Unruhen in Bahrain: Die Situation ist außer Kontrolle
zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 13:20Manama (RPO). Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Bahrain hat die Herrscherfamilie die Soldaten am Samstag aus den Straßen abgezogen und damit eine Kernforderung der Opposition erfüllt.
Einige Bürger reagierten mit Jubel auf den Abzug - sie hupten, schwenkten bahrainische Flaggen und spreizten ihre Finger zum Victory-Zeichen. Allerdings beobachtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP, wie die Bereitschaftspolizei erneut Tränengas in die Menge abfeuerte. Zehn Personen seien festgenommen worden.
Mindestens 50 Menschen wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. Am Donnerstag waren bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten fünf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Für Samstag waren weitere Demonstrationen angekündigt.
Nach der zwischenzeitlichen Niederschlagung der Proteste hatte die Opposition in Bahrain ein Dialogangebot der Führung des Golfstaates abgelehnt. Die wichtigste schiitische Oppositionsbewegung El Wefak erklärte am Samstag, die Offerte sei nicht ernst gemeint.
"Wir erleben nicht die Sprache des Dialogs, sondern der Waffen", sagte ein hochrangiger El Wefak-Vertreter, Abdel Dschalil Chalil Ibrahim. Voraussetzung für einen Dialog sei der Rücktritt der Regierung und der Rückzug der Armee von den Straßen der Hauptstadt Manama.
Sicherheitskräfte hatten am Freitag in Manama das Feuer auf vorwiegend schiitische Demonstranten eröffnet. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei 55 Menschen verletzt, El Wefak sprach am Samstag von 95 zum Teil lebensgefährlich Verletzten.
Bereits am Donnerstag waren am frühen Morgen bei der gewaltsamen Räumung eines von der Opposition besetzten Platzes vier Menschen getötet und rund 200 weitere verletzt worden. Angesichts der Proteste hatte der Kronprinz von Bahrain, Salman ben Hamad el Chalifa, der Opposition am Freitag einen Dialog versprochen, sobald in dem Golfstaat wieder Ruhe eingekehrt sei.
Die Protestbewegung umfasst in dem gerade einmal eine Million Einwohner zählenden Bahrain die mehrheitlich schiitische Bevölkerung, die gegen die sunnitische Dynastie unter König Mohamed bin Issa el Chalifa aufbegehrt. Sie bemängelt vor allem Diskriminierungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie bei den Sozialdiensten.
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