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gedenkfeiern 9/11 ground zero panorama
  Foto: UPI, AP
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9/11-Gedenkfeiern an Ground Zero: Die Trauer kehrt zurück

zuletzt aktualisiert: 12.09.2010 - 10:01

New York (RPO). Amerika hat in landesweiten Gedenkfeiern der Anschläge vom 11. September gedacht. Feierlich wurden am Ground Zero die Namen der 2752 Opfer verlesen. Der Präsident sprach sich im Pentagon gegen religiöse Eiferer aus. Am Abend begann die Lichtshow "Tribute in Light" an der Südspitze Manhattans. 

Angehörige, Politiker, aber auch ganz normale Bürger sind in diesen Stunden bewegt. Neun Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center stehen die Vereinigten Staaten für ein paar Minuten still. Die Teilnehmer gedachten des Schreckenstages mit Schweigeminuten und Glockengeläut.

Angehörige der Opfer versammelten sich am Samstag am Ground Zero in New York, um Blumen, Fotos der Verstorbenen und US-Flaggen niederzulegen. "Keine andere Katastrophe hat unsere Stadt so getroffen wie diese," sagte Bürgermeister Michael Bloomberg.

An der Zeremonie im Herzen New Yorks, wo einst das World Trade Center stand, nahmen am Samstag unter anderen US-Vizepräsident Joe Biden und Bürgermeister Michael Bloomberg teil. Zu Beginn der Gedenkveranstaltung sang ein Jugendchor die Nationalhymne. Am Abend wurde zum neunten Mal das Lichtdenkmal "Tribute in Light" aktiviert. 88 Scheinwerfer werfen zwei Lichtsäulen in den New Yorker Nachthimmel, die die Zwillingstürme des World Trade Centers darstellen sollen.

US-Präsident Barack Obama nahm an einer Zeremonie im Pentagon in Washington teil, in das die Terroristen ebenfalls ein entführtes Flugzeug gesteuert hatten. Zusammen mit anderen Regierungsvertretern gedachte er in Washington der Opfer. Allein bei diesem Anschlag kamen 184 Menschen ums Leben.

Obama trauert im Pentagon

US-Präsident Barack Obama nahm die Feierlichkeiten zum Anlass, seine Landsleute zu Toleranz aufzurufen. "Als Amerikaner werden wir niemals im Krieg mit dem Islam sein", sagte Obama am Samstag bei einer Gedenkfeier im Verteidigungministerium in Washington. "Es war keine Religion, die uns an diesem Septembertag angegriffen hat. Es war El Kaida, eine jämmerliche Bande von Männern, die Religion pervertiert", sagte Obama weiter. Auch wenn es der Wunsch der Attentäter gewesen sei, das Land zu spalten, würden die USA "Hass und Vorurteilen" nicht nachgeben.

"Heute denken wir auch darüber nach, was diese Anschläge für eine ganze Generation junger Amerikaner bedeuteten, die dem Aufruf (in den Streitkräften) zu dienen folgten", sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Samstag. Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September marschierten die USA in Afghanistan ein, um das Taliban-Regime zu stürzen.

Spannungen wegen radikaler Eiferer

First Lady Michelle Obama nahm gemeinsam mit ihrer Vorgängerin Laura Bush in Pennsylvania an einer Gedenkfeier teil. Dort lobte sie den "Heldenmut" der Passagiere des vierten entführten Flugzeugs, das nur 20 Flugminuten von Washington entfernt auf ein Feld gestürzt war, nachdem die Insassen versucht hatten, das Cockpit zu stürmen.

In New York wollen Islamkritiker am Samstag in einer Großkundgebung gegen den Bau eines Islam-Gemeindezentrums nahe Ground Zero demonstrieren. Der fundamentalistische US-Pastor Terry Jones verzichtete derweil endgültig auf die von ihm ursprünglich für Samstag geplante Verbrennung des Koran. "Wir werden den Koran definitiv nicht verbrennen", sagte Jones dem US-Sender NBC am Samstag. "Nicht heute, nicht irgendwann", fügte er hinzu. Das Ziel seiner Kirche aus Gainesville im Bundesstaat Florida sei gewesen, "zu zeigen, dass es ein sehr gefährliches und sehr radikales Element im Islam gibt". Dieses Ziel sei inzwischen "vollständig erreicht" worden.

An der Demonstration der Moschee-Gegner beteiligte sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders. "Wir müssen hier die Linie ziehen", sagte er in einer Ansprache. "Wir dürfen denen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu geben." New York dürfe nicht ein "neues Mekka" werden.

Obama beschwört nationale Einigkeit

Präsident Obama hatte bereits vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten vor religiösen Ressentiments gewarnt und die nationale Einheit des Landes beschworen. Die Amerikaner seien am stärksten, wenn sie Versuchen zur Spaltung nicht nachgäben, sagte Obama am Samstag. Wie so oft in "schwierigen Zeiten" gebe es Versuche, das Land zu spalten, sagte Obama in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am Samstag. "Wir stehen zusammen, wir kämpfen Seite an Seite, wir lassen uns nicht von unserer Angst leiten, sondern von unseren Hoffnungen für unsere Familien, unsere Nation und eine strahlendere Zukunft".

Bereits am Freitag hatte der Präsident einen Zusammenhang zwischen Ressentiments gegen Muslime in den USA und der verbreiteten wirtschaftlichen Unsicherheit hergestellt. "Wenn in einem Land allgemeine Furcht herrscht, wenn es eine schwere Zeit durchlebt, dann werden Ängste, Verdächtigungen und Spaltungen sichtbar."

Mehrheit gegen Bau des islamischen Zentrums

Die Amerikaner aber dürften sich nicht von Religion spalten lassen. "Solange ich Präsident bin, werde ich alles tun, um die Amerikaner daran zu erinnern, dass wir eine Nation unter einem Gott sind, auch wenn wir diesem Gott unterschiedliche Namen geben", sagte er. Der Gegner der USA sei nicht der Islam, sondern "die Terroristen und Mörder, die den Islam pervertiert haben".

Die Pläne der kleinen fundamentalistischen Gemeinde, am Jahrestag der Anschläge islamistischer Terroristen das Heilige Buch der Muslime zu verbrennen, waren weltweit auf Empörung gestoßen. Das geplante islamische Zentrum nahe des bei dem Attentat in New York vor neun Jahren zerstörten World Trade Centers erregt die Gemüter. In Umfragen lehnt eine Mehrheit der US-Bürger zwei Monate vor den Kongresswahlen den Bau ab. Am Freitagabend demonstrierten rund 2000 Menschen für Toleranz und Religionsfreiheit. Am Samstag waren erneut Kundgebungen geplant, auch von Gegnern des Projekts.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte zum Jahrestag der Anschläge in Brüssel vor den Gefahren von Extremismus und Gewaltbereitschaft. "Und deshalb verurteilen wir auch in aller Klarheit Überlegungen, zum Beispiel den Koran zu verbrennen", sagte Westerwelle. "Das ist genau der religiöse Terrorismus, auf dem Gewalt gedeiht."

Quelle: AFP/AP/pst

 
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