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US-Personalkarussel
Trump will offenbar umstrittenen Ex-General als Sicherheitsberater

Donald Trump: Flynn Sicherheitschef, Gingrich nicht im Kabinett
Michael Flynn am Donnerstagabend vor dem Trump Tower in New York. FOTO: afp, DA/aek
New York. Für den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters hat Donald Trump offenbar einen Kandidaten ins Auge gefasst: Es soll der ehemalige Militärgeheimdienst-Direktor Michael Flynn werden. Eine Überraschung ist, dass Newt Gingrich der Regierung nicht angehören wird. 

Gingrich, ehemaliger Sprecher des Abgeordnetenhauses, wird der Regierung Donald Trumps nicht angehören. Die "Washington Post" berichtete, Gingrich habe dies telefonisch bestätigt. Gingrich war zuvor unter anderem sogar als Außenminister gehandelt worden.

Von den vielen Namen, die derzeit für Posten unter Donald Trump gehandelt werden, überrascht der von Nikki Haley jedoch am meisten. Die erste Gouverneurin South Carolinas hatte Trump im Wahlkampf zum Teil offen kritisiert und seinen Konkurrenten Marco Rubio unterstützt. Nun wird Haley als Kandidatin für das Außenministerium gehandelt, obwohl sie keinerlei außenpolitische Erfahrung hat.

Trump könnte einem Insider zufolge bei einem Treffen auch mit dem prominenten Republikaner Mitt Romney über den Außenministerposten sprechen. Geplant sei am Samstag ein allgemeines Gespräch, sagte eine mit dem Treffen vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach könnte es aber auch darum gehen, ob Romney ein Kandidat für die Nachfolge von John Kerry wird.

New Gingrich sagte laut "Washington Post", dass er der Regierung Trump nicht angehören werde. FOTO: dpa, msc hjb

In der Republikanischen Partei ist Romney einer der wichtigsten Kritiker Trumps. Im März hatte er den Immobilienmilliardär als "Angeber und Hochstapler" angegriffen und die Parteimitglieder aufgerufen, jedem anderen Bewerber um die offizielle Kandidatur der Partei ihre Stimme zu geben - nur nicht für Trump. Romney selbst war bei der Präsidentschaftswahl 2012 der Kandidat der Republikaner und unterlag gegen Amtsinhaber Barack Obama.

Das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters hat Trump unterdessen dem pensionierten Generalleutnant Michael Flynn angeboten. Dies teilte ein ranghoher Vertreter aus dem Team des designierten US-Präsidenten am Donnerstag (Ortszeit) mit. Ob Flynn die Offerte formal angenommen hat, wurde indes zunächst nicht gesagt.

Flynn war früher Direktor des Militärgeheimdiensts DIA. Im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf galt er als enger Berater Trumps, aktuell arbeitet Flynn mit dessen Übergangsteam in Fragen der Nationalen Sicherheit zusammen.

Anwärter auf den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters müssen sich keinem Bestätigungsprozedere im Senat stellen. Das Amt ist im Weißen Haus angesiedelt, dessen Inhaber hat traditionell oft Zugang zum Präsidenten.

Barack Obama empfängt Donald Trump im Weißen Haus FOTO: rtr, KL/gk

Flynn seit 2014 in Rente

In seiner Militärzeit machte sich Flynn als scharfsinniger und als geradliniger Geheimdienstler einen Ruf. 2014 ging er in Rente. Flynn gilt zudem seit langem als entschiedener Kritiker der Regierung des scheidenden Präsidenten Barack Obama und des Pentagons. Anstoß nimmt er vor allem an deren Herangehensweise an internationale Krisen und den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Flynns wohlwollende Haltung gegenüber Russland wird von einigen US-Sicherheitsexperten jedoch mit Skepsis gesehen. Er hat Washington zu einer engeren Zusammenarbeit mit Moskau aufgerufen, womit er sich an ähnliche Äußerungen Trumps anlehnt.

Im vergangenen Jahr reiste Flynn nach Moskau, wo er mit Kremlchef Wladimir Putin und anderen russischen Regierungsvertretern an einer Feier für den TV-Sender RT teilnahm. Später erklärte Flynn, er sei für den Besuch des Events bezahlt worden. Vorwürfe, er fördere russische Propagandaaktionen, wies er zurück.

Trump gilt auf außenpolitischem Parkett als unerfahren, seine ersten Entscheidungen in Fragen der nationalen Sicherheit werden sowohl von Verbündeten der USA als auch deren Gegnern genau beobachtet.

So könnte Donald Trumps Kabinett aussehen FOTO: Ferl

Persönliches Treffen mit Abe

Erstmals seit seiner Wahl absolvierte Trump am Donnerstag in New York ein persönliches Treffen mit einem Regierungschef: Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe zog im Anschluss eine positive Bilanz. Er halte Trump für einen Führer, in den er großes Vertrauen setzen könne, erklärte er vor Reportern. Details aus der Unterredung wollte er indes nicht nennen, auch Trumps Team hielt sich bedeckt.

Die Begegnung fand vor dem Hintergrund von Wahlkampfäußerungen des designierten Präsidenten statt, die viele Hauptstädte in der Welt verstört haben, darunter Tokio. Trump hatte unter anderem gefordert, dass verbündete Staaten wie Japan und Südkorea verstärkt für Kosten der Stationierung von US-Truppen in deren Ländern zur Kasse gebeten werden sollten.

Er deutete im Wahlkampf zudem an, dass Japan und Südkorea eigene Atomwaffen anschaffen könnten, anstatt sich auf die Abschreckung durch die USA zu verlassen. Kritikern zufolge könnte ein solches Szenario jedoch im Nordosten Asiens ein nukleares Wettrüsten auslösen.

(ap/csr)
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