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Sturm der Entrüstung
Selbst der US-Adler hackt auf Donald Trump ein

Fotos: Tycoon, Unternehmer und Präsidentschaftskandidat
Fotos: Tycoon, Unternehmer und Präsidentschaftskandidat FOTO: afp, so
London. US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump schlägt nach seinen islamfeindlichen Äußerungen ein Sturm der Entrüstung ins Gesicht. 150.000 Briten fordern, Trump die Einreise zu verbieten. Selbst das US-Wappentier ist nicht gut auf den Republikaner zu sprechen.

So dokumentierte das US-Magazin "Time" ein Foto-Shooting mit Trump, bei dem er mit einem Weißkopfseeadler posiert. Das Tier reagiert auf die Annäherungsversuche des US-Republikaners allerdings eher aggressiv und hackt mit dem scharfen Schnabel nach ihm. Zwar stammen die Aufnahmen aus dem August. Doch hat "Time" sie erst jetzt bei Youtube veröffentlicht.

Aus Sicht Trumps ein eher unpassende Zeitpunkt. Seit seiner am Mittwoch erhobenen Forderung, Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern, schlägt ihm Empörung entgegen. Mitbewerber um das Weiße Haus verurteilten seine Äußerungen als die eines Faschisten, in anderen Ländern bildeten sich Initiativen, die es Trump mit gleicher Münze heimzahlen wollen.

So unterstützten bis Donnerstagmorgen fast 400.000 Briten eine Online-Petition, die ein Einreiseverbot nach Großbritannien für den Republikaner fordert. Der Milliardär hatte Anfang der Woche gefordert, Muslimen generell die Einreise in den USA zu untersagen.

Großbritannien hat wiederholt Personen nicht ins Land gelassen mit dem Argument, sie würden gesellschaftliche Spannungen provozieren. Diese Begründung eines "nicht akzeptablen Verhaltens" müsse nun auch auf Trump angewandt werden, heißt es in der Petition. In Großbritannien muss sich das Parlament mit dem Inhalt einer Petition beschäftigen, wenn sie mehr als 100.000 Unterschriften erhalten hat.

Eine schottische Universität entzog Trump prompt die Ehrendoktorwürde. Trumps Äußerungen seien mit dem Ethos und den Werten der Robert Gordon University "in keiner Weise vereinbar", erklärte ein Sprecher der Hochschule der Stadt Aberdeen am Mittwoch. Die Universität im Nordosten Schottlands habe daher beschlossen, Trump den im Oktober 2010 verliehenen Ehrentitel in Betriebswirtschaftslehre abzuerkennen.

Donald Trump und Co. – Promis in der Politik FOTO: ap

Auch die schottische Regionalregierung stellte ihre Zusammenarbeit mit Trump ein. Trump sei nach seinen Äußerungen "nicht länger geeignet", als Mitglied des Netzwerks GlobalScot für den Wirtschaftsstandort Schottland zu werben, erklärte ein Sprecher. Trumps Mutter stammt aus Schottland. Im nördlichen Landesteil des Vereinigten Königreichs besitzt er mehrere Golfplätze und Hotels. Für Empörung sorgte er auch mit Äußerungen über angebliche No-Go-Areas in Paris und London.

Auch in den USA ist weiterhin Empörung zu registrieren. In Atlanta (Georgia) wurden zwei Hakenkreuze mit dem Antlitz des US-Präsidentschaftsbewerbers entdeckt. Ein Polizist habe eine "deutsche Nazi-Flagge mit einem Bild von Adolf Hitler" an einem Brückenpfeiler entdeckt, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Ein Polizeifoto zeigt Trump auf dem Hakenkreuz mit dem von Nazi-Diktator Hitler bekannten Schnurrbart. Als Fliege trägt Trump einen 100-Dollar-Schein. Die "Philadelphia Daily News" hatte Trump nach seiner Forderung eines kompletten USA-Einreiseverbots für Muslime bereits mit ausgestrecktem rechten Arm auf der Titelseite abgedruckt.

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg wandte sich mit unterstützenden Worten an die Muslime in aller Welt gegen Trump. Er wolle Muslimen versichern, dass sie auf dem sozialen Netzwerk willkommen seien. "Wir werden dafür kämpfen, eure Rechte zu schützen und ein friedliches und sicheres Umfeld für euch zu schaffen", schrieb er auf Facebook.

 

I want to add my voice in support of Muslims in our community and around the world.After the Paris attacks and hate...

Posted by Mark Zuckerberg on  Mittwoch, 9. Dezember 2015

Zuckerberg bezog sich nicht explizit auf Trump. Stattdessen schrieb er: "Als ein Jude haben mir meine Eltern beigebracht, dass wir uns allen Angriffen auf alle Gemeinschaften entgegenstellen müssen."

Auch Boxlegende Muhammad Ali, einer der bekanntesten Muslime der Welt, reiht sich in die Liste der Kritiker ein. Er rief alle Islamgläubigen auf, "denjenigen die Stirn zu bieten, die den Islam benutzen, um ihre eigene persönliche Agenda voranzubringen".

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase

"Wahre Muslime wissen, dass die rücksichtslose Gewalt von sogenannten islamischen Dschihadisten den Lehren unserer Religion widerstrebt", teilte der 73-Jährige am Mittwoch in einer Erklärung mit. Er glaube, dass politische Anführer ihre Position nutzen sollten, für ein Verständnis für den Islam zu sorgen sowie klarzustellen, dass "diese fehlgeleiteten Mörder" in der Gesellschaft für verdrehte Ansichten über das gesorgt hätten, was die Religion wirklich ausmache.

Trumps Name erwähnte Ali nicht direkt. Er richtete seine Erklärung allerdings gegen "Präsidentschaftsbewerber, die ein Verbot von muslimischer Einwanderung in die Vereinigten Staaten vorschlagen".

Seit der Verkündung seiner Bewerbung Mitte Juni ist Trump im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur an die Spitze der Umfragen geschossen. Das konservative Establishment verfolgt den populistischen Kurs des politischen Seiteneinsteigers mit Unbehagen und fürchtet, dass Trumps polterndes Auftreten und seine bisweilen fremdenfeindlichen Äußerungen Wähler aus der Mitte verprellen könnten. Zugleich müssten die Republikaner befürchten, dass Trump bei einer eigenständigen Kandidatur das konservative Lager spalten und den Demokraten den Sieg bescheren könnte.

(pst/REU/AP/dpa)
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