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US-Präsident in Asien
Trump wirft Japan beim Staatsbesuch unfaire Handelspraktiken vor

Eindrücke vom Auftakt der Asienreise
Eindrücke vom Auftakt der Asienreise FOTO: afp
Tokio. US-Präsident Donald Trump hat bei seinem mehrtägigen Staatsbesuch Japan unfaire Handelspraktiken vorgeworfen. Er kündigte an, "auf freundliche Weise" verhandeln zu wollen. Das Verhältnis von Trump zu Japans Regierungschef Shinzo Abe gilt als sehr gut.

"Wir wollen fairen und offenen Handel, aber im Augenblick ist unser Handel mit Japan nicht fair und offen", sagte Trump am Montag vor Wirtschaftsvertretern in Tokio. Die USA litten sei "vielen, vielen Jahren" unter "massiven Handelsdefiziten" mit Japan. Mit Blick auf das Handelsungleichgewicht erwähnte Trump insbesondere die Autobranche. Millionen japanischer Autos würden in den USA verkauft, aber praktisch keine US-Wagen in Japan. "Also werden wir verhandeln müssen, und das werden wir auf freundliche Weise tun", fügte Trump hinzu.

Der Präsident verteidigte zugleich den Ausstieg seines Landes aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP. Japan und die Vereinigten Staaten würden in Zukunft mehr handeln, als man unter dem Pakt "je gedacht" habe, sagte Trump. Die multinationale Vereinbarung sei schlichtweg nicht der richtige Deal für die USA - die jetzigen Abkommen unfair und nicht offen. "Auch wenn einige von Ihnen in diesem Raum das nicht so sehen ... am Ende wird sich mein Weg als richtig erweisen", so Trump an die Unternehmer gewandt. Tokio hatte in der Vergangenheit darauf gedrängt, TPP zu erhalten.

Direkt an die Unternehmer gerichtet sagte Trump, er habe ihnen die Genehmigung von Projekten erleichtert. Sein Ziel sei, die USA zum attraktivsten Platz unter anderem für Investitionen japanischer Konzerne zu machen.

Zum Auftakt seiner Asien-Tour reist US-Präsident Donald Trump mit seiner Frau Melania nach Japan. Am Montag begrüßte sie der japanische Kaiser Akihito mit seiner Frau, Kaiserin Michiko, zur Audienz. FOTO: afp

Golf-Diplomatie

Trump war am Samstag in Japan eingetroffen. Nach einem Besuch bei US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Yokota reiste er weiter in die Hauptstadt Tokio. Dort traf sich Trump mit Premierminister Shinzo Abe am Sonntag zum Mittagessen - es gab Burger - und sie spielten anschließend Golf. Weiße Golfmützen trugen ihre Namenszüge. Sie schlossen den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen.

"Japan ist ein geschätzter Partner und wichtiger Alliierter, wir danken für ihre Freundschaft", sagte Trump. Allerdings soll er nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo vor der Reise Unverständnis für Tokios Reaktion auf zwei jüngste Raketentests durch Nordkorea geäußert haben. Er könne nicht verstehen, warum ein Land von Samurai-Kriegern die Raketen nicht abschoss, wird er zitiert.

Trump, der in einer Rede vor den Vereinten Nationen Nordkorea kürzlich noch mit totaler Zerstörung gedroht hatte, fand auf dem Flug in die Region plötzlich freundliche Worte für das Land: "Ich glaube, sie sind großartige Leute. Sie sind fleißig, sie sind herzlich, viel herzlicher als die Welt tatsächlich weiß oder versteht."

Rund 21 000 Polizisten sind zur Sicherheit während Trumps Besuch in Tokio und Umgebung im Einsatz.

US-Präsident Donald Trump und der japanische Regierungschef Shinzo Abe teilen die Leidenschaft für Golf. Am Sonntag spielten sie mit dem japanischen Profigolfer Hideki Matsuyama. FOTO: rtr, IK/FL

Audienz beim Kaiser

Am Montag empfing Japans Kaiser Akihito mit seiner Frau, Kaiserin Michiko, den amerikanischen Präsidenten und First Lady Melania zu einer Audienz. Nach kurzen Worten der Begrüßung zogen sich die Vier zu einem Gespräch zurück. Trump sprach dabei mit Hilfe eines Übersetzers mit dem Kaiser, während seine Frau sich mit der Kaiserin unterhielt, wie das japanische Fernsehen zeigte. Über was die Vier sprachen, war nicht zu vernehmen.

Am letzten Tag seines Besuches in der japanischen Hauptstadt führt Trump anschließend politische Gespräche mit Ministerpräsident Shinzo Abe. Zentrales Thema wird die Krise um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm sein. Japan steht unter dem atomaren Schutzschild der USA. Zugleich ist Japan wichtiger Verbündeter der USA in der Region.

Ferner steht ein Treffen von Trump mit Angehörigen von Japanern auf dem Programm, die in den siebziger und achtziger Jahren von nordkoreanischen Agenten entführt worden waren. Sie sollten nordkoreanischen Spionen unter anderem Japanisch beibringen. Für Japan gilt Nordkorea daher als Erzfeind.

Lange Asien-Tour

Japan ist die erste Station einer fast zweiwöchigen Asienreise, die Trump auch nach Südkorea, China, Vietnam und auf die Philippinen führt. Der Konflikt mit Nordkorea dürfte im Mittelpunkt seiner Gespräche stehen. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern stehen Handelsfragen auf Trumps Prioritätenliste aber ebenfalls weit oben.

Trump setzt mit seiner "America First"-Politik auf wirtschaftliche Abschottung und kündigte nur drei Tage nach seinem Amtsantritt im Januar das transpazifische Freihandelsabkommen TPP auf, an dem auch Japan beteiligt ist.

(sbl/dpa/AFP)
 
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