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TV-Debatte der US-Republikaner
Donald Trump: "Habe keine Zeit für politische Korrektheit"

Die Debatte der Kandidaten
Die Debatte der Kandidaten FOTO: afp, cs/lwc
Cleveland. Donald Trump hält sich ein Rennen ums Weiße Haus als unabhängiger Kandidat offen. Dies stellte der superreiche Unternehmer bei der ersten TV-Debatte der zehn republikanischen Spitzenkandidaten in Cleveland klar. Seine teilweisen rüden Ausfälle in den vergangenen Wochen entschuldigte er schlicht mit Zeitmangel.

Die Moderatorin Megyn Kelly brachte in einer Frage Trumps Castingshow "The Apprentice" zur Sprache, in der der Milliardär die Figuren von Kandidatinnen kritisiert und sexuell zweideutige Äußerungen von sich gegeben hatte. Trump versuchte die Kritik zunächst mit einem Witz zu kontern und erklärte, seine Kommentare hätten nur der Schauspielerin Rosie O'Donnell gegolten. Dann fügte er hinzu, dass er keine Zeit für "totale politische Korrektheit" habe.

Wenn Moderatorin Kelly dies nicht gefalle, tue es ihm leid. Er habe immer nette Dinge über sie gesagt, doch werde er als Vergeltung weniger freundlich zur ihr sein, drohte er. "Ich werde von so vielen Leuten herausgefordert und ich habe ehrlich gesagt keine Zeit für totale politische Korrektheit", sagte er weiter. "Das Land ist in großen Schwierigkeiten."

Vor allem Trump stand bei dieser Debatte im Mittelpunkt. Ein Rennen ums Weiße Haus als unabhängiger Kandidat lässt er sich offen. "Ich werde dieses Versprechen zu diesem Zeitpunkt nicht abgeben", antwortete Trump als einziger auf die erste Frage des Moderators. Dieser fragte nach einer Zusage, den bei den Vorwahlen bestimmten Spitzenkandidaten der Republikaner zu unterstützen. Das könne er aber nur zusichern, wenn er selbst die Vorwahlen gewinne, sagte Trump.

Fönfrisur und breites Grinsen: Donald Trump während der TV-Debatte. FOTO: afp, cs/lwc

Ein Wahlkampf Trumps als unabhängiger, dritter Kandidat bereitet den Republikanern große Sorge. Da bei einer knappen Wahl jede Stimme aus dem konservativen Läger zählt, könnte solch ein Schritt Trumps den Demokraten in die Karten spielen und der "Grand Old Party" den Wahlsieg kosten. Trump sichere sich nach allen Seiten ab und verhelfe der Demokratin Hillary Clinton zum Sieg, kritisierte deshalb der Senator aus Kentucky, Rand Paul, nach Trumps Ankündigung.

Auf der Bühne kam es teils zum direkten Wortgefecht der Politiker, die durch Ergebnisse aus fünf nationalen Umfragen ermittelt wurden. Zu den Themen zählten Wirtschaft, Steuern, Einwanderung, Terrorismus und die Überwachung durch den Geheimdienst NSA.

"Wir müssen den Behörden mehr Werkzeuge geben, um unsere Leute zu schützen, und diese (Werkzeuge) dann beaufsichtigen", sagte New Jerseys Gouverneur Chris Christie. "Ich will mehr Datensätze von Terroristen sammeln, aber weniger von unabhängigen Amerikanern", entgegnete ihm Kentuckys Senator Rand Paul, dem die Spionage zu weit geht.

Donald Trump: Tycoon, Unternehmer, Präsident FOTO: afp, so

Der Nutzen solcher TV-Debatten ist umstritten. Die "Washington Post" beschreibt einen guten Auftritt eines Kandidaten als kurzzeitiges Hoch, der die Stimmung in der Bevölkerung zwar leicht verändern, den Ausgang der Wahlen aber nur selten beeinflussen könne. Kandidaten, die zuvor weniger im Rampenlicht standen, könnten durch die Debatten aber mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Vorwahlen beginnen im Januar 2016 im US-Staat Iowa. Bis Mitte 2016 stehen dann die Präsidentschaftskandidaten fest, die am 8. November in den USA zur Wahl stehen. Amtsinhaber Barack Obama darf nach seinen zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

(dpa)
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