Pakistan: Dramatischer Spendenaufruf für Erdbebenopfer
zuletzt aktualisiert: 26.10.2005 - 12:02Bonn (rpo). Deutsche und internationale Hilfsorganisationen haben eindringlich zu mehr finanziellen Hilfen für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Pakistan aufgerufen. "Es muss allen klar sein, dass viele Menschen sterben könnten, wenn wir nicht schnell etwas tun", warnte der Regionaldirektor des Welternährungsprogramms. Bisher verfügen die Vereinten Nationen nur über ein Drittel der benötigten Mittel.
Bei dem Erdbeben am 8. Oktober kamen etwa 80.000 Menschen ums Leben. In Genf findet an diesem Mittwoch eine Geberkonferenz der UNO für Pakistan statt. Bislang haben die Vereinten Nationen nur 90 Millionen Dollar und damit weniger als ein Drittel der benötigten 312 Millionen Dollar für die Erdbebenhilfe erhalten. Nach Angaben der Hilfsorganisationen drängt die Zeit, weil die Temperaturen am Dienstag im Katastrophengebiet unter den Gefrierpunkt fielen und neue Regenfälle erwartet werden. Laut Unicef ist jeder zweite der zwischen zwei und vier Millionen Obdachlosen in Kaschmir ein Kind oder Jugendlicher.
Tragödie befürchtet
"In Pakistan entwickelt sich eine Tragödie", warnte der Vorsitzende von Unicef-Deutschland, Reinhard Schlagintweit. Die Obdachlosen müssten so schnell wie möglich mit Decken, Zelten, Wasser, Nahrung und Medikamenten versorgt werden. "Nur verstärkte Hilfe vor dem bevorstehenden Winter kann das Leben von tausenden Kindern retten." Die designierte Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis, forderte zu mehr Engagement für die Erdbebenopfer in Pakistan auf. Die Spendenbereitschaft "könnte noch ein bisschen größer werden", sagte sie im Bayerischen Rundfunk. Wenn die Deutschen sich mit einer Katastrophenregion identifizieren könnten, dann seien sie "große Spender", erklärte die ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein. "Offensichtlich ist ihnen das Land Pakistan aber fern."
Auch das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) sprach von einer mangelnden Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für Pakistan. Bislang stünden von den für einen Zeitraum von sechs Monaten benötigten 18 Millionen Euro lediglich 3,3 Millionen Euro zur Verfügung, beklagte das UNHCR in Berlin. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner versprach im Bayerischen Rundfunk weitere Hilfsgelder für die Menschen im Erdbebengebiet. "Zusätzlich zu dem, was an humanitärer Hilfe schon geleistet wurde, werden 80 Millionen Euro bei dieser Konferenz angesprochen werden", sagte sie. Die Situation sei "verheerend".
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