Nach internationaler Kritik: Diplomaten und Journalisten dürfen Suu-Kyi-Prozess beobachten
zuletzt aktualisiert: 20.05.2009 - 14:23Rangun (RPO). Die Junta in Birma hat offenbar auf die massiven internationalen Proteste reagiert. Im Prozess gegen die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi sind überraschend ausländische Diplomaten und Journalisten zugelassen worden.
Sie hoffe auf "bessere Tage", sagte die Friedensnobelpreisträgerin den Besuchern am Mittwoch am Rande der Verhandlung im berüchtigten Insein-Gefängnis bei Rangun. Mit der Zulassung der Beobachter reagierte Birmas Junta offenbar auf eine Welle internationaler Kritik an der Inhaftierung der Politikerin.
Suu Kyi saß insgesamt 13 der vergangenen 19 Jahre in Haft oder stand unter Hausarrest. Ihr derzeitiger Hausarrest wäre Ende Mai zu Ende gegangen. Ihr droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Bei einer Verurteilung säße sie auch während der Wahlen hinter Gittern, die im kommenden Jahr stattfinden sollen.
Hoffen auf bessere Tage
"Vielen Dank für ihr Kommen und für Ihre Unterstützung", sagte Suu Kyi am dritten Verhandlungstag zu den Prozessbeobachtern. "Ich kann Sie nicht einen nach dem anderen treffen", entschuldigte sich die 63-Jährige, die gesund aussah und ein traditionelles birmanisches Gewand trug. "Aber ich hoffe, ich treffe Sie alle in besseren Tagen wieder."
Die Militärregierung wirft der Oppositionspolitikerin einen schweren Verstoß gegen ihren Hausarrest vor, weil sie einem US-Bürger einige Tage lang Obdach gewährte, der durch einen See zu ihrem abgesperrten Haus geschwommen war. Der Prozess gegen Suu Kyi hatte am Montag hinter verschlossenen Türen begonnen. Vier europäische Botschafter wurden vor Prozessbeginn an den Straßensperren rund um das Insein-Gefängnis abgewiesen, Einzelheiten waren bislang nur über die birmanischen Staatsmedien und Suu Kyis Anwalt zu erfahren.
Botschaften schickten Diplomaten
Am dritten Verhandlungstag durften nun fünf ausländische Korrespondenten und fünf Journalisten örtlicher Medien in den Gerichtssaal. Zudem durften die 30 ausländischen Botschaften in Birma jeweils einen Diplomaten entsenden.
Der britische Botschafter Mark Canning sagte nach der Begegnung der BBC, Suu Kyi sei "gelassen, aufrecht und knisternd vor Energie". Persönlich durfte die Oppositionspolitikerin nur mit den Botschaftern von Thailand, Singapur und Russland sprechen. Das Treffen fand nach der Verhandlung, in der lediglich die Zeugenaussage eines Polizisten gehört wurde, in einem sogenannten "Gästehaus" auf dem Gefängnisgelände statt.
Die Medien in Birma unterliegen einer strengen Zensur. Angesichts des Prozesses gegen Suu Kyi war die Militärregierung weltweit heftig kritisiert worden. Auch Nachbarstaaten wie Thailand setzten die Junta unter Druck.
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