salman bin Hamad el Chalifa stand die Opposition weiter skeptisch gegenüber. Die mehrheitlich schiitische Bevölkerung Bahrains bemängelt Diskriminierungen und fordert von der sunnitischen Herrscherdynastie Reformen.
Hunderte im Jemen auf der Straße
Im Jemen demonstrierten am Sonntag erneut hunderte Studenten vor der Universität der Hauptstadt Sanaa gegen die Regierung von Staatschef Ali Abdallah Saleh. Am Samstag war in Aden ein 16-Jähriger nach Angaben eines Arztes tödlich von einer Kugel getroffen worden. In Sanaa waren zudem zahlreiche Studenten durch Schüsse verletzt worden. Frühere Berichte, nach denen dabei auch ein Demonstrant erschossen wurde, wies das Innenministerium jedoch zurück.
In Algerien schlugen Sicherheitskräfte am Samstag in Algier einen Protestmarsch der Opposition nieder, wobei etwa ein dutzend Menschen verletzt wurde. Rund 200 Demonstranten drangen dennoch auf den Platz des 1. Mai vor. Auch ein Abgeordneter der Oppositionspartei RCD wurde schwer verletzt, wie die Partei mitteilte. Er konnte das Krankenhaus jedoch am Abend wieder verlassen. Außenminister Murad Medelci sagte der spanischen Zeitung "El País" unterdessen, die Proteste in der arabischen Welt würden sich nicht auf Algerien ausweiten.
Selbst in Dschibuti gibt es Proteste
Im ostafrikanischen Dschibuti wurden nach offiziellen Angaben bei gewaltsamen Auseinandersetzungen bislang zwei Menschen getötet. Drei bei einer Demonstration am Samstag festgenommene Oppositionsführer wurden vorläufig wieder freigelassen, die Ermittlungen gegen sie dauern laut Generalsstaatsanwalt aber an.
Auch in der tunesischen Hauptstadt Tunis gingen am Sonntag rund 4000 Menschen Tausende auf die Straße, um den Rücktritt der Übergangsregierung von Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi zu fordern. "Das Volk will den Sturz des Regimes", riefen die Demonstranten. Dieses bestehe noch immer aus dem Stab des gestürzten Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali.
In Marokko protestierten am Sonntag erstmals mehrere tausend Menschen in Casablanca und Rabat für politische Reformen und eine Einschränkung der Macht des Königs. In Ägypten forderte der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei eine Aufhebung des seit drei Jahrzehnten andauernden Ausnahmezustands.
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