John Lewis Jetzt twittert Trump gegen US-Bürgerrechtler

Washington · In fünf Tagen wird Donald Trump zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Bei seiner Rede zum Wahlsieg versprach er noch, das Volk einen zu wollen - nun greift er eine Legende der US-Bürgerrechtsbewegung an.

 John Lewis, Anführer der Bürgerrechtsbewegung in den USA, ist ins Visier von Donald Trump geraten.

John Lewis, Anführer der Bürgerrechtsbewegung in den USA, ist ins Visier von Donald Trump geraten.

Foto: dpa, CO kde

Innerhalb von 13 Stunden hat der künftige US-Präsident Donald Trump mehrere Tweets abgesetzt, die eine Legende der US-Bürgerrechtsbewegung, John Lewis, angreifen sollten. Dieser solle sich lieber um die Probleme in seinem Wahlbezirk im US-Staat Georgia kümmern, als sich über die US-Wahl zu beklagen, schrieb Trump am Samstag (Ortszeit). Der schwarze, seit rund 30 Jahren im Kongress sitzende Bürgerrechtler hatte am Tag zuvor angekündigt, nicht an Trumps Vereidigung teilzunehmen.

"Ich sehe nicht, dass dieser gewählte Präsident ein legitimer Präsident ist", sagte er in einem Interview mit NBC, das am Sonntag ausgestrahlt wird. "Ich denke, die Russen haben dabei geholfen, dass dieser Mann gewählt wird. Und sie halfen dabei, die Kandidatur Hillary Clintons zu zerstören."

Trump erklärte daraufhin, Lewis' Bezirk sei in einem grauenhaften Zustand und von Kriminalität befallen. Die Arbeit des Kongressabgeordneten solle darauf fokussiert sein. Später twitterte er, Lewis solle generell mehr Fokus auf die inneren US-Stadtteile setzen. "Ich kann jede Hilfe brauchen, die ich kriegen kann", schrieb er mit Blick auf die Bekämpfung von Verbrechen.

Die Demokraten im US-Staat Georgia verteidigten Lewis gegen die Anschuldigungen. "Es ist entmutigend, dass Trump lieber Lobpreise auf (den russischen Präsidenten) Wladimir Putin singt als auf Georgias lebende Legende für soziale Gerechtigkeit und eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung", sagte der Sprecher der Partei, Michael Smith.

Unterdessen forderte Trumps Team Präsident Barack Obama auf, einzugreifen. Der künftige Stabschef Trumps im Weißen Haus, Reince Priebus, sagte in der Sendung "Meet the Press" von NBC am Sonntag, dass Präsident Barack Obama aktiv werden und das, was geschehe, "beim Namen nennen" solle. "Es ist falsch, wie einige dieser Demokraten den gewählten Präsidenten Trump behandeln", sagte Priebus. Lewis sei "unverantwortlich" und habe einen "Feuersturm" gestartet.

Obamas Stabschef Denis McDonough sagte daraufhin in der CNN-Sendung "State of the Union", dass Trump seine Differenzen mit Lewis angehen sollte, um dem amerikanischen Volk zu vermitteln, dass man bereit sei, zusammenzuarbeiten.

Lewis gehört zu den am meisten verehrten Anführern der Bürgerrechtsbewegung. Bei dem historischen Marsch von Selma, Alabama, - auch als "blutiger Sonntag" bekannt - wurde er vor mehr als 50 Jahren von einem Polizisten verletzt und erlitt eine Schädelfraktur. Seitdem widmete er sein politisches, aktives Leben der Gleichberechtigung von Afroamerikanern.

(lsa/ap)
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